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Sanditz

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Über das Buch

Sanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Einst vernebelt durch den Qualm aus den Schloten des Flachglaswerkes, heute umspült vom Wasser der gefluteten Tagebaue. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler, Orgelbauer, Fliesensammler, Lokaljournalistinnen, selbsternannte Widerständler, Träumerinnen, Frührentner, Kinder, Liebespaare, verhuschte Archivare und die Familie Wenzel.

Warmherzig und multiperspektivisch verwebt Lukas Rietzschel die Erzählung der Familie Wenzel und der Sanditzer Stadtbewohner zu einem Panorama deutscher Geschichten: vom Ende der DDR bis in die jüngste Gegenwart, vom Besetzen der örtlichen Stasi-Zentrale bis zum Kampf eines Freiwilligen in der Ukraine, vom Abrackern auf westdeutschen Baustellen in der Nachwendezeit bis zum isolierten Inseldasein der Jahre der Corona-Pandemie.


»Lukas Rietzschel stellt Klischees auf den Kopf, dass man meinen könnte, die deutsche Geschichte sei bisher noch gar nicht geschrieben worden.«
Torsten Unger, MDR


»Rietzschel ist eine wichtige literarische Stimme Ostdeutschlands. Von ihm ist noch Großes zu erwarten.«
Gerhild Wissmann, Die Rheinpfalz

Editionen (2)

ISBN9783423390170
Verlagdtv
Erscheinungsdatum12.03.26

Rezensionen & Bewertungen

111 Bewertungen

26 Rezensionen

3,9

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  • gaiasolisko
    gaiasolisko

    115 Follower

    4,0

    Großartiges Gesellschaftspanorama

    Sanditz ist eine kleine, fiktive Stadt in der Lausitz, geprägt vom Bergbau der Region und natürlich von den Menschen, die dort leben. Wir begleiten die Familie Wenzel/Moschnig durch die Wirren der Zeit von den 1970er Jahren bis ins Heute. Wir erleben ihr beinahe alltägliches Leben durch Höhen und Tiefen und je weiter man liest, desto dichter wird das Bild, das man über das Leben in dieser Stadt im Laufe der Jahrzehnte bekommt. Atmosphärisch wunderbar eingefangen, bekommt man zunehmend ein Gefühl für die Hoffnungen, Ängste und Unsicherheiten der Menschen, während der DDR-Zeit sowie in den Wende- und Nachwendejahren. Ich habe etwas gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen. Aber nach und nach wollte ich wissen, wie die einzelnen Erzählstränge weitergehen und wie sich am Ende alles zu einem Panorama zusammensetzt. Und auch nach Beendigung des Romans geistern meine Gedanken weiterhin um dieses Buch. Lukas Rietzschel ist hier ein großartig erzählter Gesellschaftsroman gelungen, der das Leben in der Lausitz seit den 1970er wahrscheinlich besser einfängt als jedes Geschichtsbuch.

    29. Apr. 2026

  • birgits_books
    birgits_books

    279 Follower

    5,0

    Lukas Rietzschel gelingt es, mit den Lebensläufen seiner Figuren Geschichte lebendig werden zu lassen.

    Zeitlich spannt Lukas Rietzschel den Bogen in "Sanditz" von 1978 bis 2022 und bindet damit die Pandemie und den Beginn des Ukraine-Krieges in sein Werk ein. Sanditz ist ein fiktiver Ort am Rand der Braunkohlentagebaue im Lausitzer Review. Die Familie Wenzel, die mit ihren drei Generationen im Mittelpunkt des Romans steht, wohnt hier, seit sie ihr altes Anwesen für die Erweiterung des Tagebaus aufgeben musste. Die Familie ist in einer protestantischen Gemeinde engagiert, die - wie auch andere Kirchengemeinden - zu DDR-Zeiten ein Schutzraum für Oppositionelle gewesen. Sie trägt dazu bei, Bücher, die in der DDR nicht erhältlich sind, zugänglich zu machen und später auch dazu, die Vernichtung von Stasiakten zu verhindern. Der Roman greift aber nicht nur das Schicksal der Familienmitglieder auf, auch Freunde, Kollegen und Nachbarn der Wenzels spielen wichtige Rollen. Lukas Rietzschels Figuren sind keine Helden, sondern vielschichtige Individuen, die von den Herausforderungen ihrer Zeit betroffen sind und versuchen, ihre Werte zu leben. Der Autor skizziert ihre Wege, die sich manchmal voneinander entfernen und dann doch wieder aufeinander zu bewegen, in detailreichen Szenen, die ich als Ostdeutsche gut nachvollziehen kann. Manches, was er aufgreift, hatte ich schon fast vergessen und bin froh, erinnert zu werden. Er erzählt sensibel und ohne zu werten und scheut sich nicht, ambivalent zu bleiben. Die gemeinsame Umbruchserfahrung bringt nicht unbedingt tief empfundene Freiheit und Wohlstand, sondern eher Brüche und Vereinzelung. Die Enkelin studiert in Kassel, kommt dort aber nie richtig an und kehrt nach ihrem Abschluss zurück. Ihr Vater arbeitet nach der Wende lange im Westen und verliert dadurch den Kontakt zu seinen Kindern. Der Onkel leidet unter seinen Erfahrungen als Bausoldat und findet erst spät neue Perspektiven. Lukas Rietzschel regt dazu an, das Vergangene aus heutiger Sicht neu zu reflektieren. Dabei bleibt der Roman trotz seiner Fülle an Buchseiten, Personen und Begebenheiten stets intensiv und spannend. Diese Fülle ist auch verbunden mit einer Vielzahl von Themen, die der Roman aufgreift. Es geht um Herkunft und Identität, um Familie und Vereinsamung, um Verlust und Neuanfang, um Erwartungen und Enttäuschungen und um historische Erfahrungen, die in vielen Menschen Spuren hinterlassen haben, selbst in denen, die sie kaum noch oder nicht erlebt haben. Neben dieser Vielfalt hat mir auch Lukas Rietzschels Sprache sehr gut gefallen. Sie enthält viel Bildhaftes und vermittelt sinnliche Eindrücke, wie z.B. die Erinnerung an den Geruch von Äpfeln, die im Gras faulen, oder den Anblick der Stahlriesen im Tagebau, die der Autor mit einer Herde von Elefanten vergleicht.

    Lukas Rietzschel gelingt es, mit den Lebensläufen seiner Figuren Geschichte lebendig werden zu lassen.

    2. Mai 2026

  • marzipanhirsch
    marzipanhirsch

    122 Follower

    4,5

    Lukas Rietzschel hat mit Sanditz einen interessanten Episodenroman über ein Dorf in der (ehemaligen) DDR und seine Bewohner*innen geschrieben. Beginnend mit 1978 bis ins Jahr 2022. Dabei gelingt es ihm sehr gut, einem die Charaktere nahe zu bringen und die Geschichte der DDR und ihrer Auflösung (inklusive die Baseballschlägerjahre, die friedliche Revolution und was alles daran hing, der Ausverkauf an den Westen nach der Wende bis hin zur Querdenkerbewegung 2021 und den Gefühlen der Menschen zum Ukrainekrieg) spannend aufzubereiten. Ein paar der Charaktere hätte ich gerne noch genauer betrachtet/ verstanden, aber insgesamt habe ich das Buch sehr gemocht und habe mit vielen der beschriebenen Menschen mitgefühlt und -gelitten, sie bewundert, den Kopf geschüttelt und mich für sie gefreut. Geschichtlich habe ich auch einiges gelernt - insgesamt ein gutes Leseerlebnis 👍

    3. Mai 2026

3 von 26 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

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hippo8461
hippo84613. Juni 2026

Ich bin gerade ratlos, was ist passiert mit Erika? Ich hoffe, das löst sich noch auf.

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