»Glücklich machen kannst nur du dich selbst. Akzeptiere dich, wie du bist. Dann such dir einen Partner, der dir dein Leuchten nicht nimmt, sondern es verstärkt.«
Der finale Band der Äther-Chroniken war für mich so ein typischer Fall von: Eigentlich ist alles großartig – nur mein Gedächtnis leider nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand. Zwischen den einzelnen Bänden ist so viel Zeit vergangen, dass ich mich trotz eines sehr ausführlichen „Was bisher geschah“ erst einmal wieder orientieren musste. Und bei einer Geschichte mit komplexem Worldbuilding und vielen Figurenkonstellationen ist das ungefähr so einfach, wie mitten in Staffel fünf einer Serie einzusteigen und so zu tun, als wüsste man noch genau, wer gerade mit wem verbündet ist. Dabei merkt man dem Buch deutlich an, dass die Geschichte durchdacht und komplex aufgebaut ist. Viele Handlungsfäden laufen hier zusammen und die Welt des Äthers wirkt weiterhin vielschichtig. Mein etwas holpriger Wiedereinstieg lag also weniger an der Qualität der Geschichte, sondern eher daran, dass zwischen den Bänden so viel Zeit vergangen ist. Im Zentrum steht diesmal Leyra, die gleich mehrere Katastrophen gleichzeitig jonglieren darf. Zum einen muss sie sich mit dem Verlust ihrer großen Liebe auseinandersetzen. Die ätherische Verbindung zwischen ihr und Alarik ist für ihn tödlich, weshalb sie nur durch eine radikale Lösung getrennt werden kann: Ihre Liebe wird magisch in ihr komplettes Gegenteil verdreht. Aus Liebe wird Hass. Acht Monate später steht Alarik plötzlich wieder vor ihr – ohne Erinnerung an sie, aber mit einem tief sitzenden, unerklärlichen Hass auf eine Frau, die er eigentlich nie getroffen hat. Und als wäre das noch nicht kompliziert genug, ist er nun auch noch als Kommandant ihres Teams ihr direkter Vorgesetzter. Während Leyra also versucht, mit diesem emotionalen Chaos umzugehen, hat sie nebenbei noch ein etwas größeres Problem: ihre größenwahnsinnige Mutter und Erschafferin. Diese verfolgt nämlich das ausgesprochen bescheidene Ziel, die Enklaven im Äther zu vernichten und damit gleich alle Lichtdämonen auszulöschen. Leyra muss also nicht nur ihre verlorene Liebe verarbeiten, sondern auch einen Weg finden, ihre Mutter aufzuhalten und gleichzeitig zu verhindern, dass Lichtdämonen, Schattendämonen und Schattenseelen sich gegenseitig komplett auslöschen. Kurz gesagt: Sie versucht nebenbei auch noch, ein Gleichgewicht zwischen den verfeindeten Parteien herzustellen und die Welt des Äthers vor dem Kollaps zu bewahren. Gerade diese Mischung aus persönlichem Drama und größerem Konflikt hat die Geschichte für mich spannend gemacht. Die Beziehung zwischen Leyra und Alarik wird nicht einfach repariert, sondern muss sich völlig neu entwickeln. Leyra kämpft dabei nicht nur um die Rettung der Ätherwelt, sondern auch darum, den Hass in Alarik langsam wieder in Liebe zu verwandeln. Der Schreibstil bleibt angenehm flüssig und sorgt dafür, dass sich das Buch trotz der komplexen Handlung gut lesen lässt. Am Ende liefert der Band ein sehr zufriedenstellendes Finale, das sowohl die großen Konflikte der Reihe als auch die persönliche Geschichte der Figuren zu einem runden Abschluss bringt. Auch wenn mir durch den Abstand zwischen den Bänden einige Details aus den vorherigen Teilen gefehlt haben, merkt man deutlich, wie viel Arbeit und Komplexität in dieser Geschichte steckt. Für mich bleibt daher ein starkes Finale mit kleinen Abzügen beim persönlichen Leseerlebnis.


















