22. Dez.
Rating:3

Puh, wo fange ich an? Bei längeren Krimireihen gibt es für mich irgendwann eine Art Scheidepunkt: Der Autor beendet die Reihe, er schreibt sich „tot“ oder er rüttelt an den Grundfesten und stellt die Figuren neu auf. Ich bin tatsächlich ein Anhänger der ersten Option, kann aber durchaus auch mit der dritten Option leben, wenn diese gut durchdacht ist.   Hier bei diesem Buch ist es eine Mischung aus Option Zwei und Drei – und hat in meinen Augen leider überhaupt nicht geklappt.   Doch fangen wir von vorne an: Der Krimi an sich ist nicht schlecht: der eine oder andere Mord und ein Dorf mit schrulligen Bewohnern.   Mein Problem ist, dass ich ein großer Fan der vorherigen Bücher bin, die in meinen Augen qualitativ konstant gut waren – es sind immerhin acht Bände. Doch jetzt mit dem neunten Teil stehe ich ein wenig hilflos da und frage mich, ob das Autorenpaar mir einfach die Entscheidung abnehmen wollte, wie es für mich und diese Reihe weitergehen soll.   Also, starten wir mit der Themenauswahl. Es kam mir vor wie ein Rezept, nur haben wir nicht Eier, Mehl und Milch abgehakt, sondern   🔴 alte weiße Männer, die mit jungen Frauen nicht können und den Pascha raushängen lassen 🔴 Rechtsextremismus mit der Nazimutti und ihren beiden verkorksten Söhnen, deren Stärke nicht zwischen den Ohren sitzt, sondern in den Fäusten 🔴 Migration 🔴 marginalisierte Gruppen, bedroht durch die Nazis 🔴 Female Empowerment in Form der beiden Kommissarinnen.   Gleichzeitig wurde an den männlichen Figuren kein sonderlich gutes Haar gelassen. Neben den beiden älteren Polizisten hätten wir noch den unfähigen Leiter der Mordkommission und den Freund der Kommissarin, der vor allem eine Granate im Bett ist. Auch diese Szenen werden als Beweis durchaus ausgekostet.   Versteht mich nicht falsch, keines dieser Themen sehe ich als unwichtig an, doch in der Konzentration kam es mir vor wie ein Vollwaschmittel, um möglichst alle Gruppen zu bedienen.   Im Dorf durfte zudem auch das blinde Medium nicht fehlen, das dafür sorgte, dass die Ermittlungen voranschreiten. Und da bin ich wirklich sehr empfindlich, weil ich solche Kunstgriffe nicht mag. Wenn ich irgendein Orakel oder eine Gottheit brauche, damit die Geschichte fliegt, ist in meinen Augen die Geschichte Murks. Sorry. (Und ja, die Meinung muss man nicht teilen.)   Die Protagonistin Olivia Rönning ist dabei flügge geworden und hat sich von ihren beiden Mentoren Tom Stilton und Mette Olsäter emanzipiert. Also fast, bis dem Autorenpaar anscheinend der Gedanke kam, den beiden ein Gastauftritt zu spendieren. Und der war wirklich bitter. Weder wurden damit alte Zeiten wiedererweckt noch haben die beiden Figuren hier viel zum Fall beigetragen. Eher hatte ich den Eindruck, dass man versuchte, noch ein bisschen die Brücke zu dem alten Set Up zu schlagen. Doch das klappte nicht. Eher war für mich das Auftauchen dieser beiden Figuren traurig und wurde ihnen nicht gerecht.  Dann bitte ein sauberer Schlussstrich und nicht diese Strategie.   Ich war vor dem Lesen am Überlegen, ob ich mir das Buch kaufen soll. Das Thema ist für mich durch.

Schatten über dem Wald: Kriminalroman (Die Rönning/Stilton-Serie 9)
Schatten über dem Wald: Kriminalroman (Die Rönning/Stilton-Serie 9)by Cilla Börjlindbtb Verlag