
»Sie ging im Fitnessporno und Joggingelend von uns und kehrte zurück im Ritter-Romantik-Look sponsored by Muff & Modeversagen!«
Der dritte Band der Reihe setzt einige Monate nach den vorherigen Ereignissen an und bringt uns zurück in eine Welt voller Dämonen, Zeitreisen und Templer – diesmal mit einem zusätzlichen Chaosfaktor: einer Druidin, die eigentlich keine Ahnung hat, was sie da tut, und einem Papagei, der das auch nicht müde wird zu betonen. Ellie steht im Mittelpunkt der Geschichte und hat es alles andere als leicht. Als Druidin ohne wirkliche Ausbildung versucht sie, ihrer Rolle gerecht zu werden, während ihr gleichzeitig ein klugscheißender Papagei – angeblich die Reinkarnation eines römischen Senators – regelmäßig erklärt, dass sie eine Enttäuschung ist und nur noch wenig Zeit hat, die Welt zu retten. Unterstützung sieht anders aus. Ihre angespannte Beziehung zu Gin und Mitch zieht sich ebenfalls durch einen großen Teil der Geschichte. Zwar ist ihr Frust darüber, dass die beiden Geheimnisse vor ihr hatten, nachvollziehbar, doch die ständigen Konflikte wirken auf Dauer etwas anstrengend – vor allem, da Ellie selbst nicht gerade ein offenes Buch ist. Hier hätte ich mir stellenweise etwas weniger Drama gewünscht. Dann betritt Quentin die Bühne – und bringt genau die Energie mit, die man von einem mittelalterlichen Templer erwarten würde: misslaunisch, zynisch und emotional ungefähr so zugänglich wie eine verschlossene Auster. Moderne Frauen sind für ihn der Untergang der Zivilisation, was ihn natürlich nicht davon abhält, sich ausgerechnet zu Ellie hingezogen zu fühlen. Ironie lässt grüßen. Auf unserer internen Skala bewegt er sich irgendwo zwischen Clermont und Stefano – näher an Clermont, aber mit genug Entwicklung, um nicht komplett in die gleiche Kategorie zu fallen. Hinter seiner abweisenden Art steckt mehr, als man zunächst vermutet, was ihn insgesamt zu einem nachvollziehbaren Charakter macht. Die Geschichte entwickelt sich schnell von einer scheinbar klassischen Gralssuche zu einem deutlich größeren Abenteuer. Zeitreisen spielen erneut eine zentrale Rolle, diesmal mit einem Abstecher ins Akkon des Jahres 1291. Dabei wird ein Muster erkennbar, das sich durch die Reihe zieht: Die Protagonistin reist allein in die Vergangenheit, trifft dort auf ihren Love Interest und gesteht ihm ihre Gefühle – während dieser anschließend in der Zukunft auf ein Wiedersehen hofft. Und ja, ich gebe es zu: Das ist irgendwie ziemlich romantisch. Natürlich geht auch diesmal nicht alles nach Plan, und ehe man sich versieht, landen alle Beteiligten wieder gemeinsam im Chaos. Spätestens als Gin, Stefano und Archibald auftauchen, eskaliert die Situation auf die bestmögliche Weise – nämlich mit viel Wortgefecht und wenig konstruktiver Kommunikation. Ein Highlight bleibt weiterhin Archibald, der mit seiner ungefilterten Art für die nötige Portion Humor sorgt. Seine Kommentare treffen oft genau ins Schwarze und lockern die ansonsten teilweise angespannte Stimmung auf. Der Plot steuert schließlich auf einen großen Showdown zu, der die verschiedenen Handlungsstränge zusammenführt und für einen passenden Abschluss sorgt. Der Schreibstil bleibt dabei wie in den vorherigen Bänden locker, humorvoll und gut lesbar, wodurch man schnell durch die Geschichte kommt. Insgesamt ist Die Gralshüterin und der Templer ein unterhaltsamer, wenn auch stellenweise etwas anstrengender Band, der durch seine Dynamik, die Zeitreise-Elemente und den Humor überzeugt, auch wenn nicht alle Figuren durchgehend begeistern konnten.



