28. März
Rating:3

Annegret Liepolds „Unter Grund“ ist ein beeindruckendes Debüt, das sich mit den Themen Radikalisierung, Erinnerungskultur und den sozialen Dynamiken in der fränkischen Provinz auseinandersetzt. Der Roman erzählt die Geschichte von Franka, die als Jugendliche in die rechte Szene abdriftet und später versucht, ihre Vergangenheit zu bewältigen. Die Stärke des Romans liegt in seiner Authentizität und der präzisen Darstellung der ländlichen Lebensrealität. Liepold gelingt es, die Atmosphäre der fränkischen Provinz und die unterschwelligen Vorurteile und Ängste der Dorfbewohner eindringlich zu schildern. Besonders hervorzuheben ist die komplexe Charakterzeichnung von Franka, die zwischen Zugehörigkeit und moralischer Verantwortung hin- und hergerissen ist. Ihre Entwicklung wird glaubhaft und vielschichtig dargestellt. Liepold beleuchtet die Mechanismen, die junge Menschen in extremistische Ideologien ziehen, und zeigt die Auswirkungen von familiären und sozialen Strukturen auf diese Entwicklung. Gleichzeitig wird die Verdrängung und das Schweigen der Gesellschaft gegenüber der Vergangenheit thematisiert, was den Roman zu einem wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur macht. „Unter Grund“ überzeugt durch seine Brisanz und die Fähigkeit, schwierige Themen mit literarischer Finesse zu behandeln. Insgesamt ist „Unter Grund“ ein starkes und relevantes Werk, das sowohl literarisch als auch gesellschaftlich beeindruckt. Es ist eine klare Empfehlung für Leserinnen und Leser, die sich mit den Herausforderungen und Schattenseiten der deutschen Geschichte und Gegenwart auseinandersetzen möchten.

Unter Grund: Roman
Unter Grund: Romanby Annegret LiepoldKarl Blessing Verlag