In Anna, oder Anna In, Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit, des Mondes, aber auch des Krieges, herrscht über das sumerische Uruk - ein mythischer, lichter Ort, wo Fahrstühle auch nach links und rechts fahren und Gärten vom Himmel hängen, ein Ort, der eher in der nahen Zukunft als in einer fernen Vergangenheit zu liegen scheint. Anna In ist schön, jung, verführerisch, aber auch ungestüm, unstet und machtbewusst. Eines Tages ruft ihre Zwillingsschwester, die Herrscherin der Unterwelt, sie zu sich. Und Anna In steigt hinab, in die Katakomben, ins dunkle Reich des Todes. Niemand ist je von dort zurückgekehrt. Welches Opfer wird AnnaIn bringen müssen, um wieder hinaufzusteigen, zu den Lebenden? Olga Tokarczuk erzählt in Frau Dies seits und Frau Jenseits einen 4000 Jahre alten Mythos auf einzigartige Weise neu. Mit viel Ironie und einer großen Portion Respektlosigkeit verbindet sie das Hohe und Erhabene mit dem Profanen, Allgemeinmenschlichen - und holt den altehrwürdigen Mythos so in unsere Gegenwart.
Mit Tokarczuk begebe ich mich gerne auf eine Reise ins Jenseits!
Absolut poetisch und wunderschön geschrieben. Gleichzeitig altmodisch und modern. Das Buch ist ein Gegensatz in sich. Die Mythologie und damit verbundene Philosophie ist wundervoll niedergeschrieben. Absolute Empfehlung!
6. Nov. 2022
5,0
Mit Tokarczuk begebe ich mich gerne auf eine Reise ins Jenseits!
Absolut poetisch und wunderschön geschrieben. Gleichzeitig altmodisch und modern. Das Buch ist ein Gegensatz in sich. Die Mythologie und damit verbundene Philosophie ist wundervoll niedergeschrieben. Absolute Empfehlung!
2,5 Sterne
Eine Neuinterpretation des Antiken Mythos Innana, verlegt in eine Phantasiewelt, mit den hängenden Gärten von Babylon, den Katakomben, dem Reich der Toten und einer Stadt, voller Aufzugsysteme und einem obersten Management, geführt von den 3 Götter-Vätern Anna In's: Männer der Wissenschaft, der Logik, der Rationalität.
Tokarczuk bedient sich einer Technik, der Bildsprache, die an an einen Comic erinnert und lässt im Wechsel aus verschiedenen Perspektiven erzählen, die sich als ein "Ich-Jeder" bezeichnet.
Aus meiner Sicht, geht das Konzept nicht auf. Die Bildschnitte sorgen dafür, dass es zu keiner Annäherung an das Unaussprechliche, Verborgene kommen kann.
Sie wahren eine Ordnung der Distanz. Die stilistische und sprachliche Umsetzung, verleiht Szenen, in denen Systemkritik geübt wird oder philosophische, psychologische Überlegungen transportiert werden, eine hölzerne, platte Note. Oft hatte ich den Eindruck ein Jugendbuch mit moralischem Vorschlaghammer zu lesen.
Die zweite Hälfte des Buches liest sich deutlich flüssiger, das Eintauchen wird erleichtert, wobei die Figuren alle oberflächlich bleiben und nur der Symbolik dienen.
Sprachlich und stilistisch ein Spiel mit Chaos und Ordnung. Experimentell.
Recht uncool ist die Erkenntnis, dass Anna In Elemente von Unrast enthält. Teils komplette Satzteile wie "...das Privileg nicht zu existieren auf den Karten der Welt". Liest sich insbesondere auf den ersten 50 Seiten als Schreibübung für Unrast.
Welche Haupt-Botschaft lese ich aus Anna In heraus:
Anna In, eine göttliche Kraft, die Ordnung und Vernunft in Frage stellt und für Bewegung und Veränderung steht. Sie stellt die Antithese zum Ordnungsgedanken, dem Gesetzmäßigen, den Hierarchien, dem Dualismus dar. Sie zeigt die Löcher in der Textur auf, die Risse in der Realität und legt einen Akt der freien Handlung hin, indem durch ihre Entscheidung, jegliche vermeintliche Stabilität des Ordnungssystems in Frage gestellt wird.
Das Kausalnetzwerk, auf dem sich die Menschenwelt und Götterväter berufen muss negiert werden.
Dem omnipräsenten Gesetz- und Ordnungsgedanken wird Verantwortung, Selbstlosigkeit und Bedingungslosigkeit entgegengestellt.
3. Sept. 2024
2,0
2,5 Sterne
Eine Neuinterpretation des Antiken Mythos Innana, verlegt in eine Phantasiewelt, mit den hängenden Gärten von Babylon, den Katakomben, dem Reich der Toten und einer Stadt, voller Aufzugsysteme und einem obersten Management, geführt von den 3 Götter-Vätern Anna In's: Männer der Wissenschaft, der Logik, der Rationalität.
Tokarczuk bedient sich einer Technik, der Bildsprache, die an an einen Comic erinnert und lässt im Wechsel aus verschiedenen Perspektiven erzählen, die sich als ein "Ich-Jeder" bezeichnet.
Aus meiner Sicht, geht das Konzept nicht auf. Die Bildschnitte sorgen dafür, dass es zu keiner Annäherung an das Unaussprechliche, Verborgene kommen kann.
Sie wahren eine Ordnung der Distanz. Die stilistische und sprachliche Umsetzung, verleiht Szenen, in denen Systemkritik geübt wird oder philosophische, psychologische Überlegungen transportiert werden, eine hölzerne, platte Note. Oft hatte ich den Eindruck ein Jugendbuch mit moralischem Vorschlaghammer zu lesen.
Die zweite Hälfte des Buches liest sich deutlich flüssiger, das Eintauchen wird erleichtert, wobei die Figuren alle oberflächlich bleiben und nur der Symbolik dienen.
Sprachlich und stilistisch ein Spiel mit Chaos und Ordnung. Experimentell.
Recht uncool ist die Erkenntnis, dass Anna In Elemente von Unrast enthält. Teils komplette Satzteile wie "...das Privileg nicht zu existieren auf den Karten der Welt". Liest sich insbesondere auf den ersten 50 Seiten als Schreibübung für Unrast.
Welche Haupt-Botschaft lese ich aus Anna In heraus:
Anna In, eine göttliche Kraft, die Ordnung und Vernunft in Frage stellt und für Bewegung und Veränderung steht. Sie stellt die Antithese zum Ordnungsgedanken, dem Gesetzmäßigen, den Hierarchien, dem Dualismus dar. Sie zeigt die Löcher in der Textur auf, die Risse in der Realität und legt einen Akt der freien Handlung hin, indem durch ihre Entscheidung, jegliche vermeintliche Stabilität des Ordnungssystems in Frage gestellt wird.
Das Kausalnetzwerk, auf dem sich die Menschenwelt und Götterväter berufen muss negiert werden.
Dem omnipräsenten Gesetz- und Ordnungsgedanken wird Verantwortung, Selbstlosigkeit und Bedingungslosigkeit entgegengestellt.
Anna In. Inanna.
Olga Tokarczuk beweist einmal mehr, dass sie zu den herausragendsten Erzähler*Innen der Gegenwart zählt. Sie erzählt hier in einem kurzen Roman, der schon 2006 entstand, nun aber neu in einer wunderschönen Ausgabe des Kampa Verlags übersetzt und publiziert wurde, von einem uralten Mythos, nämlich dem der Göttin Anna In oder Inanna (beide Schreibweisen werden im Roman übrigens immer gleichzeitig gewählt), die noch vor all den anderen Heldinnen und Helden den Weg in die Unterwelt geht. Sie ist die Frau des Diesseits und ihre Schwester die Frau des Jenseits, die eine der Herrscherin der lebenden Welt, die andere die Herrscherin der Unterwelt, hier Katakomben genannt. Die Reise von oben nach unten wird kapitelweise aus verschiedenen Perspektiven erzählt: aus der der Dienerin Inannas oder des Dieners der Jenseitigen.
Dabei gelingt es der großartigen Olga Tokarczuk grandios, nein: furios, einen hoch interessanten, faszinierenden, literarischen Kosmos zu erschaffen: einerseits eine poetische, feine, oft zärtliche und unheimlich detailreiche, frühmittelalterliche Sprache zu entwickeln. Andererseits die Welt der Göttin der Lebenden ebenso wie die Katakomben der Jenseitigen fast Science-Fiction-artig auszustatten. Es gibt beispielsweise keine Straßen mehr, sondern die Bewohner benutzen Aufzüge in einem alles umspannenden Netzwerk, um sich von oben nach unten oder von rechts nach links zu bewegen. Oder eben nach ganz oben oder ganz unten. Gleichzeitig baut Tokarczuk in den uralten Mythos, weit vor Hades, Persephone etc. entstanden, moderne Diskurse ein. Beispielsweise die Götterväter, die um Hilfe gebeten werden, Inanna aus den Katakomben zurück zu holen, die aber mehr mit ihrer Selbstbeweihräucherung, ihrem drohenden Machtverlust und ihrer Uneinsichtigkeit beschäftigt sind. Alte weißer Männer hier in einen uralten Mythos eingebaut - und zwar so geschickt, dass man das einzig Wirkungsvolle tut: man lacht sie aus.
So hat "Anna In. Eine Reise zu den Katakomben der Welt" neben der sprachlichen und poetischen Virtuosität eben auch einen sehr unterhaltsamen Charakter. Und eine Tiefe, die man bei einem Buch von 187 Seiten, das sich mit einem uralten Mythos beschäftigt, nicht vermutet. Es gilt hier nicht nur eine Reise in die Katakomben zu bestreiten, sondern auch eine Reise in die Ursprünge der Welt und all seiner Bewohner.
Fazit: Ein Meisterwerk. Sprachlich, poetisch, verzaubernd, tiefgründig und einfach großartig. Olga Tokarczuk ist eine der wohl verdiendesten Literaturnobelpreisträgerinnen des vergangenen Jahrzehnts. Dieses Buch ist ein weiterer Beweis dafür. Ganz eindeutige Leseempfehlung meinerseits.
19. Mai 2022
5,0
Anna In. Inanna.
Olga Tokarczuk beweist einmal mehr, dass sie zu den herausragendsten Erzähler*Innen der Gegenwart zählt. Sie erzählt hier in einem kurzen Roman, der schon 2006 entstand, nun aber neu in einer wunderschönen Ausgabe des Kampa Verlags übersetzt und publiziert wurde, von einem uralten Mythos, nämlich dem der Göttin Anna In oder Inanna (beide Schreibweisen werden im Roman übrigens immer gleichzeitig gewählt), die noch vor all den anderen Heldinnen und Helden den Weg in die Unterwelt geht. Sie ist die Frau des Diesseits und ihre Schwester die Frau des Jenseits, die eine der Herrscherin der lebenden Welt, die andere die Herrscherin der Unterwelt, hier Katakomben genannt. Die Reise von oben nach unten wird kapitelweise aus verschiedenen Perspektiven erzählt: aus der der Dienerin Inannas oder des Dieners der Jenseitigen.
Dabei gelingt es der großartigen Olga Tokarczuk grandios, nein: furios, einen hoch interessanten, faszinierenden, literarischen Kosmos zu erschaffen: einerseits eine poetische, feine, oft zärtliche und unheimlich detailreiche, frühmittelalterliche Sprache zu entwickeln. Andererseits die Welt der Göttin der Lebenden ebenso wie die Katakomben der Jenseitigen fast Science-Fiction-artig auszustatten. Es gibt beispielsweise keine Straßen mehr, sondern die Bewohner benutzen Aufzüge in einem alles umspannenden Netzwerk, um sich von oben nach unten oder von rechts nach links zu bewegen. Oder eben nach ganz oben oder ganz unten. Gleichzeitig baut Tokarczuk in den uralten Mythos, weit vor Hades, Persephone etc. entstanden, moderne Diskurse ein. Beispielsweise die Götterväter, die um Hilfe gebeten werden, Inanna aus den Katakomben zurück zu holen, die aber mehr mit ihrer Selbstbeweihräucherung, ihrem drohenden Machtverlust und ihrer Uneinsichtigkeit beschäftigt sind. Alte weißer Männer hier in einen uralten Mythos eingebaut - und zwar so geschickt, dass man das einzig Wirkungsvolle tut: man lacht sie aus.
So hat "Anna In. Eine Reise zu den Katakomben der Welt" neben der sprachlichen und poetischen Virtuosität eben auch einen sehr unterhaltsamen Charakter. Und eine Tiefe, die man bei einem Buch von 187 Seiten, das sich mit einem uralten Mythos beschäftigt, nicht vermutet. Es gilt hier nicht nur eine Reise in die Katakomben zu bestreiten, sondern auch eine Reise in die Ursprünge der Welt und all seiner Bewohner.
Fazit: Ein Meisterwerk. Sprachlich, poetisch, verzaubernd, tiefgründig und einfach großartig. Olga Tokarczuk ist eine der wohl verdiendesten Literaturnobelpreisträgerinnen des vergangenen Jahrzehnts. Dieses Buch ist ein weiterer Beweis dafür. Ganz eindeutige Leseempfehlung meinerseits.
19. Mai 2022
3 von 5 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Olga Tokarczuk
Olga Tokarczuk, 1962 im polnischen Sulechów geboren, studierte Psychologie in Warschau und lebt heute in Breslau. Ihr Werk (bislang zehn Romane, drei Erzählbände und zwei Kinderbücher) wurde in 37 Sprachen übersetzt. 2019 wurde sie mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Für Die Jakobsbücher, in Polen ein Bestseller, wurde sie 2015 (zum zweiten Mal in ihrer Laufbahn) mit dem wichtigsten polnischen Literaturpreis, dem Nike-Preis, geehrt und 2018 mit dem JanMichalski-Literaturpreis. Im selben Jahr gewann sie außerdem den Man Booker International Prize für Unrast. Zum Schreiben zieht Olga Tokarczuk sich in ein abgeschiedenes Berghäuschen an der polnisch-tschechischen Grenze zurück.