Gut lesbar, aber nicht ganz rund
Vorab: On Wings of Blood ist der Auftakt der Bloodwing Academy-Reihe und ein Spin-off zur Blood of a Fae-Reihe. Das merkt man für mich an mehreren Stellen. Ich kann die kritischen Rezensionen durchaus nachvollziehen. Entgegen meiner anfänglichen Skepsis bin ich aber überraschend gut durch das Buch gekommen. Der Schreibstil war für mich okay – nicht so schlecht, wie manche Rezensionen vermuten lassen, aber auch nichts Besonderes. Der Einstieg beginnt sehr abrupt: Medra landet nach einem Krieg gegen einen Gott in einer neuen Welt. Da diese Welt auch für sie neu ist, kommt man grundsätzlich klar. Gefehlt hat mir aber ihre Vorgeschichte. Man erfährt zwar, dass sie in ihrem früheren Leben Außergewöhnliches erlebt und sogar einen Gott getötet haben soll, emotional blieb das für mich aber zu vage. Dadurch fiel es mir schwer, sie als Figur richtig zu greifen. Auch ihr Verhalten wirkte auf mich nicht immer stimmig. Sie findet sich sehr schnell mit ihrer Situation ab, versucht kaum, nach Hause zurückzukehren, und hinterfragt vieles erstaunlich wenig – etwa den Handlungsstrang rund um ihre Mutter oder die aufgezwungene Bindung mit Blake. Das machte für mich nur bedingt Sinn. An manchen Stellen fühlte ich mich außerdem deutlich an Harry Potter erinnert. Der Sinn der Gefährtenspiele war mir etwas zu platt, und auch der Grund, warum Medra überhaupt auf diese Schule gehen muss, wurde für mich nicht überzeugend genug herausgearbeitet. Die Welt außerhalb des Schulcampus blieb ebenfalls recht unklar. Besonders die Situation der Menschen bzw. Seuchengeborenen hätte für mich mehr Tiefe gebraucht. Dass sie ihr Schicksal weitgehend widerspruchslos akzeptieren und das recht einfach mit einem Zauber erklärt wird, war mir etwas zu bequem. Blake blieb mir in der ersten Hälfte als männlicher Hauptcharakter noch zu blass. Gut fand ich aber, dass er eigene Kapitel bekommt – dadurch lernt man ihn zumindest besser kennen. 🧛🏻 Gerade in der ersten Hälfte hatte ich insgesamt eher das Gefühl, ein YA-Buch zu lesen. Sprache, Dynamiken und Konflikte wirkten auf mich jugendlicher, als ich es aufgrund der Einordnung erwartet hätte. Das ist nicht per se schlecht, passte für mich aber nicht immer zum Hintergrund der Figuren. Die Liebesgeschichte spielt zunächst kaum eine Rolle. Für mich war das angenehm, weil ich es mag, wenn die Fantasyhandlung stärker im Vordergrund steht. Als Slow Burn hat es für mich aber nur bedingt funktioniert, weil mir dafür lange die spürbare Spannung zwischen den Figuren fehlte. Empfehlen würde ich das Buch vor allem Leser:innen, die romantische Akademie-Fantasy mit Drachen, magischen Prüfungen und vertrauten Tropes mögen. Wer einen leicht zugänglichen Schreibstil sucht und über Schwächen im Worldbuilding hinwegsehen kann, könnte hier gut unterhalten werden. Wer originelles Worldbuilding, stringente Handlung und reifere Charaktere erwartet, dürfte eher enttäuscht sein. Ob ich Band 2 lesen werde? Keine Ahnung. Vielleicht, wenn mich spontan die Lust auf unkomplizierte Romantasy packt und ich gerade eine Pause von anspruchsvollerer High Fantasy brauche. 😂 Eigentlich wären es für mich eher 2,5 Sterne, weil mich viele Aspekte der Handlung und des Worldbuildings nicht überzeugt haben. Da ich das Buch trotz aller Kritik aber erstaunlich schnell weggelesen habe und insgesamt gut unterhalten wurde, runde ich auf 3 Sterne auf.

























































