10. März
Rating:4

„Sie war es. Sie war es nicht“ von Nicci Cloke ist ein Buch, das schon allein durch seine Erzählweise aus der Masse heraussticht. Im Mittelpunkt steht Katie Cole, eine junge Kellnerin, die beschuldigt wird, vier einflussreiche Männer in einem exklusiven Londoner Privatclub vergiftet zu haben. Der Fall sorgt für einen riesigen Skandal – doch Katie selbst schweigt weitgehend. Stattdessen lernen wir sie durch die Augen anderer kennen. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt – unter anderem aus der Sicht ihres Vaters, eines Jugendfreundes, eines Journalisten, ihres Anwalts und eines ehemaligen Liebhabers. Jeder dieser Erzähler zeigt eine andere Version von Katie und damit auch eine andere mögliche Wahrheit. Genau das macht den Reiz des Buches aus: Man weiß nie so richtig, wem man glauben kann und welche Motive tatsächlich hinter allem stecken könnten. Gerade diese vielen Perspektiven machen das Buch zu etwas Besonderem. Es fühlt sich fast ein wenig wie ein Puzzle an, bei dem man sich Stück für Stück ein Bild von Katie zusammensetzt – ohne jemals sicher zu sein, ob es wirklich das ganze Bild ist. Ob ich das Buch allerdings als klassischen Thriller bezeichnen würde, weiß ich ehrlich gesagt nicht so genau. Vielmehr wirkt es für mich wie ein psychologisches Spiel mit Wahrnehmung, Wahrheit und Projektionen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – war das Buch wirklich spannend zu lesen. Die Kapitel sind sehr kurz und enden häufig mit kleinen Cliffhangern, sodass ich immer noch „nur ein Kapitel“ lesen wollte. Am Ende waren es dann doch wieder fünf. Entsprechend hatte ich das Buch in wenigen Tagen durch. Besonders gelungen fand ich, dass im Grunde jeder Charakter Dreck am Stecken hat. Durch die vielen Handlungsstränge und möglichen Motive hätte tatsächlich jede Person eine Rolle in dem Verbrechen spielen können. Die Auflösung am Ende fand ich schlüssig und gut aufgebaut. Viele der zuvor gelegten Spuren ergeben plötzlich Sinn. Eine Kleinigkeit bleibt für mich zwar etwas fragwürdig – aber ohne zu spoilern kann ich darauf natürlich nicht näher eingehen. Insgesamt ist „Sie war es. Sie war es nicht“ ein ungewöhnlich aufgebauter Spannungsroman, der vor allem durch seine Perspektivwechsel und das Spiel mit Wahrheit und Wahrnehmung überzeugt. Vielleicht kein klassischer Thriller, aber definitiv ein clever konstruiertes Buch, das mich gut unterhalten hat. Deshalb gibt es von mir solide 4 Sterne.

Sie war es. Sie war es nicht.: Thriller - »So clever, so fesselnd, so zeitgemäß!« Lucy Foley
Sie war es. Sie war es nicht.: Thriller - »So clever, so fesselnd, so zeitgemäß!« Lucy Foleyby Nicci ClokePenguin Verlag
2. März
Rating:3

Nicci Cloake schreibt mit „Sie war es. Sie war es nicht“ weniger einen klassischen Thriller, als ein psychologisch fein austariertes Spiel mit Wahrnehmung, Schuld und weiblicher Selbstbehauptung. Die Spannung entsteht nicht aus der Frage, wer etwas getan hat, sondern aus der Frage, wie eine junge Frau in einem Netz aus Projektionen, Misstrauen und sozialer Kontrolle überhaupt noch zu sich selbst findet. Cloake arbeitet mit einer Ich-Erzählerin, deren Stimme zugleich verletzlich und scharf beobachtend ist. Besonders gelungen ist, wie sie die Leser*innen in die Ambivalenz hineinzieht: Die Protagonistin wirkt glaubwürdig, aber nie vollständig durchschaubar. Der Roman lebt von einer dichten, fast klaustrophobischen Atmosphäre. Cloake setzt auf kurze Kapitel, präzise Schnitte und ein stetiges Changieren zwischen Erinnerung und Gegenwart. Cloake interessiert sich weniger für die Auflösung eines Verbrechens als für die Mechanismen, die Frauen in Verdachtspositionen bringen – und dort festhalten. Die Frage „War sie es?“ wird zum Spiegel gesellschaftlicher Erwartungen. Besonders stark ist die Darstellung, wie äußere Zuschreibungen die Selbstwahrnehmung der Protagonistin deformieren. Der Stil ist knapp, atmosphärisch und oft poetisch in seiner Verdichtung. Cloake gelingt es, innere Zustände in präzise Bilder zu fassen. „Sie war es. Sie war es nicht“ überzeugt als psychologischer Roman, der die Grenzen zwischen Wahrheit und Wahrnehmung bewusst verschwimmen lässt. Cloake schreibt konzentriert, atmosphärisch und mit einem feinen Gespür für die Verletzlichkeit ihrer Figuren. Wer einen klassischen Whodunit erwartet, wird enttäuscht sein; wer jedoch literarisch anspruchsvolle Spannung mit psychologischer Tiefe sucht, findet hier ein intensives, nachhallendes Leseerlebnis.

Sie war es. Sie war es nicht.: Thriller - »So clever, so fesselnd, so zeitgemäß!« Lucy Foley
Sie war es. Sie war es nicht.: Thriller - »So clever, so fesselnd, so zeitgemäß!« Lucy Foleyby Nicci ClokePenguin Verlag