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Ich wollte den Roman von Katerina Poladjan, der 2019 für den Deutschen Buchpreis nominiert war, schon lange lesen und bin sehr froh, dass ich einen literarischen Einblick in die Geschichte Armeniens erhalten konnte. Auf zwei Zeitebenen begleiten wir in der Gegenwart Helen, die als Buchrestauratorin nach Armenien reist und dort nicht nur auf eine alte Familienbibel, sondern auch ihre eigene Familiengeschichte stößt. Die Herkunft der von Helen restaurierten Bibel lässt uns wiederum in die Flucht der Geschwister Hrant und Anahid vor den Türken eintauchen. Obwohl die Gestaltung zweier Zeitebenen und die grundlegenden Handlungselemente nichts Außergewöhnliches oder Innovatives darstellen, konnte mich Poladjan durch ihre ganz eigene und wiedererkennbare Sprache beeindrucken. Insbesondere die Dialoge zwischen Helen und ihren Bekanntschaften in Armenien waren von einer solchen Trockenheit, dass man Helen schon recht sonderbar finden muss. Sie scheint eine tiefe Traurigkeit zu verinnerlichen, die in den unkonventionellen Gesprächen immer wieder zum Ausdruck kommt. Trotzdem hat es Poladjan geschafft, dass Helen nicht per se unsympathisch wirkt, auch wenn sie durch ihre spezielle Art eher auf Distanz bleibt. Sehr emotional und berührend war auf der anderen Seite die Geschichte der beiden Geschwister. Bei genauem Lesen kommen wir der Verbindung zwischen Helen, Anahid und Hrant auf die Spur - Doch der Faden ist sehr dünn und nicht mehr als eine Andeutung, was ich persönlich aber sehr gelungen fand. Sowieso schafft es Poladjan kleine Geheimnisse in ihren Texten zu verstecken, was für mich ebenfalls zu ihrem individuellen Stil gehört. Im letzten Drittel hatte die Geschichte für mich ein paar Längen, das Ende hat mich jedoch mit voller Wucht getroffen und wird mich so schnell auch nicht mehr loslassen.
16. März 2024
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Ich wollte den Roman von Katerina Poladjan, der 2019 für den Deutschen Buchpreis nominiert war, schon lange lesen und bin sehr froh, dass ich einen literarischen Einblick in die Geschichte Armeniens erhalten konnte. Auf zwei Zeitebenen begleiten wir in der Gegenwart Helen, die als Buchrestauratorin nach Armenien reist und dort nicht nur auf eine alte Familienbibel, sondern auch ihre eigene Familiengeschichte stößt. Die Herkunft der von Helen restaurierten Bibel lässt uns wiederum in die Flucht der Geschwister Hrant und Anahid vor den Türken eintauchen. Obwohl die Gestaltung zweier Zeitebenen und die grundlegenden Handlungselemente nichts Außergewöhnliches oder Innovatives darstellen, konnte mich Poladjan durch ihre ganz eigene und wiedererkennbare Sprache beeindrucken. Insbesondere die Dialoge zwischen Helen und ihren Bekanntschaften in Armenien waren von einer solchen Trockenheit, dass man Helen schon recht sonderbar finden muss. Sie scheint eine tiefe Traurigkeit zu verinnerlichen, die in den unkonventionellen Gesprächen immer wieder zum Ausdruck kommt. Trotzdem hat es Poladjan geschafft, dass Helen nicht per se unsympathisch wirkt, auch wenn sie durch ihre spezielle Art eher auf Distanz bleibt. Sehr emotional und berührend war auf der anderen Seite die Geschichte der beiden Geschwister. Bei genauem Lesen kommen wir der Verbindung zwischen Helen, Anahid und Hrant auf die Spur - Doch der Faden ist sehr dünn und nicht mehr als eine Andeutung, was ich persönlich aber sehr gelungen fand. Sowieso schafft es Poladjan kleine Geheimnisse in ihren Texten zu verstecken, was für mich ebenfalls zu ihrem individuellen Stil gehört. Im letzten Drittel hatte die Geschichte für mich ein paar Längen, das Ende hat mich jedoch mit voller Wucht getroffen und wird mich so schnell auch nicht mehr loslassen.
16. März 2024






