Yu Ling, das Kindermädchen einer reichen Familie, macht mit dem siebenjährigen Kuan Kuan einen Ausflug. Eigentlich will sie ihn gemeinsam mit ihrem Liebhaber entführen, um Lösegeld zu erpressen. Doch kaum sind sie unterwegs, erfährt sie, dass der Vater und der Großvater des Jungen wegen Korruption verhaftet wurden. Die Mutter taucht unter, und plötzlich steht Yu Ling da: ohne Job, aber mit der Verantwortung für das Kind. Die im Klappentext erwähnte Entführung spielt eine viel kleinere Rolle, als ich erwartet hatte. Vom Plan bis zur Aufgabe ging alles ziemlich schnell. Insgesamt hatte das Buch für mich ein Problem mit dem Pacing. Manche Szenen, vor allem zu Beginn, entwickeln sich sehr rasch, während sich andere Passagen spürbar in die Länge ziehen. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Unterschiede zwischen Arm und Reich, Mutterschaft und die Rolle der Frau in China. Frauen aus ganz unterschiedlichen Schichten treffen hier aufeinander, und am Ende merkt man, dass sie alle auf ihre Weise gefangen sind. Selbst diejenigen, die gesellschaftlich oben stehen, müssen etwas aufgeben. Denn auch wenn sie anerkannt sind, bleiben sie oft nur „die Frau von …“. Am sympathischsten von allen Figuren war mir tatsächlich das Kind. Ja, es ist verwöhnt und daran gewöhnt, seinen Willen zu bekommen. Trotzdem hat Kuan Kuan eine kindliche Unbefangenheit und Neugier, und er verteilt seine Zuneigung bereitwillig - egal ob an Tiere oder Menschen. Yu Ling fand ich interessant, aber ich bin ihr nicht wirklich nahegekommen. Insgesamt war das Buch okay, aber ich hatte mir mehr erwartet. Die Geschichte blieb mir zu distanziert, und die Gesellschaftskritik, die darin eindeutig steckt, hat mich leider nicht ganz erreicht. *unbezahlte Werbung- Rezensionsexemplar
22. Okt.Oct 22, 2025
Schwanentage: Roman | Preisgekrönte chinesische Literatur | Einzigartiger, authentischer Einblick in die Machtpolitik und den Klassismus in China | Erinnert an den Oscar-Gewinner »Parasite«by Zhang YueranEcco Verlag

