Zwischen Drachenfeuer und verschenkter Chance
Als ich neulich spätabends zwischen halb gepackten Koffern, Wäschebergen und einem Gehirn im Dauer-Meeting-Marathon ins Bett ging, schlug mir mein Kindle ganz unschuldig den dritten Teil der “Dragonlords”-Reihe vor. Und weil ich die ersten beiden Teile quasi inhaliert habe – und mein Kopf ohnehin schon im To-do-Karussell kreiste – habe ich das Ding schneller heruntergeladen, als man „Selbstkontrolle“ sagen kann. Was ich an der Reihe wirklich liebe: Jede Protagonistin bringt ihre ganz persönlichen Hürden mit und geht einen komplett unterschiedlichen Weg, um am Ende die Herzensdame ihres Lords zu werden. Kein Schema F, kein „Ein Drache passt allen“. Dieses Mal geht es um Solène, frisch ausgebildete Drachenreiterin. Die entscheidet sich bei einer Brautschau der etwas… kreativeren Sorte mitzumachen, denn Lord Cyan ist offenbar Team „Herz ist gut, Kontrolle ist besser“. Und während unsere sie ursprünglich eher wegen der Karriereoption „Meeres- und Eisreiterin“ am Start ist, dämmert es ziemlich flott: Vielleicht geht’s hier doch um mehr als nur den nächste Ausbildungsschritt. Blöd nur, dass Lord Cyans Hof kein Ort für Zartbesaitete ist. Da lauern nicht nur Intrigen und lebensgefährliche Geheimnisse, sondern auch genügend Gelegenheiten, sich emotional zu verbrennen. Everly Sheehan liefert eigentlich zuverlässig Romantik und Unterhaltung – so auch hier. Eigentlich. Denn so sehr ich ihre Geschichten sonst feiere, hat mich diese diesmal nicht komplett abgeholt. Und das, obwohl Lord Cyan definitiv mein Favorit war. Der Plot Twist? Kam überraschend – aber leider auch ein bisschen… hastig. So nach dem Motto: fünf Minuten vor Abgabe noch eine geniale Idee in den Aufsatz quetschen und hoffen, dass es keiner merkt. Spoiler: Man merkt’s. Und dann wären da noch die Eisdrachen. Selten, geheimnisvoll, superwichtig für die Nordstürme – und angeblich ohne passenden Lord oder Lady, die sie lenken könnten. Klingt nach großem Story-Gold. Wird auch fleißig angeteasert. Und verläuft dann… einfach im Nichts. Das ist wirklich schade, weil da so viel Potenzial drinsteckte. Vor allem, wenn man bedenkt, wie stark die ersten beiden Bände waren.

