
»Das Unmögliche zu wollen ist heroisch, aber tragisch. Das Mögliche anzustreben ist weise«,
Auf dieses Buch bin ich eher zufällig gestoßen, aber Klappentext und Konzept haben mich direkt überzeugt – auch wenn das Ganze auf den ersten Blick ein wenig abstrus wirkt. Zeitreisen, Vatikan, Templer und dann noch Romance? Klingt nach Chaos. Ist es auch. Aber auf eine ziemlich unterhaltsame Art. Schon das erste Kapitel holt einen direkt ab, vor allem durch Mitch, die mit ihrer leicht sarkastischen Art sofort Sympathiepunkte sammelt. Während ich in ihrer Situation vermutlich komplett überfordert gewesen wäre, stürmt sie einfach einem mittelalterlichen Muskelberg hinterher und faltet ihn verbal zusammen wie ein Origami. Und genau diese Energie zieht sich durch das gesamte Buch. Die Dynamik zwischen Mitch und Clermont ist dabei ein großes Highlight. Zu Beginn können sich die beiden nicht ausstehen, was für einige sehr unterhaltsame Momente sorgt. Gleichzeitig merkt man schnell, dass da mehr ist – auch wenn Mitch sich das anfangs nicht unbedingt eingestehen will. Clermont hingegen bringt mit seiner stoischen, altmodischen Art eine ganz eigene Note in die Beziehung. Und dann gibt es da noch dieses Keuschheitsgelübde. Ich verstehe ja den historischen Hintergrund. Wirklich. Aber irgendwann war ich an dem Punkt, an dem ich Clermont jedes Mal, wenn er es erwähnt hat, am liebsten persönlich geschüttelt hätte. Einerseits Respekt für seine Prinzipientreue – andererseits: Junge, entspann dich. Selbst seine modernen Templer-Brüder hatten irgendwann genug und haben die beiden kurzerhand eingesperrt, damit sie endlich miteinander reden. Und ganz ehrlich? Eine der besten Szenen im Buch. Die Story spielt größtenteils in der Gegenwart, während die Zeitreisen eher als eine Art Gimmick fungieren. Es gibt Erklärungen, warum und wie das Ganze funktioniert, inklusive physikalischer Ansätze – aber sagen wir es so: Ich habe sie zur Kenntnis genommen und beschlossen, dass mein Gehirn heute frei hat. Funktioniert trotzdem. Neben der Romance gibt es auch genug Spannung, sodass die Geschichte eine gute Balance zwischen Humor, Handlung und Emotionen findet. Der Schreibstil ist dabei locker, witzig und sorgt immer wieder für Momente, in denen man tatsächlich laut lachen muss. Besonders angenehm ist, dass trotz des Settings rund um Kirche und Vatikan nichts verstaubt oder antiquiert wirkt. Clermont mag aus dem Mittelalter stammen, ist aber in manchen Punkten erstaunlich weltoffener als so mancher moderne Mann. Emotional war ich definitiv drin – wenn auch teilweise eher aus Frust über besagtes Gelübde. Aber genau das zeigt auch, wie sehr einen die Geschichte mitnimmt. Ein kleiner Kritikpunkt waren für mich die teilweise sehr langen Kapitel. Das ist einfach nicht mein Ding und hat meinen Lesefluss an manchen Stellen ein wenig gebremst. Das Ende ist insgesamt sehr zufriedenstellend, lässt aber noch genug Fragen offen, um neugierig auf den nächsten Band zu machen. Am Ende bleibt eine unterhaltsame, humorvolle und stellenweise herrlich frustrierende Geschichte, die vor allem durch ihre Charaktere und deren Dynamik überzeugt.






