Ein Familiendrama mit Krimi-Anklängen
Vielen Dank an Digital Publishers für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars! Anita Waller präsentiert einen Roman, der zunächst als spannungsgeladener Thriller angekündigt wird, sich aber bald als eher ruhiges Familiendrama entpuppt. Das Cover und der Klappentext lassen auf eine Geschichte um den mysteriösen Tod eines Ehemanns schließen, doch tatsächlich stehen zwei parallele Handlungsstränge im Mittelpunkt – insbesondere die Suche von Jed nach seinem leiblichen Vater. Der Spannungsbogen baut sich erst spät auf – etwa nach gut 110 Seiten – und fällt danach auch rasch wieder ab. Die Kapitelstruktur wirkt dabei wenig konsequent: Mal wechseln sich die Perspektiven von Clare und Jed ab, mal folgen mehrere Kapitel nur einer Figur, was das Leseerlebnis etwas unstet wirken lässt. Wer einen klassischen Thriller erwartet, wird möglicherweise enttäuscht. Die perfekten Nachbarn ist eher ein leise erzähltes Familiengeheimnis, das stellenweise Krimi-Elemente aufweist, aber nie richtig in dieses Genre eintaucht. Die Auflösung erfolgt recht knapp und ohne spürbare Dramaturgie, was das Gefühl verstärkt, dass hier erzählerisches Potenzial ungenutzt blieb. Insgesamt ein solider, ruhig erzählter Roman mit interessanten Ansätzen, der jedoch in Sachen Spannung und Struktur nicht ganz überzeugen kann.
