Ein leises, ergreifendes Buch, dass zum Nachdenken anregt.
Sehr berührend!
Der 89 jährige BO lebt allein mit seinem Hund Sixten und wird täglich vom Pflegedienst betreut. Seine langjährige Ehefrau Fredrika lebt in einem Heim für Demenzkranke und bei Besuchen erkennt sie leider ihren geliebten Bo nicht mehr. Sohn Hans kümmert sich liebevoll um seine Eltern, unterstützt von seiner Tochter Ellinor, liebevoll *Hummelchen* mit Spitznamen genannt. Ein kompetentes Pflegeteam und Bo's langjähriger Freund Ture gehören zu den Menschen, die Bo noch viel bedeuten. Der Kontakt zu Ture ist Bo nur noch telefonisch möglich. Bo und sein Hund Sixten sind eine verschworene Einheit, teilen alles , erleben alles zusammen und sind unzertrennlich. So erfahren wir einiges von diesen beiden *Helden des Alltags* durch den flüssigen, klaren und liebevollen Schreibstil der Autorin. Doch dieser Alltag wird immer beschwerlicher für Bo. Sei es beim Spazieren, Verrichten der täglichen Aufgaben wie dem Füttern des Hundes und seiner persönlichen Selbstfürsorge. Sohn Hans will dem Tier ein artgerechtes Leben ermöglichen, es in einer anderen Familie unterbringen und Bo so entlasten. Damit ist Bo überhaupt nicht einverstanden! Er liebt Sixten über alles und das Tier verkörpert für ihn eine Verbindung zu seiner gesamten gelebten Vergangenheit. Die Autorin zeigt die Problematik des Alterns in diesem Buch aus vielen Sichtweisen auf. Wir steigen tief in die Gedankenwelt des alten Mannes ein, erleben seine Kindheit mit dem strengen Vater, der geliebten Mutter sowie der harten Arbeit in der dörflichen Abgeschiedenheit Schwedens. Seine liebevolles Verhalten gegenüber Frederika und Sohn Hans berühren das Herz und man spürt wieviel Liebe in Bo steckt und wie er sie verschenkt hat an seine kleine Familie. Der langjährige Freund Ture gehört ebenso dazu wie die harten, arbeitsreichen Jahre in einem Sägewerk. Bo träumt sein Leben noch einmal, schläft viel, kehrt in die reale Wirklichkeit zurück und hadert mit dem Verfall seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Seine Angst den geliebten Hund zu verlieren lähmt ihn, er kann sich schwer sprachlich ausdrücken gegenüber Hans und leidet. All das erlesen wir zwischen den Zeilen. Zusätzlich hat die Autorin die nüchtern gehaltenen Zustandsberichte des Pflegeteams zwischen Bo's Empfindungen eingestellt. Das ermöglicht den Leser*innen einen objektiven Eindruck über den geistigen und körperlichen Zustand des alten Mannes zu bekommen. Dieser Roman zeigt die Verletzlichkeit der Würde eines alten Menschen, seine immer noch bestehenden letzen Sehnsüchte und Wünsche, seine Ängste , Bedenken und letztendlich die ANNAHME einer unbekannten Entwicklung bis zum Ende des Lebens, die jedem von uns irgendwann bevorsteht. Es ist eine das Herz berührende Lektüre durch die feinfühlige und lebensnahe Art und Weise der Darstellung durch die Autorin. Vielen lieben Dank für diese Lektüre. Herzlichen Dank an die Autorin und den btb-verlag für die Bereitstellung des gebundenen Rezensionsexemplar. Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese aussergewöhnliche Lektüre.
Kürzlich habe ich den Roman „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ von Lisa Ridzén gelesen. In dem Roman geht es um den 89-Jährigen Bo und die letzten Monate seines Lebens. Seine Frau ist Dement und lebt inzwischen in einem Heim, um seinen über alles geliebten Hund Sixten kann er sich eigentlich nicht mehr richtig kümmern, weshalb sein Sohn diesen zu Bos „eigenem Schutz“ weg geben möchte. Der Roman wird aus Bos Sicht erzählt. Die einzelnen Abschnitte sind immer unterbrochen von Eintragungen des Pflegepersonals in das Pflegetagebuch. Diese besondere Erzählweise verleiht dem Roman eine zusätzliche Tiefe. Mich hat der Roman wirklich sehr berührt. Die Geschichte ist so unglaublich authentisch geschrieben, was mich wirklich sehr beeindruckt hat, wo die Autorin selbst noch sehr jung ist. Bos Gedanken sind so nachvollziehbar geschrieben, dass man sich ihm sofort nahe fühlt. Obwohl die Handlung traurige Themen wie Abschied und Verlust behandeln, wirkt der Roman nie erdrückend. Beim lesen schmunzelt und lacht man über Bos stoische, manchmal eigensinnige Art – im nächsten Moment fühlt man ganz tief mit ihm und verdrückt vielleicht sogar eine paar Tränen dabei. Ein wirklich besonderer Roman und für mich eine ganz klare Leseempfehlung.
Traurig, aber wunderschön
Was für ein überwältigendes Buch!
Das Buch hat mich nachdenklich zurückgelassen. Meine Eltern sind im fortgeschrittenen Alter und als Tochter möchte ich ihnen natürlich behilflich sein und ihnen den Alltag erleichtern. Herzzerreißend fand ich immer wieder die Szenen, in denen Bo in seinen Gedanken versunken ist und auf sein Leben zurückblickt. Wie er an seinem Hund hängt, ein treuer Lebensgefährte, der ihm wohlgesonnen ist und mit dem er keine Diskussionen austragen muss. Die schnelle Müdigkeit von Bo hat mich stark an meinen Vater erinnert. Hier hatte ich bisweilen mit meinen Gefühlen zu kämpfen und es wird transparent, wie schnell das Leben vorüber sein kann. Die Autorin Lisa Ridzén hat mir mit Bo eine neue Perspektive eröffnet, vielen Dank. Das Buch fördert das Verständnis für die älteren Mitmenschen, ihr Denken und Handeln. Für mich nehme ich nach dem ersten Eindruck mit, dass man mehr innehalten und aktiv zuhören sollte. In jedem Fall aber auch die Mitmenschen nicht dominieren und eigenmächtig Änderungen herbeizuführen, die sie nicht wollen, auch wenn es ihnen behilflich wäre. Nimm ihnen nicht das, was ihnen lieb ist und woran ihr Herz hängt! Was für ein großartiges Debut! Ich würde mich sehr über weitere Bücher dieser Autorin freuen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!
Bo ist 89 Jahre alt und lebt allein mit seinem Hund Sixten in einem kleinen Haus im Norden von Schweden. Seine Frau Fredrika ist dement, sie wohnt mittlerweile in einem Pflegeheim, erkennt und Bo und den gemeinsamen Sohn Hans nicht mehr. Bo wird von wechselnden Pflegekräften betreut. Trost spendet ihm die Gesellschaft seines Hundes. Doch er kann sich immer schlechter um den Hund kümmern, deshalb möchte Hans ihn weggeben. Einfühlsame Geschichte über das Alter und die Verbindung zwischen Eltern und Kindern.

Ridzén erzählt ohne Gefühlsduselei, mit großer Genauigkeit und einer wundervollen Beobachtungsgabe in einem Roman der berührt und bewegt.
„Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ ist ein Roman von Lisa Ridzén, erschienen 2024 auf Deutsch. Der Roman, das Debütwerk der Schwedin erzählt vom 89jährigen Bo, der nach der Demenzerkrankung seiner Frau zunehmend mit Einsamkeit und seinem eigenen körperlichem Verfall konfrontiert ist. Auch kognitive Aussetzer zeigen sich bei ihm. Sein Alltag ist geprägt von Erinnerungen an früher, den Telefonaten mit seinem besten Freund sowie der Zeit mit seinem Hund Sixten, dessen Pflege auch immerzu schwieriger wird für einen alternden Mann. Dazu kommen die Streitereien mit seinem Sohn, die aus einer Mischung aus Unverständnis, aus Sorge und Überfordung resultieren. "Wenn die Kraniche nach Süden ziehen" hat mich bewegt, nicht nur als Leser, sondern auch als Altenpfleger und als Mensch, der genau weiß was es bedeutet, wenn Eltern erkranken oder sterben. Ohne ins Konkrete zu gehen: Vieles von dem, was Ridzén beschreibt, ist mir erschreckend vertraut. Doch auch wenn mir beim Lesen mehrfach auch mal die Tränen liefen wäre es dem Buch nicht gerecht es als einen traurigen Roman zu bezeichnen. Es ist ein Buch über die eigene Würde und Selbstbestimmung, über das Ringen darum, eigene Entscheidungen treffen zu dürfen, und zwar auch dann, wenn die Kräfte schwinden. Gleichzeitig zeigt es schonungslos die Hilflosigkeit auf beiden Seiten: das Unverständnis zwischen Erkrankten und Angehörigen, die unterschiedlichen Perspektiven und der Frage nach Fürsorge, dem Bedürfnis nach Sicherheit und der eigenen Freiheit. Ridzén erzählt ohne Gefühlsduselei, mit großer Genauigkeit und einer wundervollen Beobachtungsgabe in einem Roman der berührt und bewegt.
Ein wirklich tolles Buch. Die Geschichte hat mich sehr berührt und wird mich sicher noch ein Weilchen begleiten. ❤️






