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Romane

Tiere, vor denen man Angst haben muss

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Über das Buch

Große Literatur über den Rollentausch zwischen Eltern und Kindern und die Frage, was ein gutes Leben ausmacht


Eine der aufregendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ist zurück: Tiere, vor denen man Angst haben muss erzählt vom Aufwachsen zweier Schwestern auf einem mecklenburgischen Hof in den Neunzigerjahren, wo sich die Grenzen zwischen den Generationen und zwischen Natur und Zivilisation immer mehr auflösen.


Der Herbst setzt ein, und Madeleine friert. In ihrem Zimmer steht ein qualmender Ofen, doch meist muss sie sich mit einer Wärmflasche begnügen. Madeleine lebt mit ihrer Schwester Ronja und ihrer Mutter auf einem maroden Hof im Norden Mecklenburgs. Als die Familie kurz nach der Wende von Lübeck hierherzog, erfüllte sich die Mutter ihren Traum vom antikapitalistischen Leben auf dem Land. Erst ging der Vater, dann die Brüder, nun bevölkern zahlreiche Tiere das Haus, denen die Mutter all ihre Zuwendung schenkt. Während Madeleine ihre Träume im Quelle-Katalog ankreuzt und auf das wartet, was andere die beste Zeit des Lebens nennen, bleibt den Mädchen immer weniger Raum zum Leben. Wie soll Madeleine das Haus und die Familie zusammenhalten, wenn ihre Mutter ständig weg ist und Tiere und Pflanzen
durch alle Ritzen dringen? Und wie soll sie so den Weg in eine selbstbestimmte Zukunft finden?


»Eine berührende Heldin, der man gebannt folgt auf ihrer Suche nach Geborgenheit.« Kristine Bilkau


»Eindringlich, berührend und mit einem zwingenden, unvergesslichen Ende.« Frank Menden, Buchhandlung stories!, Hamburg

Editionen (2)

ISBN9783037901502
VerlagArche Literatur Verlag AG
Erscheinungsdatum14.02.24
Seitenzahl256

Rezensionen & Bewertungen

138 Bewertungen

32 Rezensionen

3,9

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  • jtk_0701
    jtk_0701

    344 Follower

    3,5

    Ok, wie soll ich dieses Buch beschreiben? Ich kann es nicht wirklich. Die Mutter fand ich schrecklich, ich war wirklich ständig wütend auf sie. Klar, sie scheint den Glauben an die Menschheit verloren zu haben und ihr Leben war nicht leicht und sie war mal eine unglaublich tolle Mutter, aber nun widmet sie ihre gesamte Zeit und Liebe den Tieren, während sie ihre eigenen Kinder sich selbst überlässt. Sie sogar in Lebensgefahr bringt, weil sie auf dem morschen Dach herumlaufen, ihre Angst vor den Hunden nicht ernst nimmt und die zwei Töchter stundenlang auf dem Parkplatz warten lässt, wo sie eigentlich von der Mutter abgeholt werden sollten, und das alles nur, weil ein Tiernotfall dazwischenkam. Das Haus ist dreckig und verwahrlost. Es ist kalt und im Kühlschrank sind kaum Lebensmittel und falls doch, dann sind sie abgelaufen. Und überall nur Scheiße und Urin von den Tieren. Sorry, anders kann ich es nicht beschreiben. Aber das Haus ist Dreck pur. Und eigentlich kann ich mir gar nicht richtig vorstellen, wie es ausschaut, weil ich mit diesem Schreibstil ganz schwer zurechtkam. So schwer zugänglich. Und im Nachhinein betrachtet könnte es vielleicht notwendig gewesen sein, dass es so schwer zugänglich war, um nicht komplett zu verzweifeln. Denn das, was ich verstanden habe, das war echt harte Kost. Ich wäre am liebsten ins Haus gestürmt, hätte die zwei Mädchen mitgenommen und sie umsorgt. Ein wirklich trauriges Buch! S.31 „In der Pfütze neben mir spiegelte sich der Himmel, und ich stellte mir vor, ich würde kopfüber hineinspringen und von dort in eine neue Welt gelangen, die unter unserem Hof, unter der gesamten Erde lag. Ich müsste nur ein bisschen tauchen, das Regenwasser würde mich waschen und abkühlen.“ S.152 „Wenn dir deine kleine Schwester weinend in den Armen liegt, das wusste ich, darfst du selbst auf keinen Fall auch anfangen zu weinen. Darum musste ich die Tränen hinunterschlucken, was so wehtat, als würde ich versuchen, Nadeln zu essen. Der Schmerz zog von meinem Hals in meinen Kopf hinauf und lenkte mich für einen Moment von dem zitternden Körper ab, der vor mir lag.“ S.228 „Wir schöpften noch mehr Wasser aus der Regentonne, und ich kochte einen großen Topf Spaghetti und machte eine Soße aus Ketchup, Schmand und geriebenem Gouda. „Seht ihr“, sagte unsere Mutter, als sie später nach Hause kam, „eigentlich reicht doch Regenwasser. Ihr seid viel zu verwöhnt. Ich weiß gar nicht, warum wir den Anschluss haben legen lassen.“ Sie stellte eine Palette Katzenfutter auf den Küchentisch, und die Hunde sprangen an ihr hoch.“

    17. Sept. 2025

  • 4,0

    Selten habe ich so ein berührend trostloses Buch gelesen. Ein kleines bisschen Startschwierigkeiten hatte ich bis ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte, doch dann versinke ich in dieser Tristesse. Wie traurig ist das bitte, wenn die Kinder sich nicht aus ihren Zimmern trauen, aus Angst von einen der Hunde gebissen zu werden. Es wohnen sowieso nur noch zwei der 5 Kinder bei der Mutter. Die anderen sind ausgezogen sobald es ging. Jetzt sind nur noch Ronya und Madeleine mit der Mutter in dem heruntergekommenen Bauernhof in Ostdeutschland. Fließend Wasser gibt es erst seit einer kleinen Erbschaft, für eine Heizung reicht das Geld nicht. Auch nicht für ausreichend Lebensmittel. Aber die Mutter kocht sowieso nicht und der Vater ist schon vor langer Zeit ausgezogen. Die Mutter flüchtet sich in das Sammeln von Tieren und dem ehrenamtlichen Engagement im Tierschutzverein. In dieser trüben Novemberzeit konnte ich mich so gut rein fühlen in diese kalte Trostlosigkeit. Dieses ständige Frieren und das verzweifelte Suchen nach Material was sich verfeuern lässt. Das einzige was das Herz wärmt ist der Zusammenhalt und die Klugheit der beiden Schwestern. Wie sich Ronya in ihrer dicken Winterjacke mit zu Madeleine ins Bett kuschelt. "Dann atmeten wir einfach ruhig, Lunge an Lunge, und hörten zu, wie der Schneeregen gegen das Fenster schlug." Und immer warten sie darauf, daß die Mutter endlich heimkommt und ein bisschen Zuneigung auch für sie, ihre Kinder, mit dabei hat.

    11. Nov. 2024

  • schatzsucherin
    schatzsucherin

    319 Follower

    4,0

    Dieses Buch stand lange auf meiner Wunschliste und gleichzeitig habe ich mich aufgrund des Klappentextes ein wenig gescheut es zu lesen. 256 Seiten später kann ich sagen, dass meine Vorahnung berechtigt war und dennoch bin ich dankbar, dass ich mich getraut habe. Alina Herbing beschreibt in „Tiere vor denen man Angst haben muss“ sehr eindringlich und atmosphärisch den Verfall einer Familie und den gleichzeitigen Umgang der Mitglieder mit dieser Situation. Dadurch dass die Geschichte von der mittleren Tochter erzählt wird, wirkt die Vernachlässigung und beklemmende Situation zu Hause sehr normal. Als außenstehende Leserin habe ich anders auf die Situation geblickt und war häufig entsetzt, traurig oder auch wütend, wie sehr die Kinder auf sich gestellt sind. Ich frage mich aktuell häufig was ein gutes Buch eigentlich ausmacht und in diesem Fall ist es für mich der zoghafte und atmosphärische Schreibstil, das Auslösen von emotionalen Reaktionen als auch das Aufzeigen von gesellschaftlichen Themen (hier zum Beispiel Tierschutz und familiärer Zusammenhalt).

    10. Nov. 2024

3 von 32 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Alina Herbing

Alina Herbing, geboren 1984 in Lübeck, wuchs in Mecklenburg auf und lebt heute in Berlin. Sie studierte in Greifswald, Berlin und Hildesheim. 2017 erschien im Arche Literatur Verlag ihr vielbeachtetes Romandebüt Niemand ist bei den Kälbern, das unter anderem mit dem ›Friedrich-Hölderlin-Förderpreis der Stadt Bad Homburg‹ ausgezeichnet wurde. Der Roman kam 2022 verfilmt von Sabrina Sarabi in die Kinos. Ihr zweiter Roman Tiere, vor denen man Angst haben muss erschien 2024.

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