
Eine ungewöhnliche Dystopie mit starken Ideen, ein paar Längen und einem Ende, das mich sprachlos macht!
Die Grundidee hat mich sofort abgeholt. Eine Welt, in der Sexualität kaum noch existiert, Menschen künstlich befruchtet werden und klassische Familienmodelle immer mehr verschwinden. Das klingt schon verrückt. Aber je weiter die Geschichte voranschreitet, desto extremer wird diese Welt. Was mir besonders gefallen hat, war, dass wir nicht einfach eine dystopische Gesellschaft erleben. Während der Geschichte verändert sich diese Welt immer weiter und die Menschen wachsen ganz selbstverständlich mit diesen Veränderungen auf. Dinge, die zunächst völlig absurd wirken, werden irgendwann als normal angesehen. Dadurch habe ich mich beim Lesen immer wieder gefragt, was normal ist und wer entscheidet, was als normal gilt. Der Schreibstil passt perfekt zur Geschichte. Er ist sehr nüchtern, klar und fast schon sachlich. Dadurch liest sich das Buch schnell weg, bleibt aber oft auf Distanz. Gerade die Sexszenen wirken unglaublich mechanisch und emotionslos. Für mich war das allerdings kein Kritikpunkt, sondern eine bewusste Entscheidung der Autorin. Die Figuren wachsen schließlich in einer Welt auf, in der Sexualität kaum noch eine Rolle spielt. Auch die vielen gesellschaftlichen Themen mochte ich sehr. Zwischen den Zeilen steckt viel Kritik an Rollenbildern, Erwartungen an Frauen, Mutterschaft, Familie und Fortpflanzung. Das war stellenweise überspitzt, manchmal absurd und genau deshalb oft besonders interessant. Im Mittelteil hatte das Buch für mich ein paar Längen. Trotzdem wollte ich immer wissen, wie es weitergeht. Die Geschichte entwickelt sich ständig weiter und ich war neugierig, wie weit die Autorin ihre Idee noch treiben würde. Und dann kam dieses Ende. Ich habe selten ein Buch gelesen, das auf den letzten Seiten noch einmal so komplett eskaliert. Ich saß da wirklich und dachte nur: Was lese ich hier eigentlich gerade? Skurril. Verstörend. Verrückt. Und vor allem völlig unerwartet. Tatsächlich habe ich danach ernsthaft überlegt, ob ich einen halben Stern mehr oder weniger geben soll. Nicht weil das Ende schlecht war. Nicht weil es besonders gut war. Sondern weil es einfach so krank und so absurd war, dass ich überhaupt nicht wusste, wie ich darauf reagieren soll. Ich habe beschlossen, das Ende nicht in meine Bewertung einfließen zu lassen und bei meinem ursprünglichen Gefühl zu bleiben. Für mich ist Eden eine richtig spannende Dystopie. Seltsam, skurril, teilweise komplett drüber und voller Gedanken, die noch lange im Kopf bleiben. Nicht alles hat für mich perfekt funktioniert. Aber vergessen werde ich dieses Buch ganz sicher nicht. UPDATE vom 08.06.2026: Nach einer Nacht darüber schlafen hat sich mein Eindruck vom Ende leider nicht verbessert. Im Gegenteil – je länger ich darüber nachdenke, desto mehr stört mich die Art, wie die Botschaft vermittelt wurde. Deshalb ziehe ich bei meiner Bewertung einen Stern ab. Weitere Bücher des Autors werde ich voraussichtlich nicht mehr lesen.




























