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Romane

Die vierzig Tage des Musa Dagh

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Über das Buch

Noch immer ist es schwierig, den Völkermord an den Armeniern in den Jahren 1915 bis 1917 beim Namen zu nennen. Als Franz Werfel 1930 durch Anatolien reiste, schockierten ihn die Begegnungen mit Zeitzeugen und er begann, akribisch für einen Roman zu recherchieren. ›Die vierzig Tage des Musa Dagh‹ beschreiben das Schicksal einer armenischen Familie, die langsam ausgegrenzt und schließlich mit Waffengewalt verfolgt wird. Auf dem Heimatberg, dem Musa Dagh, leistet ihre Dorfgemeinschaft der Vertreibung Widerstand. Umsichtig und differenziert, mit einer klaren, fließenden Sprache verwandelt Werfel diese historische Katastrophe in ein eindrucksvolles Epos.

Editionen (16)

ISBN9783104002927
VerlagFISCHER E-Books
Erscheinungsdatum29.04.11
Seitenzahl992

Rezensionen & Bewertungen

14 Bewertungen

3 Rezensionen

4,2

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  • syn.di
    syn.di

    17 Follower

    4,0

    Franz Werfels „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ erzählt die Geschichte eines armenischen Dorfes, das sich während des Völkermords 1915 gegen die osmanische Armee wehrt. Schon nach den ersten Seiten wurde mir klar, dass ich viel über die Geschichte und Geografie der Region nachschlagen musste, um den Roman richtig zu verstehen. Auch wenn manche Teile etwas langatmig waren, hat sich die Mühe gelohnt. Werfels Schreibstil ist anspruchsvoll, aber kraftvoll. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen.

    In „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ geht es um den Widerstand einer armenischen Dorfgemeinschaft gegen die osmanische Armee während des Völkermords 1915. Die Hauptfigur, Gabriel Bagradian, kehrt nach Jahren im Ausland mit seiner Familie in sein Heimatdorf zurück. Als die osmanische Regierung die Armenier deportieren will, bringt Bagradian die Dorfbewohner auf den Musa Dagh (Mosesberg), wo sie sich vierzig Tage lang verteidigen und auf Rettung hoffen. Bereits nach den ersten Seiten habe ich gemerkt, dass ich einiges an Vorwissen brauchte, um die Handlung richtig zu verstehen. Viele Begriffe und historische Details waren mir nicht geläufig, und auch mit der Geografie tat ich mich schwer. Deshalb musste ich oft Karten und Hintergrundinfos zu Rate ziehen. Obwohl das Buch fordernd war, hat sich die Mühe gelohnt. Die Geschichte ist spannend und berührend, vor allem, weil Werfel die Gefühle und Konflikte der Figuren so gut beschreibt. Man spürt den Druck, unter dem die Menschen stehen, und ihren Kampf ums Überleben. Werfel schreibt sehr detailliert und manchmal auch etwas anspruchsvoll. Seine Beschreibungen sind oft tiefgehend, was es mir nicht immer leicht gemacht hat, die Handlung schnell zu erfassen. Manchmal geht er sehr ins Detail, was die Spannung hin und wieder bremst. Auf der anderen Seite schafft es dieser Stil, die Atmosphäre und die schwierigen moralischen Entscheidungen der Figuren eindringlich zu vermitteln. Auch wenn einige Passagen langatmig wirken, transportiert Werfel starke Emotionen und lässt die Leser die Ausweglosigkeit der Situation spüren. Interessant ist auch die Bedeutung der Zahl 40 im Titel. Sie steht natürlich für die vierzig Tage, die die Armenier auf dem Musa Dagh ausharren, hat aber in vielen Religionen und Kulturen auch eine symbolische Kraft. Im Judentum wandert Moses vierzig Jahre mit den Israeliten durch die Wüste, im Christentum fastet Jesus vierzig Tage, und im Islam empfängt der Prophet Mohammed mit vierzig Jahren seine erste Offenbarung. In diesen Religionen ist die Zahl oft ein Symbol für Zeiten der Prüfung, des Wandels und des Übergangs, was meines Erachtens gut zu der Situation der Armenier passt, die auf dem Mosesberg eine lebensgefährliche Prüfung bestehen müssen. Insgesamt gebe ich dem Buch 4 von 5 Sternen. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten mit den Begriffen, der Geografie und dem manchmal anspruchsvollen Schreibstil hat mich der Roman überzeugt. Er vermittelt eindrucksvoll die Tragödie des armenischen Volkes und bleibt lange im Gedächtnis.

    Franz Werfels „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ erzählt die Geschichte eines armenischen Dorfes, das sich während des Völkermords 1915 gegen die osmanische Armee wehrt. Schon nach den ersten Seiten wurde mir klar, dass ich viel über die Geschichte und Geografie der Region nachschlagen musste, um den Roman richtig zu verstehen. Auch wenn manche Teile etwas langatmig waren, hat sich die Mühe gelohnt. Werfels Schreibstil ist anspruchsvoll, aber kraftvoll. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen.

    3. Okt. 2024

  • semjon
    semjon

    73 Follower

    3,0

    Ich war doch ziemlich überrascht, wie wenig ich wusste über den Völkermord der Türken an den Armeniern in der Zeit um 1919. Dieser Genozid wird immer mal wieder weltpolitisch erwähnt, wenn ein Parlament eines Landes die Taten der Jungtürken als Völkermord geschichtlich einstuft und damit wütenden Proteste bei Erdogan hervorruft. Franz Werfel informierte sich auf einer Reise durch die Türkei nach Vorderasien zu Beginn der Dreißiger Jahre über die Geschehnisse, die diesen Landstrich knapp 10 Jahre zuvor so erschütterte. Bewegt fiktionalisierte er die Belagerung des Mosesbergs, der heute am südlichsten Zipfel der Türkei, direkt an der libanesischen Grenze liegt. Hier verschanzte sich über 4000 christliche Armenier aus den umliegenden Dörfern, um sich vor den angreifenden Türken zur Wehr zu setzen. Franz Werfel baut seine Geschichte sehr gekonnt auf, führt erst einen kleinen Kreis an Hauptpersonen ein, beschreibt ihr Leben in der armenischen Gemeinschaft, lässt dann den Konflikt und die Flucht zur Mitte des Buchs anschwillen, ist dann mir zu detailreich in den militärischen Verläufen am umgekämpften Berg und findet dann ein sehr theatralisches, ja fast schon heroisches Ende für seinen Protagonisten. Trotz der Dicke des Werks ist das spannend geschrieben und vor allem lehrreich, wenn man sich weiterführende Informationen über dieses geschichtliche Ereignis einholt. Mir war noch nicht mal vorher klar gewesen, dass es sich hierbei auch um einen Religionskrieg handelte. Bewegend. Armenien ist also viel mehr als Eriwan und der Ararat. Ich werde das Land und das Volk nun mit anderen Augen sehen. Schon ein großes Lob, wenn ein Buch dies schafft.

    23. Feb. 2024

  • semjon.pfalz
    semjon.pfalz

    38 Follower

    3,0

    Ich war doch ziemlich überrascht, wie wenig ich wusste über den Völkermord der Türken an den Armeniern in der Zeit um 1919. Dieser Genozid wird immer mal wieder weltpolitisch erwähnt, wenn ein Parlament eines Landes die Taten der Jungtürken als Völkermord geschichtlich einstuft und damit wütenden Proteste bei Erdogan hervorruft. Franz Werfel informierte sich auf einer Reise durch die Türkei nach Vorderasien zu Beginn der Dreißiger Jahre über die Geschehnisse, die diesen Landstrich knapp 10 Jahre zuvor so erschütterte. Bewegt fiktionalisierte er die Belagerung des Mosesbergs, der heute am südlichsten Zipfel der Türkei, direkt an der libanesischen Grenze liegt. Hier verschanzte sich über 4000 christliche Armenier aus den umliegenden Dörfern, um sich vor den angreifenden Türken zur Wehr zu setzen. Franz Werfel baut seine Geschichte sehr gekonnt auf, führt erst einen kleinen Kreis an Hauptpersonen ein, beschreibt ihr Leben in der armenischen Gemeinschaft, lässt dann den Konflikt und die Flucht zur Mitte des Buchs anschwillen, ist dann mir zu detailreich in den militärischen Verläufen am umgekämpften Berg und findet dann ein sehr theatralisches, ja fast schon heroisches Ende für seinen Protagonisten. Trotz der Dicke des Werks ist das spannend geschrieben und vor allem lehrreich, wenn man sich weiterführende Informationen über dieses geschichtliche Ereignis einholt. Mir war noch nicht mal vorher klar gewesen, dass es sich hierbei auch um einen Religionskrieg handelte. Bewegend. Armenien ist also viel mehr als Eriwan und der Ararat. Ich werde das Land und das Volk nun mit anderen Augen sehen. Schon ein großes Lob, wenn ein Buch dies schafft.

    14. Apr. 2024

Autorin / Autor

Über Franz Werfel

Am 10. September 1890 wird Franz Werfel in Prag geboren; als Schüler schreibt er Gedichte und entwirft Dramen. 1914 wird er zum Militärdienst eingezogen; 1917 begegnet er Alma Mahler-Gropius, mit der er bis zu seinem Lebensende verbunden bleibt; er siedelt nach Wien über. Zu dieser Zeit sind bereits mehrere Gedichtbände von ihm erschienen, hat er kritische Aufsätze veröffentlicht. 1919 folgt seine erste ganz eigenständige Novelle ›Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig‹. 1921 wird sein Drama ›Spiegelmensch‹ aufgeführt. In den nächsten Jahren entstehen ›Der Tod des Kleinbürgers‹, ›Kleine Verhältnisse‹, ›Der Abituriententag‹, ›Die Geschwister von Neapel‹ und immer wieder Gedichte. 1929 heiratet er Alma Mahler. 1933 erscheinen ›Die vierzig Tage des Musa Dagh‹ – eine Mahnung an die Menschlichkeit; im gleichen Jahr werden seine Bücher in Deutschland verbrannt. 1938, als Hitlers Truppen in Österreich einmarschieren, hält sich Werfel in Capri auf – seine Emigration beginnt. 1940 wird er in Paris an die Spitze der Auslieferungsliste der Deutschen gesetzt. Mit Alma und einigen Freunden flüchtet er zu Fuß über die Pyrenäen nach Spanien. ›Das Lied von Bernadette‹ schreibt er als Dank für seine Errettung. Von Lissabon bringt sie ein Schiff nach New York. Die letzten Jahre verlebt Werfel in Los Angeles, Kalifornien. Am 26. August 1945 erliegt er seinem schweren Herzleiden.

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