Die Straße
Jetzt kaufen
Durch das Verwenden dieser Links unterstützt du READO. Wir erhalten eine Vermittlungsprovision, ohne dass dir zusätzliche Kosten entstehen.
Beschreibung
Ein Jahr, eine Straße, ihre Menschen: Robert Seethalers neuer Roman
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in ihr alles, was Menschen passieren kann.
Ein Junge wird vom Jagdfieber gepackt. Ein anderer weiß nicht, wohin mit seiner Wut. Eine Blumenhändlerin lebt für einen Mann, der sie nicht einmal sieht. Eine Heimleiterin wacht über ihre Schützlinge und ist selbst die Einsamste von allen. Ein Geistlicher kommt seiner Gemeinde abhanden. Sorge rüttelt an den Bewohnern, Sehnsucht treibt sie nachts auf die Straße, die Liebe bringt sie um den Verstand. Sie haben Träume und Geheimnisse. Ihre Wege kreuzen sich täglich, doch was wissen sie voneinander?
In seinem neuen Roman verknüpft Robert Seethaler ihre Geschichten zu einem Mosaik der Augenblicke – und damit des Lebens selbst. Gelesen von Schauspielstar Matthias Brandt.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Robert Seethalers Bücher wurden in über 40 Sprachen übersetzt. Sein Roman »Ein ganzes Leben« stand auf der Shortlist des International Booker Prize und wurde 2023 von Regisseur Hans Steinbichler verfilmt. Seethaler lebt in Berlin und Wien.
Beiträge
"Es geht weiter, immer weiter und niemand bleibt." Von Robert Seethaler habe ich schon einiges gelesen und bisher hat es mir stets viel gegeben. Daher war ich auf diese kurze Geschichte gespannt. Wir lernen viele Menschen der Heidestraße kennen: Den Antiquariar, er richtet den Laden ein und verzweifelt fast daran und dann steht auch noch der Kartoffelpufferstand vor der Tür und keine Kundschaft. Die Bäckerin, sehr sozial. Die Fleischerei. Der Arzt. Der Pfarrer, dem übel ist. Die demente Tante im Altenheim Abendschein, der Neffe, der in ihre Wohnung zieht . Im Altenheim sterben die Leute, essen nicht mehr, überlegen sich gegen die Heimleitung aufzulehnen. Von der Arbeit der Polizei, die zu wenig Leute hat. Ein Rückblick in die Zeit des Krieges. Ein Obdachloser. Es geht um Geld, Verdächtigungen, einen Verein, der das 30. Heidestraßenfest im November organisiert. Musik, die nicht passt. Der Umgang der Menschen miteinander ist mal freundlich, mal strittig, gewalttätig, aggressiv, ängstlich. Und noch viel mehr. Ein Jahr in der Heidestraße. Die kurzen Kapitel springen zwischen den verschiedenen Stationen und Menschen hin und her. Man muss beim Hören sehr aufpassen, bei wem man sich gerade befindet. Manches Ereignis wird im Monolog oderim Dialog erzählt, in Brief oder Berichtsform. Jeder Protagonist erzählt selbst. Von allem, was das Leben ausmacht, wird erzählt. Die Splitter derGeschehnisse ergeben nach und nach ein Bild. Und man wartet gespannt, was bei den einzelnen geschieht. Die Charaktere sind originell, teils tiefgründig, teils tauchen sie nur flüchtig auf. Echtes Leben punktgenau erzählt. Zunächst dachte ich, diese Geschichte sei ein großes Durcheinander, doch allmählich verknüpften sich die Erzählungen und ergaben ein Bild. Dies empfand ich als sehr gekonnt erzählt und es hat mir sehr gefallen und ich empfinde es als großartige Erzählkunst. Robert Seethaler gelingt es, lebendige kurze, aussagekräftige Szenen so zu beschreiben, dass man meint dabei zu sein, zu sehen, hören, riechen. Der Sprecher hat dieses Buch ausgezeichnet gesprochen und mir immer wieder geholfen zu verstehen, wo und bei wem wir uns gerade befinden. Seine Stimme veränderte er jetzt nach Szene oder Mensch. Mich hat das angesprochen, ich bin aber unsicher ob für manchen Interessierten nicht doch das gedruckte Wort besser ist. Je länger ich hörte, umso interessanter und lebendiger wurde das Leben in der Heidestraße. Sicher kein Buch für jedermann, aber wer sich darauf einlassen kann, wird es nicht bereuen.
Dieses Buch war etwas schwierig zu lesen für mich. Die kurzen vielen Absätze und Perspektivenwechsel waren sehr gewöhnungsbedürftig und ehrlich gesagt habe ich mich das ganze Buch über nicht dran gewöhnt. Fast nie wusste man, wer gerade spricht oder erzählt und das war teilweise sehr verwirrend. Ich denk mal dass das so gewollt war vom Autor, mich hat das aber irgendwie immer aus dem Lesefluss gebracht. Ebenso die Zeitsprünge in dem Jahr waren viel zu schnell und man hat es immer nur an der Veränderung des Wetters gemerkt. Tolle Stilmittel, aber leider nichts für mich. Die Strasse wurde gut beschrieben aber alle Geschichten waren teilweise sehr belanglos und bekamen kein richtiges Ende. Wer offene Enden mag, für denjenigen ist dieses Buch auf jedenfall etwas. Ebenso hätte ich gerne gewusst in welcher Zeit dieses Buch spielt. Ein gutes Buch, hat aber leider nicht so ganz meinen Geschmack getroffen.

Die Straße atmet – aber ich blieb irgendwie draußen
Stell dir vor, du gehst durch eine fremde Stadt, es ist schon spät, und überall um dich herum laufen Menschen, reden, lachen, streiten und du schnappst immer nur Fetzen auf. Du weißt nie, wie die Geschichte weitergeht. Genau so hat sich dieses Buch für mich angefühlt. Sonntagabend, Tee, Couch. Ich dachte, ich lese kurz rein. Ich lese Seethaler seit vielen Jahren sehr gerne. Sein Buch „Ein ganzes Leben“ hattte mich wirklich erwischt, so richtig, mitten ins Herz. Also saß ich da mit ziemlich hohen Erwartungen. Vielleicht war das schon mein erster Fehler. Die Grundidee finde ich ehrlich gesagt genial. Nicht ein Mensch steht im Mittelpunkt, sondern die Straße selbst. Dieser riesige, gleichgültige Ort, der einfach weiterexistiert, egal wer kommt und geht. Die Blumenhändlerin, der Priester, die sind alle irgendwie nur kurze Gäste. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Was bleibt eigentlich von uns? Ein Ort erinnert sich länger als jeder Mensch, der ihn bewohnt hat. Diese Frage hat mich noch Tage später beschäftigt, während ich eigentlich an ganz anderen Dingen hätte denken sollen. Die Art, wie Seethaler die Zeit durchlässig macht, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fließen ineinander wie Schichten in altem Gemäuer, erzeugt eine fast filmische, zeitlose Atmosphäre. Ich habe an bestimmten Stellen einfach nur innegehalten und gedacht, Ja, so fühlt sich ein Ort an, der älter ist als seine Bewohner. Aber, und das ist ein ehrliches Aber, ich hab mich beim Lesen oft wie ein Fremder gefühlt, der nie richtig reinkommt. Bei Seethaler bin ich es gewohnt, tief in eine einzige Biografie einzutauchen. Schicht für Schicht. Hier hingegen snappe ich Gesprächsfetzen auf wie ein Fremder, der durch eine Stadt schlendert und nie lange genug stehenbleibt, um wirklich zuzuhören. Das ist kein Fehler des Buches, es ist seine Absicht. Aber ich muss ehrlich sagen, aber diesmal hat das bei mir einfach nicht funktioniert. Das ständige Wechseln zwischen den Personen und Orten hat mich immer wieder aus dem Fluss gerissen. Ich blieb ein distanzierter Beobachter, wo ich eigentlich mittendrin sein wollte. Ich habe dieses Buch weniger gefühlt als betrachtet, wie ein Gemälde, das ich bewundere, ohne dass es mich anrührt. Die Straße ist ein Experiment, das ich respektiere, auch wenn es mich nicht ganz eingelassen hat. Vielleicht liegt es daran, dass ich Seethaler immer dann am liebsten habe, wenn er sich einem einzigen, stillen Leben widmet. Hier widmet er sich dem Rauschen aller Leben gleichzeitig. Das ist groß gedacht und manchmal ist groß gedacht eben auch ein bisschen einsam für den Leser, der draußen in der Kälte steht und hineinschaut.
Ein vielstimmiger Roman über das Leben, das Altern und das Verschwinden. Auf besondere Weise erzählt.
In „Die Straße“ begleitet Robert Seethaler die Bewohner:innen einer Heidestraße über den Verlauf eines Jahres. Es gibt keinen klassischen Hauptcharakter und keinen zentralen Handlungsstrang. Stattdessen entsteht aus vielen Stimmen ein gemeinsames Bild: eine Blumenhändlerin, Pflegekräfte und Bewohner im „Haus Abendschein“, ein Antiquar, Menschen in Cafés, Wohnungen und Hinterhöfen. Zwischen Alltag, Krankheit, Alter, Verlust und kleinen Hoffnungen zeigt der Roman ein Leben, das gleichzeitig gewöhnlich und existenziell ist. Während Investoren die Straße verändern und verdrängen wollen, stemmen sich viele Bewohner auf ihre eigene Weise gegen das Verschwinden. Robert Seethaler schreibt keinen Roman über Handlung, sondern über Menschen. „Die Straße“ ist eine Klangcollage aus Satzfetzen, inneren Monologen, Gesprächen und Beobachtungen. Gerade diese Vielstimmigkeit macht den Roman so besonders. Im Zentrum stehen Vergänglichkeit und Widerstand. Um den Versuch, den nächsten Tag zu erreichen. Den nächsten Moment. Auch die Straße selbst wird zum Symbol: für Erinnerung, Gemeinschaft und alles, was durch Kommerzialisierung und Verdrängung verloren geht. Anfangs musste ich mich auf die Form einlassen, auf die vielen Stimmen und Perspektiven. Aber genau daraus entsteht etwas Besonderes.Seethaler schreibt leicht und präzise zugleich. Manche Szenen wirken fast beiläufig – und treffen dann plötzlich mit voller Wucht. Besonders berührt hat mich, wie viel Menschlichkeit in diesem Roman steckt. Wie ernst er seine Figuren nimmt. Niemand wird lächerlich gemacht, niemand überhöht.Zwischen Traurigkeit, Einsamkeit und Abschied gibt es immer wieder Wärme, Humor und kleine Momente von Hoffnung. Für mich ein Roman, der zeigt, wie Literatur Leben sichtbar machen kann. So, dass ich den Roman an einem Tag beendet habe ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Weil Die Straße von Menschen erzählt, die oft übersehen werden. Und weil Robert Seethaler daraus etwas Leises, Großes und sehr Menschliches macht. #DieStraße #RobertSeethaler #LiteraturDesAlltags #Vergänglichkeit #Menschlichkeit

Eine chaotische Straße
Die Grundidee von „Die Straße“ von Robert Seethaler hat mir eigentlich gut gefallen. Das Buch versucht, verschiedene Figuren und ihre Geschichten miteinander zu verknüpfen, was grundsätzlich interessant sein kann. Leider wurde dieses Potenzial meiner Meinung nach nicht vollständig ausgeschöpft. Mein größtes Problem war die sehr unübersichtliche Handlung. Es gibt mehrere Protagonisten, und oft ist nicht klar, aus wessen Perspektive die Geschichte gerade erzählt wird. Dadurch fiel es mir schwer, den einzelnen Handlungssträngen zu folgen und eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen. Zusätzlich sind die Kapitel nicht betitelt, was die Orientierung noch schwieriger macht. Besonders problematisch war das für mich als Hörbuch. Da man nicht einfach zurückblättern oder schnell nachsehen kann, verliert man leicht den Überblick. Hinzu kommt, dass das Hörbuch von einem männlichen Sprecher gelesen wird. Wenn eine weibliche Figur erzählt oder spricht, ist nicht immer sofort erkennbar, dass die Perspektive gewechselt hat. Das macht die ohnehin komplexe Struktur noch verwirrender. Trotz meiner Kritik möchte ich den Sprecher Matthias Brandt ausdrücklich loben. Er hat seine Aufgabe sehr gut erfüllt und sich sichtbar darum bemüht, die Emotionen und Stimmungen der einzelnen Figuren glaubwürdig zu vermitteln. An seiner Leistung lag mein negativer Eindruck definitiv nicht. Insgesamt finde ich, dass die Idee hinter dem Buch viel Potenzial hatte. Mit einer klareren Struktur, einer besseren Kennzeichnung der Perspektivwechsel und etwas mehr Überarbeitung hätte die Geschichte deutlich zugänglicher werden können. Als Hörbuch funktioniert das Werk für mich allerdings nur sehr eingeschränkt und hat mich eher frustriert als unterhalten. Daher kann ich es leider nicht empfehlen.

"Eine ganz normale Straße in einer ganz normalen Stadt" Das ist sie, die Heidestraße und die Menschen, die sie beleben. Robert Seethaler nimmt uns mit auf eine Straße zu ihren Bewohnenden. Innerhalb eines Jahres hören wir von Schicksalen, Begebenheiten und absonderlichen Situationen, die in dieser Straße, der Heidestrasse, passieren. Da gibt es beispielsweise einen etwas eigentümlich anmutenden Antiquitar, der sein Ladengeschäft in der Heidestraße bezieht. Neben anfänglichen Renovierungsschwierigkeiten hat dieser auch mit Bücherwürmern und der Feuchtigkeit zu kämpfen. Da ist diese junge Frau, die in die Wohnung ihrer Tante einzieht, als diese im nahe gelegenen Altenheim "Abendschein" untergebracht wird und wir sind Zeuge eines Stadtfestes, das im November begangen wird und mit einem Polizeieinsatz endet. Wir begleiten viele Gespräche in der ansässigen Kneipe, in der Metzgerei oder der Bäckerei, ebenso sind wir live in der Praxissprechstunde des Arztes Doktor Aysal dabei. Hier erfahren wir von einer unglücklich verliebten Blumenhändlerin, einem Pastor, der seinen Beruf nicht mehr ausüben kann und einem Investor mit großen Plänen, die aber nicht alle zu teilen scheinen. Und was ist eigentlich mit den toten Tauben auf der Straße passiert? Das besondere des Romans ist für mich die Erzählweise. Es handelt sich bei "Die Straße" nicht um einen klassisch geschriebenen Roman. Vielmehr hat sich Seethaler hier für kurze Abschnitte entschieden, in denen sich die Leserschaft nach und nach die Handlung erschließt. Mit Dialogen, Polizeiberichten oder beispielsweise Protokollen und Briefen ergründen die Lesenden die Geschehnisse eines Jahres in der Heidestrasse und ihrer Protagonisten*innen. Dabei macht es Seethaler den Lesenden nicht immer ganz leicht. Es war für mich kein flüssig zu lesender Roman sondern eine besondere Form, in der ich mich erst zurecht finden musste und nach und nach aber gut reingefunden habe. Ich mochte diese Art der Erzählstruktur schließlich sehr gerne, da mir nicht sofort alles direkt „präsentiert“ wurde und die Spannung für mich somit bis zum Schluss aufrechterhalten wurde. Die Idee, verschiedene Personen einer Straße zu begleiten, hat mich ebenso sehr angesprochen. So ist es für mich nicht unbedingt ein Roman mit einer Geschichte sondern vielen kleinen und größeren parallel erzählten Geschichten, die einem gemeinsamen roten Faden folgen. Meiner Meinung nach ein absolutes Must–Read für alle Seethaler- Fans und für alle, die sich auf eine außergewöhnliche Erzählstruktur einlassen möchten. Ich habe das Buch auf jeden Fall sehr gerne gelesen.
„Schlagartig ist es in den Hecken still. Kein Mensch hat je die Amsel schlafen gesehen.“ Robert Seethalers neuer Roman hat keine durchgehende Handlung. Vielmehr wird aus kurzen Gesprächspassagen, inneren Monologen und Gedanken, das Bild der fiktiven Heidestraße zusammengebaut. Wer da gerade spricht, erschließt sich überwiegend nur aus dem Kontext. Die Sätze sind dabei reduziert, das Verweilen bei einer Bewohnerin oder einem Bewohner der Straße nur kurz. Das mag zunächst etwas verwirrend wirken, entwickelt aber im Laufe des Buches einen ganz eigenen Reiz. Immer tiefer taucht man in den Alltag der Straße ein, über eine Zeitspanne von ca. 1 Jahr. Da sind die Bewohner:innen des Pflegeheims „Abendschein“, eine unglücklich verliebte Blumenhändlerin, Wirtshausbesucher im „Goldenen Mond“, die Bäckerin, die täglich dem Obdachlosen vor der Tür einen Kaffee bringt, ein Antiquar, der um seine Bücher kämpft, ein Junge mit einer Steinschleuder und viele mehr. Wo sich diese Straße genau befindet, bleibt offen – einzelne Begriffe deuten auf Wien hin (Buchteln), dann wird aber wieder in Mark bezahlt. Ebenso lässt sich die Zeit der Handlung nicht genau festlegen, irgendwann in den späteren 80er Jahren würde ich sagen. Beides mag vielleicht manche Leser:innen stören, in Wahrheit spielt aber weder das Eine noch das Andere eine Rolle. In manchen Beschreibungen zum Buch wird von einem Mosaik oder einem Wimmelbild gesprochen. Das trifft es durchaus und macht damit für mich den Reiz des Buches aus. Schon als Kind gehörten Wimmelbilder für mich mit zum Spannendsten, was es an Büchern gab. Immer wieder Neues und Überraschendes kann entdeckt werden, genau so wie klare Muster und Verbindungen. Auf jeden Fall eine Lese- (oder wie in meinem Fall) Hörempfehlung (Hörbuchfassung: Hörbuch Hamburg; Sprecher: Matthias Brandt).
Großartig gelesen von Matthias Brandt!
"Die Straße" ist der neue Roman von Robert Seethaler, als Hörbuch eingelesen wurde er von Matthias Brandt. Seethaler beschreibt in seinem Roman auf 240 Seiten bzw. 4 Stunden Hörbuch das Leben in einer Straße, wie es sie in jeder Stadt geben könnte. Eine Straße, auf die man nicht zufällig stößt. Über den Zeitraum eines Jahres begleiten wir die dort lebenden Bürger*innen , die zwar alle dort leben, sich aber teilweise nicht kennen und unterschiedlicher nicht sein können. Die auf Krawall gebürsteten Jugendlichen, die ewig nörgelnden Alten, den Alltagsrassismus, die Vorurteile. Seethalers Sprache ist wie aus anderen Werken gewohnt präzise und plastisch, er verarbeitet aber auch viele Klischees. Mich hat es doch gestört, dass ALLE Älteren immer nur auf ALLE Jugendlichen herabsehen, frei nach der Devise "Das hätte es früher nicht gegeben". Wirklich warm geworden bin ich mit keinem der Charaktere, am ehesten noch mit dem Besitzer des Antiquariats und dem überforderten und unter Personalmangel leidenden Polizisten. Matthias Brandt liest richtig gut, seine Vortragsweise und Interpretation passt zum Roman und den Charakteren. Für mich hat er den Roman erlebbar gemacht. Deshalb bekommt das Hörbuch von mir trotz meiner Kritikpunkte 4 Sterne, die es Matthias Brandt zu verdanken hat. Mir persönlich hat Seethalers Roman "Ein ganzes Leben" bedeutend besser gefallen, daher kann ich diesen Roman nur eingeschränkt weiterempfehlen. Wer sich darauf einlässt, sollte es als Hörbuch genießen!
Ein Mosaik aus Menschen, Momenten und verpasster Nähe
Manchmal verliebt man sich total in eine Idee, aber leider nicht ganz in die Umsetzung. Genau so ging es mir mit „Die Straße“ von Robert Seethaler. Ich habe das Hörbuch als Rezensionsexemplar über NetGalley gehört und war zuerst wirklich neugierig, weil die Grundidee so besonders klingt: Im Mittelpunkt steht nicht eine einzelne Person, sondern eine Straße. Eine Straße irgendwo zwischen Zentrum und Stadtrand, unscheinbar und fast versteckt. Und doch passiert dort alles, was das Leben ausmacht: Liebe, Einsamkeit, Sehnsucht, Wut, Sorge, kleine Träume und große Geheimnisse. Wir begegnen verschiedenen Menschen, die alle auf ihre Weise mit dieser Straße verbunden sind: einem Jungen, der plötzlich vom Jagdfieber gepackt wird, einem anderen, der nicht weiß, wohin mit seiner Wut, einer Blumenhändlerin, die für einen Mann lebt, der sie kaum sieht, einer Heimleiterin, die sich um alle kümmert und selbst furchtbar einsam ist, und einem Geistlichen, der seiner Gemeinde langsam verloren geht. Spoilerfrei gesagt: Das Buch ist eher ein Mosaik aus vielen kleinen Momenten als eine klassische Geschichte mit einer Hauptfigur. Und genau das ist eigentlich total schön gedacht.💭 Für mich war es als Hörbuch aber leider nicht ganz einfach. Durch die vielen Figuren, Namen und Perspektivwechsel bin ich öfter durcheinandergekommen und wusste manchmal nicht sofort, wo ich gerade bin oder wessen Geschichte ich folge. Statt tief in eine Figur einzutauchen, hatte ich eher das Gefühl, immer nur kurz an einem Fenster vorbeizuschauen, bevor ich schon wieder weitergezogen werde. Und das war für mich ein bisschen schade, weil ich Robert Seethaler eigentlich genau für seine stillen, tiefen und berührenden Geschichten liebe. Normalerweise schafft er es für mich, kleinen Leben ganz viel Größe zu geben. Hier blieb ich emotional eher auf Abstand. Die Idee mochte ich sehr, aber ich bin nicht so richtig hineingekippt. Trotzdem hat das Buch schöne, leise Momente. Am Ende fügt sich vieles noch etwas runder zusammen, und man versteht mehr, warum diese Straße als Verbindung zwischen all den Menschen funktioniert. Für mich erzählt der Roman vor allem davon, wie viele Schicksale nebeneinander existieren — und wie wenig wir manchmal voneinander wissen, obwohl wir uns täglich begegnen. Ein großes Plus ist auf jeden Fall Matthias Brandt als Sprecher. Seine Stimme ist ruhig, angenehm und passt sehr gut zu dieser melancholischen, beobachtenden Atmosphäre. Er liest unaufgeregt und fein, was grundsätzlich wunderbar zu Seethalers Stil passt. Trotzdem konnte mich auch die Lesung nicht ganz darüber hinwegtragen, dass ich mir beim Hören manchmal mehr Orientierung gewünscht hätte.😕 Ich glaube, „Die Straße“ könnte besonders denen gefallen, die ruhige, literarische Geschichten mögen, bei denen nicht die Handlung im Vordergrund steht, sondern Atmosphäre, Menschen und kleine Augenblicke. Wer gerne Bücher liest, die man nicht komplett erklärt bekommt, sondern selbst fühlen und deuten darf, wird hier wahrscheinlich mehr entdecken als ich. Für mich war es am Ende ein interessantes, besonderes Hörbuch mit einer tollen Idee — aber leider nicht ganz mein Seethaler-Herzbuch.
Mosaik einer Straße
Mit "Die Straße" erzählt Robert Seethaler vom Alltag einer ganz normalen Wohn- und Geschäftsstraße. Über den Zeitraum eines Jahres begleiten wir die Straße und ihre Bewohner, mal länger, mal nur für einen kurzen Moment. Manche Figuren tauchen immer wieder auf, andere verschwinden nach wenigen Seiten wieder. Die Form des Romans ist dabei wirklich besonders und sicher nicht für jeden etwas. Deshalb würde ich empfehlen, vorher auf jeden Fall eine Leseprobe zu lesen. Das Buch besteht nicht aus einem klassischen Fließtext, sondern eher aus vielen einzelnen Teilen: Gesprächsfetzen, Monologen, Briefen, Bekanntmachungen und kurzen Szenen. Nach und nach setzt sich daraus ein Gesamtbild zusammen, fast wie ein Mosaik. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, selbst durch die Straße zu laufen und überall kleine Eindrücke aufzuschnappen. Am Anfang fand ich das richtig toll und musste oft über die Bewohner schmunzeln. Mit der Zeit hat mich das Buch allerdings ein wenig verloren. Ich kann gar nicht genau sagen, woran es lag oder ab welchem Punkt es passiert ist, aber irgendwann hat mich die Geschichte emotional nicht mehr ganz so erreicht wie zu Beginn. Trotzdem mochte ich die besondere Idee und die Atmosphäre des Buches. Ich habe auch mal kurz in das Hörbuch reingehört und kann das sehr empfehlen: Matthias Brandt spricht die vielen unterschiedlichen Stimmen und Stimmungen wirklich großartig ein. Insgesamt ein ungewöhnlicher Roman mit interessanter Form und vielen kleinen Beobachtungen über das Leben. 3/5 Sterne

Robert Seethaler gelingt mit „Die Straße“ einmal mehr ein leiser, konzentrierter Blick auf das Leben – reduziert, präzise und voller Zwischentöne. Im Mittelpunkt steht eine unscheinbare Straße, irgendwo zwischen Zentrum und Rand der Stadt. Ein Ort, der leicht übersehen wird – und gerade deshalb so viel erzählt. Seethaler zeichnet hier kein klassisches Narrativ, sondern ein Mosaik aus Momentaufnahmen. Unterschiedliche Figuren – ein wütender Junge, eine liebende Blumenhändlerin, eine einsame Heimleiterin, ein zweifelnder Geistlicher – treten kurz ins Licht, bevor sie wieder im Alltäglichen verschwinden. Ihre Geschichten sind lose miteinander verwoben und ergeben zusammen ein stilles Panorama menschlicher Existenz. Wie gewohnt liegt Seethalers Stärke in der Verdichtung. Mit wenigen Worten schafft er es, ganze Lebensgeschichten anzudeuten. Jeder Satz sitzt, jede Szene wirkt nach. Doch genau diese Reduktion ist zugleich Stärke und Schwäche: Während sie einerseits Raum für eigene Gedanken lässt, fehlt hier stellenweise die Wärme und Nähe, die viele Leserinnen und Leser aus früheren Werken so schätzen. Die Figuren bleiben oft auf Distanz – eher beobachtet als wirklich gefühlt. Dennoch entfaltet „Die Straße“ eine eigene, ruhige Intensität. Es ist ein Buch über Einsamkeit, Sehnsucht, verpasste Chancen und die kleinen, oft unscheinbaren Momente, die ein Leben ausmachen. Wer sich auf dieses entschleunigte Erzählen einlässt, wird mit feinen Beobachtungen und einer melancholischen Grundstimmung belohnt. Besonders hervorzuheben ist das Hörbuch, gelesen von Matthias Brandt. Seine Interpretation verleiht dem Text eine zusätzliche Dimension. Mit ruhiger, eindringlicher Stimme bringt er die leisen Nuancen zur Geltung und schafft es, den Figuren mehr Tiefe und Nähe zu geben, als sie auf der reinen Textebene manchmal erreichen. Hier entsteht eine besondere Verbindung zwischen Sprache und Stimme, die den Roman intensiv erfahrbar macht. „Die Straße“ ist ein stilles, fragmentarisches Buch, das weniger berührt als andere Werke Seethalers, aber dennoch durch seine sprachliche Präzision und atmosphärische Dichte überzeugt. Kein emotionaler Höhepunkt seines Schaffens – aber ein feines, nachdenkliches Stück Literatur, das vor allem als Hörbuch seine ganze Stärke entfaltet.

Eine ruhige Charakterstudie, die nicht immer mein Tempo hatte
Eine ruhige Charakterstudie, die nicht immer mein Tempo hatte Ich mag Robert Seethaler als Autor sehr. Besonders sein Roman Das Café ohne Namen hat mir ausgesprochen gut gefallen. Auch in Die Straße zeigt er wieder seine besondere Fähigkeit, Menschen zu beobachten und aus scheinbar alltäglichen Situationen viel herauszuholen. Das Buch lebt weniger von einer spektakulären Handlung als von seinen Figuren, ihren Gedanken, Begegnungen und den kleinen Momenten des Lebens. Seethaler schreibt präzise, ruhig und mit viel Gespür für Stimmungen. Allerdings muss ich zugeben, dass mir manche Passagen etwas langatmig vorkamen. An einigen Stellen hätte ich mir etwas mehr Dynamik gewünscht. Das ist natürlich Geschmackssache, denn gerade diese entschleunigte Erzählweise wird von vielen Leserinnen und Lesern geschätzt. Trotzdem habe ich das Buch gerne gehört. Wer Robert Seethalers Stil kennt und seine feinen Charakterstudien mag, wird auch mit Die Straße etwas anfangen können. Mein Fazit: Kein schlechtes Buch, aber auch nicht mein Favorit des Autors. Für die Beobachtungsgabe, die Atmosphäre und die Figuren vergebe ich gerne 3,5 Sterne. "Manchmal passiert auf einer Straße weniger, als man erwartet – und trotzdem erzählt sie eine ganze Menge über die Menschen, die auf ihr unterwegs sind." 😊
„Die Straße“ ist kein Buch, das man einfach nur liest. Man läuft eher hindurch wie durch eine echte Straße. Man hört Gesprächsfetzen, liest Briefe, Gedanken und kleine Alltagsmomente und schaut dabei hinter die Fassaden ganz normaler Menschen. Eine klassische Handlung gibt es hier nicht. Keine typischen Hauptfiguren, keinen großen Spannungsbogen. Stattdessen setzt sich die Geschichte aus vielen kurzen Perspektiven und Szenen zusammen. Genau dadurch entsteht nach und nach ein ziemlich intensives Bild dieser Straße und ihrer Bewohner. 🏢 In der Heidestraße leben Menschen mit Sorgen, Sehnsüchten, Wut, Einsamkeit und Hoffnung. Pflegeheimbewohner, Ehepaare, Jugendliche, Geschäftsleute oder ein Pfarrer, jeder bekommt hier eine Stimme. Manche Passagen wirken fast wie zufällig aufgeschnappt und haben keinen erkennbaren Bezug zu anderen Abschnitten. In manchen erkennt man (wenn auch schwer – für mich zumindest) Zusammenhänge. Mit der Schreibart hatte ich allerdings sehr zu kämpfen. Durch die vielen Wechsel zwischen Figuren, Gedanken und Situationen bin ich gar nicht ins Buch gekommen und musste mich teilweise ziemlich konzentrieren, um den Überblick zu behalten. Das war mir oft zu anstrengend. Wahrscheinlich war einfach irgendwie der falsche Zeitpunkt für das Buch und mich. Trotzdem mochte ich die Wortwahl und Formulierungen von Robert Seethaler sehr gern. Das Buch zeigt kein spektakuläres Leben, sondern einfach das echte, alltägliche Leben mit all seinen leisen, traurigen, schönen und manchmal unangenehmen Momenten. Diesen Momenten werde ich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal eine Chance geben, vielleicht entfaltet sich dann die volle Wirkung des Buches auch bei mir. 🏢 Sicher kein Buch für alle, die eine klare Handlung oder klassische Erzählstruktur suchen. Wer aber ruhige, besondere Geschichten mag und gerne Menschen beobachtet, könnte hier definitiv etwas finden.
Heidestraße. Eine gewöhnliche Straße. Ein Antiquariat eröffnet. Es gibt weitere Läden, eine Metzgerei, Bäckerei oder Gastwirtschaft. Ein Straßenfest im November wird geplant. Sie hat viel erlebt & kann Geschichten erzählen. Hören wir der Straße zu. ******************* „Die Straße“ von Robert Seethaler, spontaner Umzug in eine außergewöhnliche Gesellschaft. Menschen leben nun mal zusammen. Ob sie wollen oder nicht. Tür an Tür, Haus an Haus. Jede Straße hat ihr eigenes Flair. Nachbarn kann man sich bedingt aussuchen & was auf der Straße geschieht, wird von Ereignissen beeinflusst. Verbrechen, Brände, Straßenfeste gehören dazu. Wenn eine Straße reden könnte, sie hätte viel zu erzählen. Jedoch verändert sie sich & das muss auch die Straße erfahren. Ein Stadtentwicklungsprojekt soll starten & die Bewohner werden aus der Straße verdrängt. Wer sind die Menschen die in der Straße wohnen? Paare, Jugendliche, Obdachlose. Welche Sorgen, Träume, Ängste, Sehnsüchte haben die Bewohner? Es gibt zahlreiche Einblicke & verfolgen die Gespräche mit. Sprunghaft begleiten wir sie. Seethaler hat ein umfangreiches Bild einer Straße geschaffen. Er gibt Eckpunkte wie sie ausschaut. Es gibt keinen klassischen Handlungsstrang. Perspektiv- & Szenenwechsel gibt es viele. Mitunter sehr sprunghaft, ob von den Protagonisten selbst oder was auf der Straße geschieht, dies kann überfordernd sein. Stellenweise wirkt es verwirrend, aber als Gesamtbild ist es verständlich. Durch die Sprunghaftigkeit wird das Buch nicht langweilig. Es gibt keine Kapitel, nur Abschnitte die mitunter nicht aufeinander aufbauen. Trotzdem gibt es wiederkehrende Protagonisten, die einen Charakter einnehmen & geformt sind. Ich habe schon einige Romane von Seethaler gelesen, dieser ist wieder einmal anders vor allem in der Erzählstruktur. Als ich das Buch beendet habe stellte ich mir die Frage: Will ich in die Straße ziehen? Ich muss, leider mit „Nein“ antworten? Wie geht es Euch?

Mein erster Seethaler
Mein erster Robert Seethaler, das sage ich gleich vorweg, da ich das Buch nicht mit anderen seiner Werke vergleichen kann. Sein Schreibstil ist eigen und ich kann verstehen, was ihn dadurch so besonders macht. Ich muss zugeben dass ich etwas Mühe hatte reinzufinden und ich nach kurzer Zeit überlegt habe das Buch abzubrechen. Das Buch ist sehr fragmentarisch zusammengestellt. Man ist immer wieder in unterschiedlichen Situationen, beobachtet unterschiedliche Bewohner der Straße in ihrem Leben oder auch ihren Gedanken. Erst mit der Zeit kann man langsam zuordnen um wen es sich jeweils handelt. Nach und nach wurde aber doch mein Interesse geweckt und ich wollte weiter verfolgen, wie sich die Straße entwickelt. Ein sehr ruhiges, sehr spezielles Buch.
Beschreibung
Ein Jahr, eine Straße, ihre Menschen: Robert Seethalers neuer Roman
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in ihr alles, was Menschen passieren kann.
Ein Junge wird vom Jagdfieber gepackt. Ein anderer weiß nicht, wohin mit seiner Wut. Eine Blumenhändlerin lebt für einen Mann, der sie nicht einmal sieht. Eine Heimleiterin wacht über ihre Schützlinge und ist selbst die Einsamste von allen. Ein Geistlicher kommt seiner Gemeinde abhanden. Sorge rüttelt an den Bewohnern, Sehnsucht treibt sie nachts auf die Straße, die Liebe bringt sie um den Verstand. Sie haben Träume und Geheimnisse. Ihre Wege kreuzen sich täglich, doch was wissen sie voneinander?
In seinem neuen Roman verknüpft Robert Seethaler ihre Geschichten zu einem Mosaik der Augenblicke – und damit des Lebens selbst. Gelesen von Schauspielstar Matthias Brandt.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Robert Seethalers Bücher wurden in über 40 Sprachen übersetzt. Sein Roman »Ein ganzes Leben« stand auf der Shortlist des International Booker Prize und wurde 2023 von Regisseur Hans Steinbichler verfilmt. Seethaler lebt in Berlin und Wien.
Beiträge
"Es geht weiter, immer weiter und niemand bleibt." Von Robert Seethaler habe ich schon einiges gelesen und bisher hat es mir stets viel gegeben. Daher war ich auf diese kurze Geschichte gespannt. Wir lernen viele Menschen der Heidestraße kennen: Den Antiquariar, er richtet den Laden ein und verzweifelt fast daran und dann steht auch noch der Kartoffelpufferstand vor der Tür und keine Kundschaft. Die Bäckerin, sehr sozial. Die Fleischerei. Der Arzt. Der Pfarrer, dem übel ist. Die demente Tante im Altenheim Abendschein, der Neffe, der in ihre Wohnung zieht . Im Altenheim sterben die Leute, essen nicht mehr, überlegen sich gegen die Heimleitung aufzulehnen. Von der Arbeit der Polizei, die zu wenig Leute hat. Ein Rückblick in die Zeit des Krieges. Ein Obdachloser. Es geht um Geld, Verdächtigungen, einen Verein, der das 30. Heidestraßenfest im November organisiert. Musik, die nicht passt. Der Umgang der Menschen miteinander ist mal freundlich, mal strittig, gewalttätig, aggressiv, ängstlich. Und noch viel mehr. Ein Jahr in der Heidestraße. Die kurzen Kapitel springen zwischen den verschiedenen Stationen und Menschen hin und her. Man muss beim Hören sehr aufpassen, bei wem man sich gerade befindet. Manches Ereignis wird im Monolog oderim Dialog erzählt, in Brief oder Berichtsform. Jeder Protagonist erzählt selbst. Von allem, was das Leben ausmacht, wird erzählt. Die Splitter derGeschehnisse ergeben nach und nach ein Bild. Und man wartet gespannt, was bei den einzelnen geschieht. Die Charaktere sind originell, teils tiefgründig, teils tauchen sie nur flüchtig auf. Echtes Leben punktgenau erzählt. Zunächst dachte ich, diese Geschichte sei ein großes Durcheinander, doch allmählich verknüpften sich die Erzählungen und ergaben ein Bild. Dies empfand ich als sehr gekonnt erzählt und es hat mir sehr gefallen und ich empfinde es als großartige Erzählkunst. Robert Seethaler gelingt es, lebendige kurze, aussagekräftige Szenen so zu beschreiben, dass man meint dabei zu sein, zu sehen, hören, riechen. Der Sprecher hat dieses Buch ausgezeichnet gesprochen und mir immer wieder geholfen zu verstehen, wo und bei wem wir uns gerade befinden. Seine Stimme veränderte er jetzt nach Szene oder Mensch. Mich hat das angesprochen, ich bin aber unsicher ob für manchen Interessierten nicht doch das gedruckte Wort besser ist. Je länger ich hörte, umso interessanter und lebendiger wurde das Leben in der Heidestraße. Sicher kein Buch für jedermann, aber wer sich darauf einlassen kann, wird es nicht bereuen.
Dieses Buch war etwas schwierig zu lesen für mich. Die kurzen vielen Absätze und Perspektivenwechsel waren sehr gewöhnungsbedürftig und ehrlich gesagt habe ich mich das ganze Buch über nicht dran gewöhnt. Fast nie wusste man, wer gerade spricht oder erzählt und das war teilweise sehr verwirrend. Ich denk mal dass das so gewollt war vom Autor, mich hat das aber irgendwie immer aus dem Lesefluss gebracht. Ebenso die Zeitsprünge in dem Jahr waren viel zu schnell und man hat es immer nur an der Veränderung des Wetters gemerkt. Tolle Stilmittel, aber leider nichts für mich. Die Strasse wurde gut beschrieben aber alle Geschichten waren teilweise sehr belanglos und bekamen kein richtiges Ende. Wer offene Enden mag, für denjenigen ist dieses Buch auf jedenfall etwas. Ebenso hätte ich gerne gewusst in welcher Zeit dieses Buch spielt. Ein gutes Buch, hat aber leider nicht so ganz meinen Geschmack getroffen.

Die Straße atmet – aber ich blieb irgendwie draußen
Stell dir vor, du gehst durch eine fremde Stadt, es ist schon spät, und überall um dich herum laufen Menschen, reden, lachen, streiten und du schnappst immer nur Fetzen auf. Du weißt nie, wie die Geschichte weitergeht. Genau so hat sich dieses Buch für mich angefühlt. Sonntagabend, Tee, Couch. Ich dachte, ich lese kurz rein. Ich lese Seethaler seit vielen Jahren sehr gerne. Sein Buch „Ein ganzes Leben“ hattte mich wirklich erwischt, so richtig, mitten ins Herz. Also saß ich da mit ziemlich hohen Erwartungen. Vielleicht war das schon mein erster Fehler. Die Grundidee finde ich ehrlich gesagt genial. Nicht ein Mensch steht im Mittelpunkt, sondern die Straße selbst. Dieser riesige, gleichgültige Ort, der einfach weiterexistiert, egal wer kommt und geht. Die Blumenhändlerin, der Priester, die sind alle irgendwie nur kurze Gäste. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Was bleibt eigentlich von uns? Ein Ort erinnert sich länger als jeder Mensch, der ihn bewohnt hat. Diese Frage hat mich noch Tage später beschäftigt, während ich eigentlich an ganz anderen Dingen hätte denken sollen. Die Art, wie Seethaler die Zeit durchlässig macht, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fließen ineinander wie Schichten in altem Gemäuer, erzeugt eine fast filmische, zeitlose Atmosphäre. Ich habe an bestimmten Stellen einfach nur innegehalten und gedacht, Ja, so fühlt sich ein Ort an, der älter ist als seine Bewohner. Aber, und das ist ein ehrliches Aber, ich hab mich beim Lesen oft wie ein Fremder gefühlt, der nie richtig reinkommt. Bei Seethaler bin ich es gewohnt, tief in eine einzige Biografie einzutauchen. Schicht für Schicht. Hier hingegen snappe ich Gesprächsfetzen auf wie ein Fremder, der durch eine Stadt schlendert und nie lange genug stehenbleibt, um wirklich zuzuhören. Das ist kein Fehler des Buches, es ist seine Absicht. Aber ich muss ehrlich sagen, aber diesmal hat das bei mir einfach nicht funktioniert. Das ständige Wechseln zwischen den Personen und Orten hat mich immer wieder aus dem Fluss gerissen. Ich blieb ein distanzierter Beobachter, wo ich eigentlich mittendrin sein wollte. Ich habe dieses Buch weniger gefühlt als betrachtet, wie ein Gemälde, das ich bewundere, ohne dass es mich anrührt. Die Straße ist ein Experiment, das ich respektiere, auch wenn es mich nicht ganz eingelassen hat. Vielleicht liegt es daran, dass ich Seethaler immer dann am liebsten habe, wenn er sich einem einzigen, stillen Leben widmet. Hier widmet er sich dem Rauschen aller Leben gleichzeitig. Das ist groß gedacht und manchmal ist groß gedacht eben auch ein bisschen einsam für den Leser, der draußen in der Kälte steht und hineinschaut.
Ein vielstimmiger Roman über das Leben, das Altern und das Verschwinden. Auf besondere Weise erzählt.
In „Die Straße“ begleitet Robert Seethaler die Bewohner:innen einer Heidestraße über den Verlauf eines Jahres. Es gibt keinen klassischen Hauptcharakter und keinen zentralen Handlungsstrang. Stattdessen entsteht aus vielen Stimmen ein gemeinsames Bild: eine Blumenhändlerin, Pflegekräfte und Bewohner im „Haus Abendschein“, ein Antiquar, Menschen in Cafés, Wohnungen und Hinterhöfen. Zwischen Alltag, Krankheit, Alter, Verlust und kleinen Hoffnungen zeigt der Roman ein Leben, das gleichzeitig gewöhnlich und existenziell ist. Während Investoren die Straße verändern und verdrängen wollen, stemmen sich viele Bewohner auf ihre eigene Weise gegen das Verschwinden. Robert Seethaler schreibt keinen Roman über Handlung, sondern über Menschen. „Die Straße“ ist eine Klangcollage aus Satzfetzen, inneren Monologen, Gesprächen und Beobachtungen. Gerade diese Vielstimmigkeit macht den Roman so besonders. Im Zentrum stehen Vergänglichkeit und Widerstand. Um den Versuch, den nächsten Tag zu erreichen. Den nächsten Moment. Auch die Straße selbst wird zum Symbol: für Erinnerung, Gemeinschaft und alles, was durch Kommerzialisierung und Verdrängung verloren geht. Anfangs musste ich mich auf die Form einlassen, auf die vielen Stimmen und Perspektiven. Aber genau daraus entsteht etwas Besonderes.Seethaler schreibt leicht und präzise zugleich. Manche Szenen wirken fast beiläufig – und treffen dann plötzlich mit voller Wucht. Besonders berührt hat mich, wie viel Menschlichkeit in diesem Roman steckt. Wie ernst er seine Figuren nimmt. Niemand wird lächerlich gemacht, niemand überhöht.Zwischen Traurigkeit, Einsamkeit und Abschied gibt es immer wieder Wärme, Humor und kleine Momente von Hoffnung. Für mich ein Roman, der zeigt, wie Literatur Leben sichtbar machen kann. So, dass ich den Roman an einem Tag beendet habe ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Weil Die Straße von Menschen erzählt, die oft übersehen werden. Und weil Robert Seethaler daraus etwas Leises, Großes und sehr Menschliches macht. #DieStraße #RobertSeethaler #LiteraturDesAlltags #Vergänglichkeit #Menschlichkeit

Eine chaotische Straße
Die Grundidee von „Die Straße“ von Robert Seethaler hat mir eigentlich gut gefallen. Das Buch versucht, verschiedene Figuren und ihre Geschichten miteinander zu verknüpfen, was grundsätzlich interessant sein kann. Leider wurde dieses Potenzial meiner Meinung nach nicht vollständig ausgeschöpft. Mein größtes Problem war die sehr unübersichtliche Handlung. Es gibt mehrere Protagonisten, und oft ist nicht klar, aus wessen Perspektive die Geschichte gerade erzählt wird. Dadurch fiel es mir schwer, den einzelnen Handlungssträngen zu folgen und eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen. Zusätzlich sind die Kapitel nicht betitelt, was die Orientierung noch schwieriger macht. Besonders problematisch war das für mich als Hörbuch. Da man nicht einfach zurückblättern oder schnell nachsehen kann, verliert man leicht den Überblick. Hinzu kommt, dass das Hörbuch von einem männlichen Sprecher gelesen wird. Wenn eine weibliche Figur erzählt oder spricht, ist nicht immer sofort erkennbar, dass die Perspektive gewechselt hat. Das macht die ohnehin komplexe Struktur noch verwirrender. Trotz meiner Kritik möchte ich den Sprecher Matthias Brandt ausdrücklich loben. Er hat seine Aufgabe sehr gut erfüllt und sich sichtbar darum bemüht, die Emotionen und Stimmungen der einzelnen Figuren glaubwürdig zu vermitteln. An seiner Leistung lag mein negativer Eindruck definitiv nicht. Insgesamt finde ich, dass die Idee hinter dem Buch viel Potenzial hatte. Mit einer klareren Struktur, einer besseren Kennzeichnung der Perspektivwechsel und etwas mehr Überarbeitung hätte die Geschichte deutlich zugänglicher werden können. Als Hörbuch funktioniert das Werk für mich allerdings nur sehr eingeschränkt und hat mich eher frustriert als unterhalten. Daher kann ich es leider nicht empfehlen.

"Eine ganz normale Straße in einer ganz normalen Stadt" Das ist sie, die Heidestraße und die Menschen, die sie beleben. Robert Seethaler nimmt uns mit auf eine Straße zu ihren Bewohnenden. Innerhalb eines Jahres hören wir von Schicksalen, Begebenheiten und absonderlichen Situationen, die in dieser Straße, der Heidestrasse, passieren. Da gibt es beispielsweise einen etwas eigentümlich anmutenden Antiquitar, der sein Ladengeschäft in der Heidestraße bezieht. Neben anfänglichen Renovierungsschwierigkeiten hat dieser auch mit Bücherwürmern und der Feuchtigkeit zu kämpfen. Da ist diese junge Frau, die in die Wohnung ihrer Tante einzieht, als diese im nahe gelegenen Altenheim "Abendschein" untergebracht wird und wir sind Zeuge eines Stadtfestes, das im November begangen wird und mit einem Polizeieinsatz endet. Wir begleiten viele Gespräche in der ansässigen Kneipe, in der Metzgerei oder der Bäckerei, ebenso sind wir live in der Praxissprechstunde des Arztes Doktor Aysal dabei. Hier erfahren wir von einer unglücklich verliebten Blumenhändlerin, einem Pastor, der seinen Beruf nicht mehr ausüben kann und einem Investor mit großen Plänen, die aber nicht alle zu teilen scheinen. Und was ist eigentlich mit den toten Tauben auf der Straße passiert? Das besondere des Romans ist für mich die Erzählweise. Es handelt sich bei "Die Straße" nicht um einen klassisch geschriebenen Roman. Vielmehr hat sich Seethaler hier für kurze Abschnitte entschieden, in denen sich die Leserschaft nach und nach die Handlung erschließt. Mit Dialogen, Polizeiberichten oder beispielsweise Protokollen und Briefen ergründen die Lesenden die Geschehnisse eines Jahres in der Heidestrasse und ihrer Protagonisten*innen. Dabei macht es Seethaler den Lesenden nicht immer ganz leicht. Es war für mich kein flüssig zu lesender Roman sondern eine besondere Form, in der ich mich erst zurecht finden musste und nach und nach aber gut reingefunden habe. Ich mochte diese Art der Erzählstruktur schließlich sehr gerne, da mir nicht sofort alles direkt „präsentiert“ wurde und die Spannung für mich somit bis zum Schluss aufrechterhalten wurde. Die Idee, verschiedene Personen einer Straße zu begleiten, hat mich ebenso sehr angesprochen. So ist es für mich nicht unbedingt ein Roman mit einer Geschichte sondern vielen kleinen und größeren parallel erzählten Geschichten, die einem gemeinsamen roten Faden folgen. Meiner Meinung nach ein absolutes Must–Read für alle Seethaler- Fans und für alle, die sich auf eine außergewöhnliche Erzählstruktur einlassen möchten. Ich habe das Buch auf jeden Fall sehr gerne gelesen.
„Schlagartig ist es in den Hecken still. Kein Mensch hat je die Amsel schlafen gesehen.“ Robert Seethalers neuer Roman hat keine durchgehende Handlung. Vielmehr wird aus kurzen Gesprächspassagen, inneren Monologen und Gedanken, das Bild der fiktiven Heidestraße zusammengebaut. Wer da gerade spricht, erschließt sich überwiegend nur aus dem Kontext. Die Sätze sind dabei reduziert, das Verweilen bei einer Bewohnerin oder einem Bewohner der Straße nur kurz. Das mag zunächst etwas verwirrend wirken, entwickelt aber im Laufe des Buches einen ganz eigenen Reiz. Immer tiefer taucht man in den Alltag der Straße ein, über eine Zeitspanne von ca. 1 Jahr. Da sind die Bewohner:innen des Pflegeheims „Abendschein“, eine unglücklich verliebte Blumenhändlerin, Wirtshausbesucher im „Goldenen Mond“, die Bäckerin, die täglich dem Obdachlosen vor der Tür einen Kaffee bringt, ein Antiquar, der um seine Bücher kämpft, ein Junge mit einer Steinschleuder und viele mehr. Wo sich diese Straße genau befindet, bleibt offen – einzelne Begriffe deuten auf Wien hin (Buchteln), dann wird aber wieder in Mark bezahlt. Ebenso lässt sich die Zeit der Handlung nicht genau festlegen, irgendwann in den späteren 80er Jahren würde ich sagen. Beides mag vielleicht manche Leser:innen stören, in Wahrheit spielt aber weder das Eine noch das Andere eine Rolle. In manchen Beschreibungen zum Buch wird von einem Mosaik oder einem Wimmelbild gesprochen. Das trifft es durchaus und macht damit für mich den Reiz des Buches aus. Schon als Kind gehörten Wimmelbilder für mich mit zum Spannendsten, was es an Büchern gab. Immer wieder Neues und Überraschendes kann entdeckt werden, genau so wie klare Muster und Verbindungen. Auf jeden Fall eine Lese- (oder wie in meinem Fall) Hörempfehlung (Hörbuchfassung: Hörbuch Hamburg; Sprecher: Matthias Brandt).
Großartig gelesen von Matthias Brandt!
"Die Straße" ist der neue Roman von Robert Seethaler, als Hörbuch eingelesen wurde er von Matthias Brandt. Seethaler beschreibt in seinem Roman auf 240 Seiten bzw. 4 Stunden Hörbuch das Leben in einer Straße, wie es sie in jeder Stadt geben könnte. Eine Straße, auf die man nicht zufällig stößt. Über den Zeitraum eines Jahres begleiten wir die dort lebenden Bürger*innen , die zwar alle dort leben, sich aber teilweise nicht kennen und unterschiedlicher nicht sein können. Die auf Krawall gebürsteten Jugendlichen, die ewig nörgelnden Alten, den Alltagsrassismus, die Vorurteile. Seethalers Sprache ist wie aus anderen Werken gewohnt präzise und plastisch, er verarbeitet aber auch viele Klischees. Mich hat es doch gestört, dass ALLE Älteren immer nur auf ALLE Jugendlichen herabsehen, frei nach der Devise "Das hätte es früher nicht gegeben". Wirklich warm geworden bin ich mit keinem der Charaktere, am ehesten noch mit dem Besitzer des Antiquariats und dem überforderten und unter Personalmangel leidenden Polizisten. Matthias Brandt liest richtig gut, seine Vortragsweise und Interpretation passt zum Roman und den Charakteren. Für mich hat er den Roman erlebbar gemacht. Deshalb bekommt das Hörbuch von mir trotz meiner Kritikpunkte 4 Sterne, die es Matthias Brandt zu verdanken hat. Mir persönlich hat Seethalers Roman "Ein ganzes Leben" bedeutend besser gefallen, daher kann ich diesen Roman nur eingeschränkt weiterempfehlen. Wer sich darauf einlässt, sollte es als Hörbuch genießen!
Ein Mosaik aus Menschen, Momenten und verpasster Nähe
Manchmal verliebt man sich total in eine Idee, aber leider nicht ganz in die Umsetzung. Genau so ging es mir mit „Die Straße“ von Robert Seethaler. Ich habe das Hörbuch als Rezensionsexemplar über NetGalley gehört und war zuerst wirklich neugierig, weil die Grundidee so besonders klingt: Im Mittelpunkt steht nicht eine einzelne Person, sondern eine Straße. Eine Straße irgendwo zwischen Zentrum und Stadtrand, unscheinbar und fast versteckt. Und doch passiert dort alles, was das Leben ausmacht: Liebe, Einsamkeit, Sehnsucht, Wut, Sorge, kleine Träume und große Geheimnisse. Wir begegnen verschiedenen Menschen, die alle auf ihre Weise mit dieser Straße verbunden sind: einem Jungen, der plötzlich vom Jagdfieber gepackt wird, einem anderen, der nicht weiß, wohin mit seiner Wut, einer Blumenhändlerin, die für einen Mann lebt, der sie kaum sieht, einer Heimleiterin, die sich um alle kümmert und selbst furchtbar einsam ist, und einem Geistlichen, der seiner Gemeinde langsam verloren geht. Spoilerfrei gesagt: Das Buch ist eher ein Mosaik aus vielen kleinen Momenten als eine klassische Geschichte mit einer Hauptfigur. Und genau das ist eigentlich total schön gedacht.💭 Für mich war es als Hörbuch aber leider nicht ganz einfach. Durch die vielen Figuren, Namen und Perspektivwechsel bin ich öfter durcheinandergekommen und wusste manchmal nicht sofort, wo ich gerade bin oder wessen Geschichte ich folge. Statt tief in eine Figur einzutauchen, hatte ich eher das Gefühl, immer nur kurz an einem Fenster vorbeizuschauen, bevor ich schon wieder weitergezogen werde. Und das war für mich ein bisschen schade, weil ich Robert Seethaler eigentlich genau für seine stillen, tiefen und berührenden Geschichten liebe. Normalerweise schafft er es für mich, kleinen Leben ganz viel Größe zu geben. Hier blieb ich emotional eher auf Abstand. Die Idee mochte ich sehr, aber ich bin nicht so richtig hineingekippt. Trotzdem hat das Buch schöne, leise Momente. Am Ende fügt sich vieles noch etwas runder zusammen, und man versteht mehr, warum diese Straße als Verbindung zwischen all den Menschen funktioniert. Für mich erzählt der Roman vor allem davon, wie viele Schicksale nebeneinander existieren — und wie wenig wir manchmal voneinander wissen, obwohl wir uns täglich begegnen. Ein großes Plus ist auf jeden Fall Matthias Brandt als Sprecher. Seine Stimme ist ruhig, angenehm und passt sehr gut zu dieser melancholischen, beobachtenden Atmosphäre. Er liest unaufgeregt und fein, was grundsätzlich wunderbar zu Seethalers Stil passt. Trotzdem konnte mich auch die Lesung nicht ganz darüber hinwegtragen, dass ich mir beim Hören manchmal mehr Orientierung gewünscht hätte.😕 Ich glaube, „Die Straße“ könnte besonders denen gefallen, die ruhige, literarische Geschichten mögen, bei denen nicht die Handlung im Vordergrund steht, sondern Atmosphäre, Menschen und kleine Augenblicke. Wer gerne Bücher liest, die man nicht komplett erklärt bekommt, sondern selbst fühlen und deuten darf, wird hier wahrscheinlich mehr entdecken als ich. Für mich war es am Ende ein interessantes, besonderes Hörbuch mit einer tollen Idee — aber leider nicht ganz mein Seethaler-Herzbuch.
Mosaik einer Straße
Mit "Die Straße" erzählt Robert Seethaler vom Alltag einer ganz normalen Wohn- und Geschäftsstraße. Über den Zeitraum eines Jahres begleiten wir die Straße und ihre Bewohner, mal länger, mal nur für einen kurzen Moment. Manche Figuren tauchen immer wieder auf, andere verschwinden nach wenigen Seiten wieder. Die Form des Romans ist dabei wirklich besonders und sicher nicht für jeden etwas. Deshalb würde ich empfehlen, vorher auf jeden Fall eine Leseprobe zu lesen. Das Buch besteht nicht aus einem klassischen Fließtext, sondern eher aus vielen einzelnen Teilen: Gesprächsfetzen, Monologen, Briefen, Bekanntmachungen und kurzen Szenen. Nach und nach setzt sich daraus ein Gesamtbild zusammen, fast wie ein Mosaik. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, selbst durch die Straße zu laufen und überall kleine Eindrücke aufzuschnappen. Am Anfang fand ich das richtig toll und musste oft über die Bewohner schmunzeln. Mit der Zeit hat mich das Buch allerdings ein wenig verloren. Ich kann gar nicht genau sagen, woran es lag oder ab welchem Punkt es passiert ist, aber irgendwann hat mich die Geschichte emotional nicht mehr ganz so erreicht wie zu Beginn. Trotzdem mochte ich die besondere Idee und die Atmosphäre des Buches. Ich habe auch mal kurz in das Hörbuch reingehört und kann das sehr empfehlen: Matthias Brandt spricht die vielen unterschiedlichen Stimmen und Stimmungen wirklich großartig ein. Insgesamt ein ungewöhnlicher Roman mit interessanter Form und vielen kleinen Beobachtungen über das Leben. 3/5 Sterne

Robert Seethaler gelingt mit „Die Straße“ einmal mehr ein leiser, konzentrierter Blick auf das Leben – reduziert, präzise und voller Zwischentöne. Im Mittelpunkt steht eine unscheinbare Straße, irgendwo zwischen Zentrum und Rand der Stadt. Ein Ort, der leicht übersehen wird – und gerade deshalb so viel erzählt. Seethaler zeichnet hier kein klassisches Narrativ, sondern ein Mosaik aus Momentaufnahmen. Unterschiedliche Figuren – ein wütender Junge, eine liebende Blumenhändlerin, eine einsame Heimleiterin, ein zweifelnder Geistlicher – treten kurz ins Licht, bevor sie wieder im Alltäglichen verschwinden. Ihre Geschichten sind lose miteinander verwoben und ergeben zusammen ein stilles Panorama menschlicher Existenz. Wie gewohnt liegt Seethalers Stärke in der Verdichtung. Mit wenigen Worten schafft er es, ganze Lebensgeschichten anzudeuten. Jeder Satz sitzt, jede Szene wirkt nach. Doch genau diese Reduktion ist zugleich Stärke und Schwäche: Während sie einerseits Raum für eigene Gedanken lässt, fehlt hier stellenweise die Wärme und Nähe, die viele Leserinnen und Leser aus früheren Werken so schätzen. Die Figuren bleiben oft auf Distanz – eher beobachtet als wirklich gefühlt. Dennoch entfaltet „Die Straße“ eine eigene, ruhige Intensität. Es ist ein Buch über Einsamkeit, Sehnsucht, verpasste Chancen und die kleinen, oft unscheinbaren Momente, die ein Leben ausmachen. Wer sich auf dieses entschleunigte Erzählen einlässt, wird mit feinen Beobachtungen und einer melancholischen Grundstimmung belohnt. Besonders hervorzuheben ist das Hörbuch, gelesen von Matthias Brandt. Seine Interpretation verleiht dem Text eine zusätzliche Dimension. Mit ruhiger, eindringlicher Stimme bringt er die leisen Nuancen zur Geltung und schafft es, den Figuren mehr Tiefe und Nähe zu geben, als sie auf der reinen Textebene manchmal erreichen. Hier entsteht eine besondere Verbindung zwischen Sprache und Stimme, die den Roman intensiv erfahrbar macht. „Die Straße“ ist ein stilles, fragmentarisches Buch, das weniger berührt als andere Werke Seethalers, aber dennoch durch seine sprachliche Präzision und atmosphärische Dichte überzeugt. Kein emotionaler Höhepunkt seines Schaffens – aber ein feines, nachdenkliches Stück Literatur, das vor allem als Hörbuch seine ganze Stärke entfaltet.

Eine ruhige Charakterstudie, die nicht immer mein Tempo hatte
Eine ruhige Charakterstudie, die nicht immer mein Tempo hatte Ich mag Robert Seethaler als Autor sehr. Besonders sein Roman Das Café ohne Namen hat mir ausgesprochen gut gefallen. Auch in Die Straße zeigt er wieder seine besondere Fähigkeit, Menschen zu beobachten und aus scheinbar alltäglichen Situationen viel herauszuholen. Das Buch lebt weniger von einer spektakulären Handlung als von seinen Figuren, ihren Gedanken, Begegnungen und den kleinen Momenten des Lebens. Seethaler schreibt präzise, ruhig und mit viel Gespür für Stimmungen. Allerdings muss ich zugeben, dass mir manche Passagen etwas langatmig vorkamen. An einigen Stellen hätte ich mir etwas mehr Dynamik gewünscht. Das ist natürlich Geschmackssache, denn gerade diese entschleunigte Erzählweise wird von vielen Leserinnen und Lesern geschätzt. Trotzdem habe ich das Buch gerne gehört. Wer Robert Seethalers Stil kennt und seine feinen Charakterstudien mag, wird auch mit Die Straße etwas anfangen können. Mein Fazit: Kein schlechtes Buch, aber auch nicht mein Favorit des Autors. Für die Beobachtungsgabe, die Atmosphäre und die Figuren vergebe ich gerne 3,5 Sterne. "Manchmal passiert auf einer Straße weniger, als man erwartet – und trotzdem erzählt sie eine ganze Menge über die Menschen, die auf ihr unterwegs sind." 😊
„Die Straße“ ist kein Buch, das man einfach nur liest. Man läuft eher hindurch wie durch eine echte Straße. Man hört Gesprächsfetzen, liest Briefe, Gedanken und kleine Alltagsmomente und schaut dabei hinter die Fassaden ganz normaler Menschen. Eine klassische Handlung gibt es hier nicht. Keine typischen Hauptfiguren, keinen großen Spannungsbogen. Stattdessen setzt sich die Geschichte aus vielen kurzen Perspektiven und Szenen zusammen. Genau dadurch entsteht nach und nach ein ziemlich intensives Bild dieser Straße und ihrer Bewohner. 🏢 In der Heidestraße leben Menschen mit Sorgen, Sehnsüchten, Wut, Einsamkeit und Hoffnung. Pflegeheimbewohner, Ehepaare, Jugendliche, Geschäftsleute oder ein Pfarrer, jeder bekommt hier eine Stimme. Manche Passagen wirken fast wie zufällig aufgeschnappt und haben keinen erkennbaren Bezug zu anderen Abschnitten. In manchen erkennt man (wenn auch schwer – für mich zumindest) Zusammenhänge. Mit der Schreibart hatte ich allerdings sehr zu kämpfen. Durch die vielen Wechsel zwischen Figuren, Gedanken und Situationen bin ich gar nicht ins Buch gekommen und musste mich teilweise ziemlich konzentrieren, um den Überblick zu behalten. Das war mir oft zu anstrengend. Wahrscheinlich war einfach irgendwie der falsche Zeitpunkt für das Buch und mich. Trotzdem mochte ich die Wortwahl und Formulierungen von Robert Seethaler sehr gern. Das Buch zeigt kein spektakuläres Leben, sondern einfach das echte, alltägliche Leben mit all seinen leisen, traurigen, schönen und manchmal unangenehmen Momenten. Diesen Momenten werde ich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal eine Chance geben, vielleicht entfaltet sich dann die volle Wirkung des Buches auch bei mir. 🏢 Sicher kein Buch für alle, die eine klare Handlung oder klassische Erzählstruktur suchen. Wer aber ruhige, besondere Geschichten mag und gerne Menschen beobachtet, könnte hier definitiv etwas finden.
Heidestraße. Eine gewöhnliche Straße. Ein Antiquariat eröffnet. Es gibt weitere Läden, eine Metzgerei, Bäckerei oder Gastwirtschaft. Ein Straßenfest im November wird geplant. Sie hat viel erlebt & kann Geschichten erzählen. Hören wir der Straße zu. ******************* „Die Straße“ von Robert Seethaler, spontaner Umzug in eine außergewöhnliche Gesellschaft. Menschen leben nun mal zusammen. Ob sie wollen oder nicht. Tür an Tür, Haus an Haus. Jede Straße hat ihr eigenes Flair. Nachbarn kann man sich bedingt aussuchen & was auf der Straße geschieht, wird von Ereignissen beeinflusst. Verbrechen, Brände, Straßenfeste gehören dazu. Wenn eine Straße reden könnte, sie hätte viel zu erzählen. Jedoch verändert sie sich & das muss auch die Straße erfahren. Ein Stadtentwicklungsprojekt soll starten & die Bewohner werden aus der Straße verdrängt. Wer sind die Menschen die in der Straße wohnen? Paare, Jugendliche, Obdachlose. Welche Sorgen, Träume, Ängste, Sehnsüchte haben die Bewohner? Es gibt zahlreiche Einblicke & verfolgen die Gespräche mit. Sprunghaft begleiten wir sie. Seethaler hat ein umfangreiches Bild einer Straße geschaffen. Er gibt Eckpunkte wie sie ausschaut. Es gibt keinen klassischen Handlungsstrang. Perspektiv- & Szenenwechsel gibt es viele. Mitunter sehr sprunghaft, ob von den Protagonisten selbst oder was auf der Straße geschieht, dies kann überfordernd sein. Stellenweise wirkt es verwirrend, aber als Gesamtbild ist es verständlich. Durch die Sprunghaftigkeit wird das Buch nicht langweilig. Es gibt keine Kapitel, nur Abschnitte die mitunter nicht aufeinander aufbauen. Trotzdem gibt es wiederkehrende Protagonisten, die einen Charakter einnehmen & geformt sind. Ich habe schon einige Romane von Seethaler gelesen, dieser ist wieder einmal anders vor allem in der Erzählstruktur. Als ich das Buch beendet habe stellte ich mir die Frage: Will ich in die Straße ziehen? Ich muss, leider mit „Nein“ antworten? Wie geht es Euch?

Mein erster Seethaler
Mein erster Robert Seethaler, das sage ich gleich vorweg, da ich das Buch nicht mit anderen seiner Werke vergleichen kann. Sein Schreibstil ist eigen und ich kann verstehen, was ihn dadurch so besonders macht. Ich muss zugeben dass ich etwas Mühe hatte reinzufinden und ich nach kurzer Zeit überlegt habe das Buch abzubrechen. Das Buch ist sehr fragmentarisch zusammengestellt. Man ist immer wieder in unterschiedlichen Situationen, beobachtet unterschiedliche Bewohner der Straße in ihrem Leben oder auch ihren Gedanken. Erst mit der Zeit kann man langsam zuordnen um wen es sich jeweils handelt. Nach und nach wurde aber doch mein Interesse geweckt und ich wollte weiter verfolgen, wie sich die Straße entwickelt. Ein sehr ruhiges, sehr spezielles Buch.























