
GROSSES POTENZIAL TRIFFT AUF LANGEN LEERLAUF! Mit seinem Psychothriller Du hast mich zuerst getötet liefert John Marrs leider nicht den erhofften Volltreffer ab. Dabei klingt der Start auf dem Papier nach echter Hochspannung. Eine Frau erwacht aus ihrer Bewusstlosigkeit und stellt fest, dass sie gefesselt und geknebelt und von Flammen umgeben ist. Doch die Story lässt dieses Feuer erstmal links liegen und reist elf Monate in die Vergangenheit zurück, um das Drama ganz langsam aufzurollen. Elf Monate vorher landet man also in einer schicken Wohnsiedlung und dort darf man drei Nachbarinnen names Margot, Anna und Liv kennenlernen. In der Realität guckt man hier mehr als dreihundert Seiten lang dabei zu, wie sie sich benehmen wie im schlimmsten Teenie-Schnittchen-Club. Es wird spioniert, gelästert und manipuliert, was das Zeug hält. Man fragt sich ernsthaft, ob in dieser Siedlung eigentlich jemand Hobbys oder einen Job hat. Marrs kann einfach schreiben. Die Kapitel sind kurz und die Seiten fliegen nur so dahin. Man liest das ganze nicht wegen der hohen Literatur, sondern aus reiner Neugier und Schadenfreude. Man will einfach wissen was diese Giftspritzen als nächstes tun. Im letzten Drittel zieht er das Tempo massiv an und wirft mit so vielen Wendungen um sich, dass einem dabei fast schwindlig wird. Wer wilde Überraschungen mag, wird am Ende zumindest gut Unterhalten. In der Mitte tritt das Buch extrem lange auf der Stelle. Es ist ein ein ewiges Hin und Her aus Missgunst, das sich zieht wie Kaugummi auf heißem Asphalt. Das größte Problem sind aber die Charaktere. Der Autor hat das Kunststück vollbracht, drei Hauptfiguren zu erschaffen, die durch die Bank weg komplett unsympathisch sind. Alle drei handeln so toxisch, egoistisch und link, dass man sich insgemein wünscht, das Feuer vom Cover würde die ganze Siedlung verschlucken. Ab der Hälfte werfen zudem die Damen ihren gesunden Menschenverstand komplett über den Gartenzaun. Der Plot wird hier spürbar zurecht gebogen, damit am Ende der Schockeffekt sitzt. Ein starker Einstieg, viele Wendungen und jede Menge toxisches Chaos. Zwischendurch tritt die Geschichte für meinen Geschmack aber deutlich zu lange auf der Stelle. Trotz aller Kritik liest sich das Buch dank des Schreibstil von John Marrs erstaunlich schnell weg.


























































