70 Mini Rants mit Wiedererkennungswert
📚 Rezension: »Ich als Feminist ...«: 70 Dinge, die wir bei Männern nicht mehr ertragen 👥Lensi Schmidt 📖 Rezensionsexemplar über NetGalley In »Ich als Feminist ...« nimmt Lensi Schmidt 70 Aussagen von Männern auseinander, mit viel Witz, Sarkasmus und und einem starken Alltagsbezug. Ich habe oft genickt, geschmunzelt oder laut gelacht. Wirklich jede Frau wird hier Beispiele finden, die ihr nur allzu bekannt vorkommen. Der Schreibstil ist locker und unterhaltsam, als würde man bei einem Glas Wein mit einer Freundin über die absurdesten Männergeschichten plaudern. Was mir gut gefallen hat: Viele Szenarien kennt man (leider) nur zu gut, und es tut gut, sich darin wiederzufinden, gerade wenn man merkt, dass man mit diesen Erfahrungen nicht allein ist. Das Buch schafft ein Gemeinschaftsgefühl und trifft mit seiner Ironie oft einen Nerv. Was mir gefehlt hat: Tiefergehende Einordnung: Die Kapitel sind sehr kurz, meist eher pointenhaft als analytisch. Oft bleibt es beim Aufregenohne eine wirklich konstruktive Perspektive oder neue Denkansätze. So verständlich die Wut auch ist, ich hätte mir mehr Reflexion gewünscht. Umgang mit ADHS: Besonders der Abschnitt zu ADHS hat mich gestört. Hier fehlte die nötige Differenzierung, und leider rutscht der Text an einigen Stellen in ableistische Denkmuster ab. Feminismus braucht auch Intersektionalität, nicht nur Pointen. Ausgrenzung von Männern: In vielen Passagen hatte ich das Gefühl, dass Männer eher ausgeschlossen als einbezogen werden. Teilweise wird sogar explizit gesagt, dass Männer den Feminismus den Frauen überlassen sollten. Für mich bedeutet Feminismus aber auch, Männer mitzunehmen, als echte Allies, gerade dann, wenn sie bereit sind zuzuhören und sich weiterzuentwickeln. Eindimensionale Lösungsvorschläge: Häufig wird als „Lösung“ einfach nur geraten, sich zu trennen. So nachvollziehbar das manchmal sein mag, es ist nicht immer zielführend oder realistisch. Komplexe Beziehungskonflikte brauchen oft mehr als nur ein Schwarz-Weiß-Denken. Hier hätte ich mir differenziertere Handlungsmöglichkeiten oder zumindest ein paar alternative Impulse gewünscht. Fazit: Unterhaltsam, stellenweise sehr treffend, aber kein feministischer Gamechanger. Ein Buch, das vor allem zum Dampf ablassen und sich verstanden fühlen einlädt. Und vielleicht ist genau das für viele Leser*innen gerade das Richtige.




