Der zweite Band der Dickens-Edition im dtv
David Copperfield wird nach dem Tod beider Elternteile von seinem Stiefvater auf die Schule des brutalen Mr. Creakle geschickt. Dort verlebt er eine bedrückende Zeit und wird bereits als Zehnjähriger zur Fabrikarbeit gezwungen. Elend und Ausbeutung stehen im Zeitalter der blühenden Industrialisierung auf der Tagesordnung, und David kann sich den unerträglichen Bedingungen nur durch die Flucht zu seiner Tante Betsey entziehen. Obwohl diese ihn kaum kennt, nimmt sie ihn herzlich auf. Nach entbehrungsreicher Zeit scheint sich das Blatt zu wenden und der Junge kann eine gute Schule besuchen. Wie Dickens wird er später selbst Anwaltsgehilfe, Reporter und schließlich erfolgreicher Schriftsteller. ›David Copperfield‹ gilt als einer der bedeutendsten Kindheits- und Jugendromane der Weltliteratur. Er zeigt Dickens' überragendes Talent für die Darstellung von Stimmungen, Erlebnissen und Gefühlen seiner Figuren. Das 1849/1850 zunächst in Fortsetzungen erschienene Werk weist viele autobiografische Züge auf und gilt als Lieblingsroman des berühmten englischen Schriftstellers.
Ja, dieses Werk kann mit seinen Umfang erschrecken und auch ich habe mich lange nicht an dieses Buch gewagt. Dabei liest sich das Leben David Copperfields sehr flott und es kann nie Langeweile auf. Charles Dickens nimmt uns mit ins Davis Leben, begonnen mit seiner Geburt über die Veränderungen in seinem Heim, seine Schule- und Lehrzeit und so weiter. Dabei wird er von guten Seelen, wahren Freunden, begleitet und gerät leider auch an windige Charaktere. Es ist ein Buch seiner Zeit, ein Abbild der damaligen Gesellschaft und Verhältnisse, gezeichnet voller Witz und Gefühl. Ein tolles Leseerlebnis.
29. März 2026
4,5
Klassiker
Ja, dieses Werk kann mit seinen Umfang erschrecken und auch ich habe mich lange nicht an dieses Buch gewagt. Dabei liest sich das Leben David Copperfields sehr flott und es kann nie Langeweile auf. Charles Dickens nimmt uns mit ins Davis Leben, begonnen mit seiner Geburt über die Veränderungen in seinem Heim, seine Schule- und Lehrzeit und so weiter. Dabei wird er von guten Seelen, wahren Freunden, begleitet und gerät leider auch an windige Charaktere. Es ist ein Buch seiner Zeit, ein Abbild der damaligen Gesellschaft und Verhältnisse, gezeichnet voller Witz und Gefühl. Ein tolles Leseerlebnis.
Also ich mochte David Copperfield so sehr.
Dickens hat hier ein Werk geschaffen, welches autobiographische Züge aufweist. Es gab hier einige Parallelitäten zu Dickens eigener Kindheit, zum eigenen Lebensweg. Dies im Hinterkopf zu haben, machte die Geschichte für mich natürlich noch interessanter.
David Copperfield erzählt hier selbst seine eigene Geschichte. Er beginnt mit seiner Geburt und wir begleiten ihn einige Jahre.
Hierbei begegnen wir vielen Menschen, die so interessant und natürlich in die Geschichte eingewoben werden. Und die vor allen Dingen ihre ganz eigenen Kämpfe auszufechten haben.
Copperfield wächst als kleiner Junge bei seiner Mutter auf. Den eigenen Vater zwar nie kennengelernt, verbindet beide eine liebevolle Beziehung. Gestört wird diese jedoch schon sehr bald durch seinen gewalttätigen Stiefvater und dessen Schwester, die sich in das Laben Davids und seiner Mutter Clara drängen und nichts als Gefühlskälte und Unheil bringen. Eine Stütze für Davy, wie er liebevoll genannt wird, ist die Hausangestellte Pegotty.
Traumatische Umstände in Copperfields frühen Jahren lassen ihn unter größter Verzweiflung und als letzte Hoffnung, seine Großtante Betsey Trotwood aufsuchen, zu der er bisweilen keine bewusste Verbindung hatte.
Hier entfaltet sich die Geschichte immer weiter.
Für mich war dieses Werk trotz seines Umfangs von 1136 Seiten gut und relativ zügig zu lesen. Ich wollte immer unbedingt wissen, wie es mit David weitergeht.
Dickens entfaltet hier tatsächlich eine große Geschichte, die sich nicht nur auf die Protagonist:innen sondern auch auf gesellschaftliche Strukturen im England des 19. Jahrhunderts bezieht.
Es geht um Gesellschaftsschichten, Kinderarbeit, Umgang mit Menschen, die besondere Bedürfnisse haben, die Stellung der Frauen, Beziehungen und Erziehungsmethoden Kindern gegenüber, arrangierte Ehen u.v.m.
Kurzum entwirft Dickens ein umfassendes Gesellschaftsportrait dieser Zeit .
Was mir am Besten daran gefallen hat, ist die Menschlichkeit und Liebe mit der er dabei auf seine Charaktere blickt. Er zeigt Missstände auf und ist meines Erachtens was einige Ansichten angeht, seiner Zeit voraus. Vermutlich bedingt durch seine eigene Biografie, hatte er keine andere Wahl als beide Seiten der Medaille im Leben zu erfahren und daraus Inspiration für seine Werke zu ziehen. Vor allen Dingen aber nutzt er hier seine Stimme als Schriftsteller, um sich für Humanität, Freundschaft, Liebe , Gerechtigkeit und Empathie auszusprechen.
Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Auch die angepriesene Übersetzung von Gustav Meyrink hat mir ausgesprochen gut gefallen. Alle Charaktere erhalten gemäß der Zugehörigkeit zu einer eigenen Gesellschaftsschicht oder zugehörig einer bestimmten Region eigene
Dialekte und Sprechweisen.
Ein tolles Werk, welches nicht mehr ausziehen wird. Vermutlich werde ich mir noch eine Dickensbiographie zulegen.
Als krönenden Abschluss zum Buch habe ich mir auf Prime noch die Verfilmung von 1999 mit Daniel Radcliffe als junger David Copperfield angesehen und auch diese hat mir sehr gut gefallen.
6. Apr. 2024
5,0
Also ich mochte David Copperfield so sehr.
Dickens hat hier ein Werk geschaffen, welches autobiographische Züge aufweist. Es gab hier einige Parallelitäten zu Dickens eigener Kindheit, zum eigenen Lebensweg. Dies im Hinterkopf zu haben, machte die Geschichte für mich natürlich noch interessanter.
David Copperfield erzählt hier selbst seine eigene Geschichte. Er beginnt mit seiner Geburt und wir begleiten ihn einige Jahre.
Hierbei begegnen wir vielen Menschen, die so interessant und natürlich in die Geschichte eingewoben werden. Und die vor allen Dingen ihre ganz eigenen Kämpfe auszufechten haben.
Copperfield wächst als kleiner Junge bei seiner Mutter auf. Den eigenen Vater zwar nie kennengelernt, verbindet beide eine liebevolle Beziehung. Gestört wird diese jedoch schon sehr bald durch seinen gewalttätigen Stiefvater und dessen Schwester, die sich in das Laben Davids und seiner Mutter Clara drängen und nichts als Gefühlskälte und Unheil bringen. Eine Stütze für Davy, wie er liebevoll genannt wird, ist die Hausangestellte Pegotty.
Traumatische Umstände in Copperfields frühen Jahren lassen ihn unter größter Verzweiflung und als letzte Hoffnung, seine Großtante Betsey Trotwood aufsuchen, zu der er bisweilen keine bewusste Verbindung hatte.
Hier entfaltet sich die Geschichte immer weiter.
Für mich war dieses Werk trotz seines Umfangs von 1136 Seiten gut und relativ zügig zu lesen. Ich wollte immer unbedingt wissen, wie es mit David weitergeht.
Dickens entfaltet hier tatsächlich eine große Geschichte, die sich nicht nur auf die Protagonist:innen sondern auch auf gesellschaftliche Strukturen im England des 19. Jahrhunderts bezieht.
Es geht um Gesellschaftsschichten, Kinderarbeit, Umgang mit Menschen, die besondere Bedürfnisse haben, die Stellung der Frauen, Beziehungen und Erziehungsmethoden Kindern gegenüber, arrangierte Ehen u.v.m.
Kurzum entwirft Dickens ein umfassendes Gesellschaftsportrait dieser Zeit .
Was mir am Besten daran gefallen hat, ist die Menschlichkeit und Liebe mit der er dabei auf seine Charaktere blickt. Er zeigt Missstände auf und ist meines Erachtens was einige Ansichten angeht, seiner Zeit voraus. Vermutlich bedingt durch seine eigene Biografie, hatte er keine andere Wahl als beide Seiten der Medaille im Leben zu erfahren und daraus Inspiration für seine Werke zu ziehen. Vor allen Dingen aber nutzt er hier seine Stimme als Schriftsteller, um sich für Humanität, Freundschaft, Liebe , Gerechtigkeit und Empathie auszusprechen.
Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Auch die angepriesene Übersetzung von Gustav Meyrink hat mir ausgesprochen gut gefallen. Alle Charaktere erhalten gemäß der Zugehörigkeit zu einer eigenen Gesellschaftsschicht oder zugehörig einer bestimmten Region eigene
Dialekte und Sprechweisen.
Ein tolles Werk, welches nicht mehr ausziehen wird. Vermutlich werde ich mir noch eine Dickensbiographie zulegen.
Als krönenden Abschluss zum Buch habe ich mir auf Prime noch die Verfilmung von 1999 mit Daniel Radcliffe als junger David Copperfield angesehen und auch diese hat mir sehr gut gefallen.
Licht und Schatten des viktorianischen Englands: Ein zeitloses Epos voller Entbehrungen
Manche Bücher liest man nicht für den schnellen Nervenkitzel, sondern um tief in eine andere Epoche einzutauchen und das Fundament moderner Erzählkunst zu verstehen. Charles Dickens’ monumentaler Bildungsroman „David Copperfield“ ist ein solches Werk. In drei Sätzen zusammengefasst: Es zeichnet ein lebendiges Bild von England im 19. Jahrhundert, beleuchtet die harte Realität von Kinderarbeit sowie Klassenunterschieden und entfaltet eine melancholische, humorvolle und zutiefst moralische Lebensgeschichte. Während die Spannung (1/5 Sterne) hier kaum eine Rolle spielt und der ausschweifende Schreibstil (2/5 Sterne) das Lesen zu einer echten Geduldsprobe macht, verdient das Werk in seiner Gesamtwirkung dennoch starke 4 von 5 Sterne.
*Ein ungeschminkter Blick auf die Schattenseiten der Industrialisierung*
Gelesen in der Neuübersetzung von Melanie Walz aus dem Jahr 2024, entfaltet die Geschichte einen ungeschminkten, fast schmerzhaften Blick auf die damalige Welt. Dickens, der das Buch ursprünglich 1849/1850 als monatliche Fortsetzungsgeschichte veröffentlichte, schont uns nicht. Die starre Klassentrennung, die bittere Armut und vor allem das Elend der Kinderarbeit werden mit einer Intensität beschrieben, die auch heute noch tief berührt. Über allem liegt diese typisch viktorianische Sentimentalität, gepaart mit einer ganz eigenen Moral und einem unerschütterlichen Funken Hoffnung. Die Schicksalsschläge und die teils skurrilen Macken der Charaktere sind so zeitlos gezeichnet, dass es kein Dazwischen gibt: Entweder man liebt diese Figuren, oder man verabscheut sie von ganzem Herzen.
*Ein literarischer Marathon mit Raum für das Leben*
Ich will ehrlich sein: Dieses Buch zieht sich, und echte Spannung kam für mich über weite Strecken nicht auf. Das mag auch daran liegen, dass mir durch die moderne Adaption Demon Copperhead von Barbara Kingsolver viele Namen und Ereignisse bereits sehr vertraut waren. Mein Leseprozess zog sich vom 30. März bis zum 15. Mai 2026 – ein echter literarischer Marathon. Und doch bietet diese klassische, tiefgehende Lebensgeschichte voller Höhen und Tiefen genau das, was auch das wahre Leben ausmacht: Es gibt keine einfachen Abkürzungen, und die Erzählung lässt unglaublich viel Raum für Spekulationen und eigenes Nachdenken.
*Lieblingszitat:* „Die Erinnerung an dieses Leben ist für mich mit soviel Schmerz belastet, mir so viel seelischen Qualen und Hoffnungslosigkeit, dass ich nie den Mut hatte, zu ergründen, wie lange ich dazu verurteilt war, es zu führen.“
*Wem würde ich das Buch weiterempfehlen?*
Ich empfehle dieses Buch allen, die ganz bewusst die großen Klassiker der Weltliteratur wieder aufleben lassen wollen und die Bereitschaft mitbringen, sich auf ein langsames, aber lohnendes Leseabenteuer einzulassen.
*Was ich aus dem Buch mitgenommen habe:*
Jeder Schicksalsschlag, jede noch so dunkle Tiefe im Leben, bringt letztendlich auch etwas Gutes mit sich und formt den Weg, den wir gehen.
18. Mai 2026
4,0
Licht und Schatten des viktorianischen Englands: Ein zeitloses Epos voller Entbehrungen
Manche Bücher liest man nicht für den schnellen Nervenkitzel, sondern um tief in eine andere Epoche einzutauchen und das Fundament moderner Erzählkunst zu verstehen. Charles Dickens’ monumentaler Bildungsroman „David Copperfield“ ist ein solches Werk. In drei Sätzen zusammengefasst: Es zeichnet ein lebendiges Bild von England im 19. Jahrhundert, beleuchtet die harte Realität von Kinderarbeit sowie Klassenunterschieden und entfaltet eine melancholische, humorvolle und zutiefst moralische Lebensgeschichte. Während die Spannung (1/5 Sterne) hier kaum eine Rolle spielt und der ausschweifende Schreibstil (2/5 Sterne) das Lesen zu einer echten Geduldsprobe macht, verdient das Werk in seiner Gesamtwirkung dennoch starke 4 von 5 Sterne.
*Ein ungeschminkter Blick auf die Schattenseiten der Industrialisierung*
Gelesen in der Neuübersetzung von Melanie Walz aus dem Jahr 2024, entfaltet die Geschichte einen ungeschminkten, fast schmerzhaften Blick auf die damalige Welt. Dickens, der das Buch ursprünglich 1849/1850 als monatliche Fortsetzungsgeschichte veröffentlichte, schont uns nicht. Die starre Klassentrennung, die bittere Armut und vor allem das Elend der Kinderarbeit werden mit einer Intensität beschrieben, die auch heute noch tief berührt. Über allem liegt diese typisch viktorianische Sentimentalität, gepaart mit einer ganz eigenen Moral und einem unerschütterlichen Funken Hoffnung. Die Schicksalsschläge und die teils skurrilen Macken der Charaktere sind so zeitlos gezeichnet, dass es kein Dazwischen gibt: Entweder man liebt diese Figuren, oder man verabscheut sie von ganzem Herzen.
*Ein literarischer Marathon mit Raum für das Leben*
Ich will ehrlich sein: Dieses Buch zieht sich, und echte Spannung kam für mich über weite Strecken nicht auf. Das mag auch daran liegen, dass mir durch die moderne Adaption Demon Copperhead von Barbara Kingsolver viele Namen und Ereignisse bereits sehr vertraut waren. Mein Leseprozess zog sich vom 30. März bis zum 15. Mai 2026 – ein echter literarischer Marathon. Und doch bietet diese klassische, tiefgehende Lebensgeschichte voller Höhen und Tiefen genau das, was auch das wahre Leben ausmacht: Es gibt keine einfachen Abkürzungen, und die Erzählung lässt unglaublich viel Raum für Spekulationen und eigenes Nachdenken.
*Lieblingszitat:* „Die Erinnerung an dieses Leben ist für mich mit soviel Schmerz belastet, mir so viel seelischen Qualen und Hoffnungslosigkeit, dass ich nie den Mut hatte, zu ergründen, wie lange ich dazu verurteilt war, es zu führen.“
*Wem würde ich das Buch weiterempfehlen?*
Ich empfehle dieses Buch allen, die ganz bewusst die großen Klassiker der Weltliteratur wieder aufleben lassen wollen und die Bereitschaft mitbringen, sich auf ein langsames, aber lohnendes Leseabenteuer einzulassen.
*Was ich aus dem Buch mitgenommen habe:*
Jeder Schicksalsschlag, jede noch so dunkle Tiefe im Leben, bringt letztendlich auch etwas Gutes mit sich und formt den Weg, den wir gehen.