Ein Buch, das mich gleichermaßen zum Augenrollen, Schmunzeln und überraschend ehrlichen Mitfühlen gebracht hat.
In diesem Teil dreht sich alles um Travis, den wir ja bereits als den moralisch flexibel ausgestatteten Cousin von Archer kennen 😅, und ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ausgerechnet er mich irgendwann so weit kriegt, dass ich innerlich zustimmend nicke statt genervt seufze. Seine Entwicklung ist nämlich nicht nur sichtbar, sondern fast schon demonstrativ inszeniert. Besonders die Aktion am Ende hat mich dann tatsächlich beeindruckt, so ein Moment, bei dem man kurz innehält und sich denkt: okay, das war jetzt unerwartet stark. Und ja, ich hätte es selbst nicht geglaubt, aber ich sehe ihn inzwischen deutlich weniger als Arschloch 🤣, was vor allem daran liegt, dass seine Vergangenheit ausführlich beleuchtet wird und wir endlich Zugang zu seinen Gedanken, Gefühlen und inneren Konflikten bekommen, die ihn deutlich greifbarer machen. Und dann ist da Haven, die auf den ersten Blick ein wenig verrückt wirkt, allerdings auf diese charmante, leicht chaotische Art, die sie sofort sympathisch macht. Hinter dieser Fassade steckt natürlich auch bei ihr mehr, denn ihre Vergangenheit ist alles andere als einfach, was ihre Handlungen nachvollziehbar und ihre Dynamik mit Travis umso interessanter macht. Die beiden ergänzen sich auf eine Weise, die nicht immer reibungslos ist, aber genau dadurch lebendig bleibt. Besonders gefallen haben mir auch die Found-Family-Elemente, in die Travis eher unfreiwillig hineinstolpert, was für einige der unterhaltsameren und gleichzeitig wärmeren Momente sorgt. Dieses Zusammenspiel aus Widerwillen und wachsender Zugehörigkeit hat etwas sehr Ehrliches und bringt eine angenehme emotionale Ebene in die Geschichte. Und trotzdem fehlt der Geschichte erneut dieses schwer greifbare gewisse Etwas. Die Protagonisten verbringen gefühlt einen beträchtlichen Teil der Handlung damit, sich innerhalb ihrer eigenen Monologe im Kreis zu drehen, was stellenweise Längen erzeugt, die man nicht ignorieren kann. Es ist alles sehr cozy gehalten, fast schon demonstrativ ruhig, ohne eine nennenswerte Bedrohung von außen, wodurch die Spannung eher auf Sparflamme köchelt. Der Fokus liegt klar auf der inneren Entwicklung, auf Selbstfindung und dem Erkennen eigener Gefühle, was zwar schön und stellenweise auch berührend ist, aber eben nicht immer mitreißend. Teil 3 wird sich dann um Gage drehen, den wir ja ebenfalls bereits kennengelernt haben und der bislang einen ausgesprochen sympathischen Eindruck hinterlassen hat 😍 – und ganz ehrlich, nach diesem Band bin ich jetzt doch neugierig genug, um zu sehen, ob er das gewisse Etwas mitbringt, das mir hier noch gefehlt hat.




