27. Juni
Rating:3

"An dem Tag, an dem wir sterben, wird eine sanfte Brise unsere Spuren im Sand verwischen. Wenn sich der Wind legt, wer erzählt der Ewigkeit dann, dass wir hier einmal hergelaufen sind, zum Anbeginn der Zeit?" Irgendwo in Afrika wird immer noch getötet, es wird versucht die Big Five vollzubekommen, haben reiche weiße Männer die Möglichkeit ihr Vergnügen zu stillen. Irgendwo in Afrika werden Trophäen gesammelt, egal ob vom Tier oder vom Menschen. Klingt grausam, aber das ist der Grundtenor des Buches. Hunter White - der Name ist Programm. Er männlich, weiß und wohlhabend, will eine Trophäe. In seiner Sammlung fehlt noch ein Nashorn und mehr. Es kommt irgendwie anders als geplant. Ich weiß nicht, ich bin mir unsicher, ich bin nen bissl traurig und ich bin müde. Ich habe mich so sehr auf dieses Buch gefreut, der Hype war und ist ja riesig - ich wollte es auch lieben. Leider trat genau das Gegenteil ein. Ich habe den Kontext verstanden, aber das wieso nicht, ich kam nicht rein, absolut nicht. Es zog sich für mich in die Länge, es wollte nicht enden. Schade... Es ist nen gutes Buch, aber leider nicht für mich.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
22. Juni
Rating:4

Spannend, Ekelerregend, Macht Lust auf Literatur afrikanischer Autor*innen

Zu leicht entkommt Hunter für mich am Ende seiner Ideologie der weißen Überlegenheit und dem Glauben daran, dass die Welt sein Spielplatz ist. Das letzte Drittel war für mich etwas zu sehr im Fantasie-Palast des Protagonisten unterwegs. Die ersten beiden Drittel liefern eine spannende und abstoßende Einführung mit spannender Wendung. Enthält spannende moralische Fragen, die am Ende aber immer wieder auf die gefühlte moralische Überlegenheit der Weißen anspielt, die meinen, genau zu wissen wie der Hase hoppelt… Wissen sie aber nicht. Nicht in Afrika…

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
21. Juni
Sicher kein Wohlfühl-Buch - dennoch ein wichtiges Buch!
Rating:5

Sicher kein Wohlfühl-Buch - dennoch ein wichtiges Buch!

Trophäe - ebenfalls über Reado entdeckt- ist für mich eine ungewöhnliche Lektüre gewesen – sowohl thematisch als auch in ihrer Perspektive. Ein Lesevergnügen im klassischen Sinn ist dieser Roman sicher nicht. Kein Wohlfühlbuch, keines, das man entspannt konsumiert. Und doch entwickelt die Geschichte von Beginn an einen enormen Lesesog, fast schon thrillerartig. Ab Seite 90 konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Die Hauptfigur Hunter White – ein Name, der nicht zufällig gewählt sein dürfte – ist mir mehr als unsympathisch. Gleichzeitig gelingt es Schoeters bemerkenswert gut, seine Denkweise nachvollziehbar zu machen. Man versteht, wie er sich seine Weltsicht zurechtlegt, wie er seine Entscheidungen rechtfertigt und welche Mechanismen dahinterstehen. Gerade das macht die Lektüre so verstörend und faszinierend zugleich. Stilistisch hat mich der Roman ebenfalls überzeugt. Die Sprache ist präzise und eindringlich, zum Ende hin zunehmend assoziativ und vielschichtig. Lange nach dem Zuschlagen arbeitet das Gelesene weiter. Besonders beeindruckt hat mich, wie viele philosophische und gesellschaftliche Fragen das Buch aufwirft, ohne einfache Antworten zu liefern: Wie viel Kolonialismus steckt noch immer in uns, die wir uns für aufgeklärt und tolerant halten? Was ist ein Menschenleben wert? Wie sind Menschenschutz sowie Tier- und Naturschutz gegeneinander abzuwägen? Ist Ethik womöglich auch eine Frage der wirtschaftlichen Möglichkeiten? Und wie überheblich und besserwisserisch blickt die westliche Welt eigentlich noch immer auf andere Teile der Welt? Nicht zuletzt habe ich auch einiges gelernt, manches nachrecheriert. Die Geschichte ist als fiktive Allegorie angelegt, sehr vieles ist aber unglaubliche (und wie sich für mich überraschend herausstellte) Realität: Etwa, dass es mit dem richtigen Kleingeld und Kontakten durchaus möglich ist, eigentlich geschützte Wildtiere zu jagen - und dass diese Umstand nicht nur negative Aspekte hat. Trophäe ist kein angenehmes Buch, aber ein wichtiges. Eines, das irritiert, herausfordert und zum Nachdenken zwingt. Es stellt unser Gut/Böse-Denken auf die Probe und verändert Perspektiven. Ich bin froh, es gelesen zu haben, und würde es allen empfehlen, die bereit sind, sich auf unbequeme Fragen einzulassen.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
20. Juni
außergewöhnlich und spannend
Rating:5

außergewöhnlich und spannend

Ein wirklich außergewöhnlicher und teils heftiger Roman. Der raue und trotzdem detaillreiche Schreibstil passt meiner Meinung nach perfekt zu dem ebenso rauen und ungewöhnlichen Thema. Besonders beeindruckend waren die Einblicke in Wertvorstellungen zweier konträrer Kulturen und die Nähe, die Schoeters in dieser Erzählung zu dem beinahe unsympathischen Protagonisten transportiert. „An dem Tag, an dem wir sterben, wird eine sanfte Brise unsere Spuren im Sand verwischen. Wenn sich der Wind legt, wer erzählt der Ewigkeit dann, dass wir hier einmal hergelaufen sind, zum Anbeginn der Zeit?“

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
19. Juni
Rating:3

Schockwelle ausbleibend

Ich würde mich nicht als allwissend oder Themenintegriert bezeichnen, jedoch bin ich von den zweifelhaften moralischen Gedanken hier im Buch nicht so begeistert. Und am Ende holt ihn Karma, bzw der Götterwillen... Nur allzu passend. Hoffentlich verstehen nun ein paar mehr Menschen wie proveligiert sie sind und der Spruch: "andere Länder, andere Sitten" hat hier bestimmt so manchem die Augen geöffnet

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
11. Juni
Rating:4.5

Der weiße Jäger

Eine Jagd, die zunächst undenkbar scheint, wird erstaunlich schnell Realität. Eine packende Geschichte über Moral und Verlangen, Authentizität und Macht. Gelungen erzählt mit stellenweise etwas weiten Ausschweifungen. Absolute Empfehlung, schon allein weil das Thema kein alltägliches ist.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
29. Mai
Rating:5

"Weiße Männer machen im Busch dumme Sachen"

Wäre es doch nur so einfach, das Buch auf diese einfache Formel zu bringen: Trophäenjagd ist zu verurteilen, ich kann das gut machen, denn das Thema betrifft nur die Reichen und Schönen und eben nicht mich... As if. Natürlich verkörpert Hunter White auf den ersten Blick genau diesen schmierigen und scheinheiligen Typen, der sich aus jeglicher moralischen Verantwortung herausnimmt. Fast plausibel macht er deutlich, Trophäenjagd diene dem Naturschutz, sein Geld dem Aufbau Afrikas, die Jagd sei eine wertebasierte Familientradition, er selbst habe an den Trophäen eigentlich gar kein Interesse und sein neokolonialer Blick sei objektiv tragfähig. Verglichen mit seinem zivilen Beruf macht ihn die Jagd sogar sympathischer. Schließlich handelt er bei der Jagd nicht gegen Menschen, sondern nur gegen Tiere und stattdessen für Menschen. Und kaufen wir ihm diese Argumente nicht auch ab, da er schließlich auch chinesischen Konzernen in die Parade fährt, indem er Land aufkauft, das sie für ihre Bergwerke benötigen - wo wir doch wissen, wie böse chinesische Industrie ist? Vertritt Hunter White nicht doch auch bessere Ansätze als sein plumper Name uns zunächst denken macht? Im Endeffekt ist diese Frage vollständig irrelevant, weil es ab irgendeinem Punkt überhaupt nicht mehr um ihn geht, sondern um uns. Es geht auch nicht mehr um die Trophäenjagd, sondern viel eher um eine Mischung aus Dekolonisierungslücken, westlicher Doppelmoral, Machtmissbrauch, kapitalistischer Ausbeutung, blindem Egoismus sowie der männlichen Überschätzung der eigenen Rolle, der eigenen Erwartungen und des eigenen Könnens. Genau genommen geht es nicht einmal um kategoriales schwarz-weiß-Denken. Im Sinne Afrika-Westen natürlich schon. Aber Kategorien von gut und böse lassen sich schlichtweg nicht eindeutig bestimmen; zumindest nicht mehr in unserer westlich geprägten, sicherlich scheinheiligen -und meiner männlichen- Perspektive. Damit wir uns nicht weiter mit diesen unbequemen Themen auseinandersetzen müssen, sehen wir uns bewogen, diese verwirrenden moralischen Ambivalenzen erst einmal neben- und ineinander stehen zu lassen und zunächst mit Hunter weiterzugehen. Dieses Weitergehen wird uns erzählerisch leichtgemacht: Denn das Tempo bleibt über das gesamte Buch hinweg unglaublich hoch; das Geschehen ist dermaßen verdichtet, dass es uns von Seite zu Seite treibt, ohne uns eine Pause zu gönnen. Wir hetzen durch die Seiten, auch wenn es oft schmerzt und danach schreit, dass wir uns zurückzunehmen und das Gelesene reflektieren, bevor es weitergeht. Doch diese Zeit nehmen wir uns nicht, wir reden uns ein, diese Pause eben nicht zu brauchen und verdrängen jegliche Vernunft nach ganz hinten rechts im Schädel. Erst am Ende, wenn der Schuss gesetzt ist und es äußerlich still wird, wird es innerlich laut. Die verdrängte Vernunft mit all den verdrängten moralischen Ambivalenzen kommt von ganz hinten rechts hervor, baut sich auf und überschwemmt uns schließlich mit Wut, Fassungslosigkeit, Ekel und Scham über die Banalität des Bösen. So lösen sich all diese diffusen Gefühle am Ende doch auf - wenn auch nicht in Wohlgefallen, so doch in Unverständnis in seiner ursprünglichsten Form; nicht in Stille, sondern in Gebrüll.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
22. Mai
Rating:3

Sprachlich stark, emotional weniger schockierend als erwartet

"Trophäe" wurde im Vorfeld fast schon als große literarische Sensation gehandelt und genau deshalb bin ich wahrscheinlich mit relativ hohen Erwartungen an das Buch herangegangen. Gleichzeitig muss ich sagen, dass mich das Thema Großwildjagd und Jäger generell eigentlich nie besonders interessiert hat. Entsprechend war ich anfangs eher skeptisch, ob mich die Geschichte überhaupt packen kann. Der Einstieg hat mir dann aber tatsächlich überraschend gut gefallen. Die Atmosphäre ist intensiv, die Sprache sehr speziell und teilweise fast schon unangenehm intensiv. Man merkt schnell, dass das Buch literarisch geschrieben ist und bewusst mit Bildern und Symbolik arbeitet. Die eigentliche „Schockidee“ des Romans hat bei mir allerdings nicht den Effekt ausgelöst, den sie vermutlich auslösen sollte. Wahrscheinlich bin ich inzwischen einfach extrem abgestumpft gegenüber düsteren oder extremen Geschichten, weshalb ich den zentralen Gedanken eher bedrückend realistisch als schockierend innovativ fand. Ich dachte mir beim Lesen oft eher: "Joah, das traue ich Menschen zu..." Das Buch ist zwar sehr kurz, fühlt sich durch die dichte Sprache und die langen Passagen aber teilweise deutlich schwerer an als man es bei der Seitenzahl erwarten würde. Vor allem im Mittelteil hat es sich für mich etwas gezogen. Dafür wurde das Ende nochmal deutlich stärker und bildhafter. Ich hatte mit dem Ende selbst überhaupt kein Problem. Im Gegenteil, ich finde sogar, dass es wahrscheinlich genau die richtige Konsequenz für die Geschichte war.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
22. Mai
Rating:4

Dieses Buch musste ich erstmal verdauen. Hunter White ist als Trophäenjäger in Afrika unterwegs und nach einer missglückten Jagd und dem Auftauchen von Wilderern, die ihm "sein" Nashorn vor der Nase wegschnappen, wird aus dem Ziel der "Big Five" plötzlich "Big Six". Und das war anders wild. Diese krasse Entwicklung, die Gedanken zur und Rechtfertigungen für die Jagd haben mich gleichzeitig fasziniert und abgestoßen. Gaea Schoeters ist eine Meisterin der Metaphern, wobei die nicht subtil sind, sondern richtig offensichtlich und mitten in die Fresse. "Trophäe" ist verrückt, krass, eindringlich und richtig gut!

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
20. Mai
Ein unbequemer, intensiver und kraftvoller Roman, der einen immer tiefer in menschliche Abgründe zieht. Lesenswert!
Rating:4.5

Ein unbequemer, intensiver und kraftvoller Roman, der einen immer tiefer in menschliche Abgründe zieht. Lesenswert!

In Gaea Schoeters’ Trophäe reist der reiche Amerikaner Hunter White nach Afrika. Er ist Großwildjäger und hat ein klares Ziel: Ihm fehlt noch das Nashorn, um seine Sammlung der „Big Five“ vollständig zu machen. Doch natürlich bleibt es nicht bei einer einfachen Jagdgeschichte. Schnell merkt man, dass der Roman in eine viel dunklere Richtung geht. Mehr sollte man über den Inhalt vorher eigentlich gar nicht wissen, weil gerade diese Zuspitzung einen großen Teil der Spannung ausmacht. Man blickt in diesem Roman tief hinein in die Finsternis: in ein grausames Spiel um Leben und Tod, vor dem Hintergrund einer wunderschönen, fast überwältigenden afrikanischen Natur. Genau dieser Gegensatz hat mich besonders gepackt. Da ist auf der einen Seite diese Landschaft, diese Weite, diese Schönheit und auf der anderen Seite das Dunkle und Brutale, zu dem Menschen fähig sind. Mich hat das Buch immer stärker hineingezogen. Am Anfang muss man sich vielleicht noch ein wenig einlesen, aber dann nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. Was zunächst wie eine Jagdgeschichte wirkt, wird nach und nach viel abgründiger. Es geht um Macht, Besitzdenken, koloniale Denkmuster und um die Frage, welchen Wert ein Leben hat. Die Sprache wird dabei immer rasanter, eindringlicher, fast atemlos. Man spürt beim Lesen, wie sich alles zuspitzt, und irgendwann ist man einfach gefangen in dieser Geschichte. Ich habe auch Kritiken gelesen, in denen gefragt wurde, wie man so etwas schreiben kann – ausgerechnet aus dieser Perspektive, mit dieser Härte, und dann auch noch ohne Nachwort. Aber ehrlich gesagt: Wer das Buch bis zum Ende liest, merkt, dass hier kein Nachwort nötig ist. Die Geschichte erklärt sich nicht bequem von außen, sondern wirkt aus sich selbst heraus. Gerade das fand ich stark. Für mich war es wohltuend, dass der Roman nicht sofort autofiktional abgesichert oder nachträglich erklärt wird. Trophäe steht für sich. Das Buch ist unbequem, ja, aber auch packend, intensiv und sprachlich sehr kraftvoll. Kein leichter Roman, aber einer, der einen mitreißt und nach dem Lesen noch lange beschäftigt.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
20. Mai
Rating:4

Hunter ist in Afrika, um die Big Five zu erlegen. Sprich, er geht auf Trophäenjagd. Doch aus der Big Five, wird die Big Six und DAS hat mich wirklich verstört. DAS war for real krank. Es hat mich sprachlos gemacht, aber ich war genauso fasziniert. Sprachlich war dieses Buch wahnsinnig gut geschrieben und ich fand es sehr lesenswert.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
19. Mai
Rating:4

Verstörend, aber auf irgendeine Art und Weise lesenswert

Es fällt mir schwer "Trophäe" von Gaea Schoeters zu bewerten. Ich bin erschüttert...die schonungslose und grauenvolle Thematisierung der Jagd eines arroganten Reichen nach den big five/big six in Afrika auf der einen Seite, große Begeisterung aufgrund der bildgewaltigen Sprache bei der Beschreibung der Naturszenen auf der anderen Seite. Das Buch ist definitiv nicht für Jedermann etwas. Harte Kost!

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
15. Mai

Abgebrochen. Ein wahnsinnig unangenehmes Buch. 82%.

War super gespannt, das Buch und auch Beschreibungen hatten mich thematisch eigentlich ziemlich abgeholt - hab mich 82% durch das Hörbuch gehievt, um es dann doch noch abzubrechen. Es ist wahnsinnig monoton. Ja, es ist sphärisch, ja, es ist beklemmend, ja, das macht thematisch total Sinn - und ja, man ekelt sich als Leser:in zurecht für Hunter White und seinen Jagd-Kumpan - aber dass es dann doch ein komplettes Buch aus Sicht dieses unsäglich unsympathischen weißen Trophäenjäger ist, mir hat's irgendwann gereicht. Fürs weiter-durchziehen war mir dann zu wenig Bogen, zu wenig Dynamik, zu wenig Entlarven, zu wenig Bloßstellen vielleicht auch. Seine Gedanken, seine Monologe, die Dialoge zwischen ihm und seinem Kumpan, seine Arroganz - alles kam mir irgendwann nur noch zu den Ohren raus. Wenn das das Ziel das Buches ist: Chapeau. Ich hab irgendwie trotzdem anderes erwartet.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
15. Mai
Rating:4

Ein Jäger möchte die 'Big Five' vervollständigen und findet sich bald in einem Mahlstrom der Moral wieder, in welchem seine Rolle zwischen Jäger und Beute immerzu pendelt... Prolog: Dieses Buch umgibt eine Kritik von ganz außergewöhnlicher Art, daher war ich neugierig und da ich es mir leihen konnte, hatte auch mein Konto nix dagegen. Die Handlung selber war eher ernüchternd, da es dieses Thema schon unzählige Male in der Kultur gab. Die Sprache jedoch und die allseits drückende Schwere und Dunkelheit werten das Buch sehr auf. Das Ganze gleicht einem strömenden Sog aus Leid, Zwang und Sinnlosigkeit bis zum Tod. Die 'Nebengeschichte' die von van Heeren erzählt wird, hat es besonders schmerzhaft auf den Punkt gebracht und lässt den Leser / die Leserin hilflos mit der Suche nach Moral zurück, die ebenso umkehrbar ist, wie der Status vom Jäger zur Beute. Eine Parabel über Moral und das gesamte Menschengeschlecht die noch lange im Kopf nachhallt. Trotz dieses schwer verdaulichen Kerns (im positiven Sinne), fehlte mir noch etwas, um mehr Sterne zu vergeben. Auch manche Logiklöcher (?) passen nicht zum runden Bild (warum setzt Hunter, wenn er in Not ist, nicht den Hilferuf ab, von dem er zuvor überlegt, ob er ihn einsetzt? Hab ich das überlesen?). Epilog: Durch den 'Hype' vielleicht mit zu hohen Erwartungen herangegangen. Ein Werk, dass keine Sieger sondern nur Verlierer kennt. "[Die] westliche Moral ist ein Luxusprodukt, das man sich leisten können muss. Der Rest der Welt muss mit Pragmatismus auskommen." (S.103)

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
13. Mai
Rating:5

Ein tolles Buch

Von unbeschreiblicher erzählerischer Wucht. Während man am Anfang viel erfährt, zb über die Auswirkungen des Kolonialismus auf die Tierbestände, zieht die Geschichte im letzten Drittel so dermaßen an, dass ich nicht aufhören konnte weiterzulesen.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
13. Mai
Rating:4.5

Besonders beeindruckend fand ich, wie unsympathisch der Protagonist war und dass ich trotzdem weiterlesen wollte. Die Geschichte übt auch eine interessante Kritik aus, die gut eingebettet ist. Insgesamt hatte das Ganze etwas Fiebertraumartiges, bei dem man die ganze Zeit hinterfragt, was davon real ist und was vielleicht überspitzt dargestellt wird.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
13. Mai
"Einen Löwen fängt man mit dem ❤️, einen Elefanten mit den 👣, einen Büffel mit den 🥚und einen Leoparden mit Geduld."
Rating:4

"Einen Löwen fängt man mit dem ❤️, einen Elefanten mit den 👣, einen Büffel mit den 🥚und einen Leoparden mit Geduld."

Ein Buch,das völlig außerhalb meiner Komfortzone liegt und ich mir nie ausgesucht hätte,wenn es nicht Teil eines Bücherabos gewesen wäre. Schockierend, wie aus der Jagd der "Big Five" die Jagd nach den "Big Six" wird. Absolute Empfehlung!

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
27. Apr.
Rating:4.5

War schon lange nicht mehr so sprachlos nach dem Beenden eines Buchs. Es ist so gut geschrieben, bei diesem schweren Thema. Dabei dachte ich erst, Jagd usw, dass interessiert mich eigentlich so gar nicht. Dann hatte das Buch aber einen solchen Sog, dass ich es ziemlich schnell durchgelesen habe , obwohl es einen wirklich sprachlos zurücklässt.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
26. Apr.
Wenn Moral zur Beute wird
Rating:4.5

Wenn Moral zur Beute wird

Ein wohlhabender Jäger reist nach Afrika, um seiner Leidenschaft nachzugehen. Für ihn ist Jagd mehr als ein Hobby. Sie ist Teil seiner Identität. Doch die Grenzen verschieben sich. Was zunächst wie eine extreme, aber bekannte Welt wirkt, entwickelt sich zu einer verstörenden Auseinandersetzung mit Macht, Rechtfertigung und Moral. Gaea Schoeters legt mit »Trophäe« einen Roman vor, der bewusst irritiert. Im Zentrum steht ein Mann, der seine Sicht auf die Welt klar strukturiert hat. Jagd ist für ihn kein moralisches Problem, sondern ein System aus Regeln, Tradition und persönlicher Logik. Genau darin liegt die Stärke des Buches. Man bekommt einen direkten Zugang zu dieser Denkweise, ohne dass sie beschönigt wird. Hunter ist konsequent gezeichnet. Seine Biografie erklärt viel, ohne ihn zu entschuldigen. Er ist geprägt von einer Kindheit, in der Jagd als etwas Selbstverständliches vermittelt wurde. Dieses Muster zieht sich durch sein gesamtes Leben. Ob im Beruf oder im Umgang mit anderen Menschen, er denkt in Kategorien von Kontrolle und Besitz. Das macht die Figur glaubwürdig und gleichzeitig schwer auszuhalten. Besonders stark ist der Moment, in dem sich die Grenzen des Vorstellbaren verschieben. Schoeters führt den Leser an einen Punkt, an dem Hunter eine Entscheidung trifft, die er für sich logisch begründet. Genau hier entsteht die eigentliche Wucht des Romans. Es geht nicht um Effekthascherei, sondern um die beunruhigende Frage, wie weit sich ein Mensch in seiner eigenen Argumentation treiben kann. Der Plot ist klar geführt und verzichtet auf unnötige Umwege. Die Spannung entsteht weniger durch äußere Handlung als durch die innere Entwicklung. Man liest weiter, weil man verstehen will, wie weit diese Denkweise trägt. Und genau das macht den Roman so unangenehm gut. Er zwingt dazu, sich mit Perspektiven auseinanderzusetzen, die man eigentlich ablehnt. »Trophäe« ist kein Buch zum Wohlfühlen. Es ist ein Roman, der nachwirkt. Gerade weil vieles erschreckend plausibel erscheint, bleibt er im Kopf. Ein starker, konsequenter Text über die Abgründe menschlicher Selbstrechtfertigung. An manchen Stellen sind die Textstellen etwas überzogen, verlieren sich in den Gedanken. Daher einen halben Punkt abgezogen.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
25. Apr.
Rating:5

Faszinierend unangenehme Pflichtlektüre

Dieses Buch löst ein Gefühl aus, das einen nicht so schnell wieder loslässt... Mir hat die Art der Übermittlung sehr gut gefallen. Gaea Schoeters lässt mich in ein System eintauchen, das sich zunächst rational und stellenweise fast sogar nachvollziehbar anfühlt. Durch diese subtile Art wird einem durch die Blume eine Realität nähergebracht, die super komplex und gleichzeitig verstörend ist, ohne dass dabei der Zeigefinger erhoben wird. Und doch, ziehe ich als glückliche weiße Europäerin den Kopf ein. Besonders eindrücklich ist dabei die Auseinandersetzung mit der Trophäenjagd in Afrika. Es stellt sich die provokante Frage, ob diese... so fragwürdig sie moralisch erscheinen mag... unter Umständen mehr zum Artenschutz beiträgt als Schutzgebiete, die von Wilderern bedroht sind. Eine klare Antwort wird uns nicht gegeben. Stattdessen bleibt ein ungutes Gefühl zurück: Ist das eine unbequeme Wahrheit oder lediglich eine Rechtfertigung, die es dem weißen Jäger moralisch erlaubt weiterzumachen? Dann dachte ich mich halbwegs in dieser moralischen Grauzone orientieren zu können... und da verschiebt das Buch völlig unerwartet die Grenzen. Es ist ja so schon schwer auszuhalten, aber dann wird alles noch durch ein weiteres moralisches Dilemma (also dem eigentlichen Kern der Geschichte) gekrönt. Was mich dabei am meisten beschäftigt hat, ist dieses Gefühl der Ausweglosigkeit. Ein kaputtes System, das historisch gewachsen ist und von außen betrachtet scheinbar keine sinnvolle Lösung aufzeigt. Ich stelle mir die Frage, wie ich mich dazu überhaupt positionieren kann. Da sind wir wieder bei der glücklichen weißen Europäerin... Dieses Buch dient als Spiegel und zeigt wie leicht es ist, solche Themen gedanklich kurz an sich heranzulassen, um sie dann wieder beiseitezuschieben und in den eigenen Alltag zurückzukehren. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil sich dieses Gefühl der Ohnmacht kaum aushalten lässt. Und genau DAS ... Dieses Gefühl beschwört Gaea Schoeters auf sehr kluge, zunächst subtile und immer herausforderndere Weise herauf. Trophäe ist kein leichtes Buch und auch keines, das einfache Antworten liefert. Aber genau darin liegt seine Stärke: Es fordert uns heraus, irritiert und regt zum Nachdenken an... Sollte jeder gelesen haben.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
20. Apr.
Rating:4

Das war heftig. Und es hinterlässt Spuren.

Ich habe das Buch zufällig in die Hand genommen und die Büchergilde-Ausgabe gekauft. Der Klappentext verrät recht viel (da wäre ein Twist auszusparen sicher keine schlechte Idee gewesen…) Die Sichtweise ist so hart und man fragt sich, wie man sich das selbst glauben kann. Aber genau deswegen war es so spannend. Ein absolutes Überraschungspaket und ich bin froh, es gelesen zu haben

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
18. Apr.
Rating:3.5

‚Trophäe‘ lädt uns ein, in die Gedankenwelt eines reichen, weißen, toxischen Mannes einzutauchen und dort zu verweilen. Kolonialgeschichte wird nicht erzählt, sondern vielmehr durch die Augen einer Generation, die immer noch Täter ist, nur anders, gefühlt. Und dabei schwingt mit, wie menschlich, unmoralisch und absurd das alles ist, diese Kritik ist da, die ganze Zeit, aber das ist auch schwierig, denn sie schwingt eben nur leicht mit und es ist mir unklar, wie viel Empathie und Bildung als Grundlage notwendig ist, um die Kritik dahinter zu erkennen und zu sehen, wie furchtbar es eigentlich ist, dass wir nicht erfahren, in welchem Land diese Geschichte spielt.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
18. Apr.
Rating:5

Wahnsinn… der Schreibstil, die Story. Irre. Ich wusste, dass das Thema Trophy-Hunting mich rasend wütend machen wird, aber da waren beim Lesen so viel mehr Emotionen im Spiel. Und ich habe manchmal ernsthaft die Luft angehalten. Fassungslosigkeit macht sich im Verlauf der Geschichte breit. Aber genau das will das Buch sicher: einen fassungslos zurück lassen. Nachdenklich. Wütend. Wer denkt, dass es hier um pro Trophy-Jagd geht liegt meines Erachtens nach sehr falsch, dennoch weiß ich auch nicht, ob es rein anti ist. Die Ekstase der Jagd erfasst einen definitiv. Ist da ein Stück Verständnis für die regulierte Jagd drin? Ja. Dann aber wieder die Jagd ad absurdum geführt: eindeutig anti… Also mich bestärkt dieses Buch in meiner Ablehnung der Jagd, aber 5 Sterne ⭐️ , weil einfach genial geschrieben und erzählt. Und wirklich nichts ist im Leben nur schwarz weiß.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
18. Apr.
Rating:4.5

Nichts für schwache Nerven.

Es geht um Macht und die Flexibilität der persönlichen Moral. Man kennt dies vielleicht eingebettet in politische Umfelder aus anderen Romanen oder Filmen. Geae Schoeters wählt als Hintergrund jedoch Afrika. Nicht das politische Afrika von Nelson Mandela, oder das mitleiderregende Afrika von World Vision, sondern das ursprüngliche Afrika mit seiner Natur- und Tierwelt. Sie zeichnet eine haarsträubende Dystopie, bei der man sich regelmäßig fragt: Ist dies wirklich nur eine Dystopie? Irgendwo auf der Welt, gibt es bestimmt Menschen, die….. Nein!……oder doch?

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
14. Apr.
Rating:3

Hunter White (ja ernsthaft), ein steinreicher Amerikaner, reist nach Afrika um die Big Five vollzumachen. Was ihm noch fehlt: ein Nashorn. Dafür, dass er seiner Frau ein Nashorn als Trophäe mitbringen wird, hat er eine Menge hingeblättert. Doch vor Ort läuft alles anders. Sogenannte „Wilderer“ kommen ihm zu vor. Doch sein Kontaktmann und Jagdfreund van Heeren bietet ihm etwas anderes an, eine menschliche Trophäe… In „Trophäe“ beschreibt Gaea Schoeters ein postkoloniales Afrika, in dem die Weißen der westlichen Welt immernoch am längeren Hebel sitzen. Hunter White zahlt für ein Nashorn, dieses Geld fließt wiederum in die Arterhaltung anderer Nashörner. Die Einheimischen vor Ort dürfen nicht jagen, sonst sind sie Wilderer. Dieses moralische Dilemma (Geld regiert die Welt und die westliche Moral ist in Afrika kein Pfifferling wert) und die Faszination und Abläufe des Jagens beschreibt Schoeters sehr eingehend und lehrreich! In dem Moment, in dem es nicht mehr um das Nashorn sondern um eine menschliche Trophäe geht, hat mich das Buch leider verloren. Die Spannung, die dadurch entstehen sollte, hat mich nicht gepackt. Der Stil wurde plötzlich knapp und wirr, anstrengend. Plötzlich wirkte alles zu gewollt. Die Dialoge dienten nur noch dazu, Moralkeulen zu schwingen, in die eine oder in die andere Richtung. Ich liebe Literatur, da sie mich in andere Realitäten führen kann, in die ich in meinem Leben nie vorstoßen werde. Hier habe ich einiges über Afrika und das Jagen gelernt, was ich nicht missen möchte. Literarisch wird das Buch allerdings keine tiefen Spuren hinterlassen. Lang lebe Afrika!

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
9. Apr.
Rating:5

"Legal und illegal ließen sich hier öfter durch Dollarscheine voneinander unterscheiden als durch Gesetzestexte."

Was für ein Buch! Eine wirklich faszinierende, makabere, fast absurde Geschichte, die von der Realität nicht einmal so weit entfernt scheint. Die Autorin erzählt so fesselnd und eindringlich, wie Kolonialismus im Denken von Weißen nachwirkt, die Afrika als ihren "Spielplatz" sehen und dort völlig wahnsinnige Dinge tun. Dabei zeigt sie auch, was für eine Hirnakrobatik vollbracht wird, um das eigene, moralisch völlig verwerfliche Handeln zu rechtfertigen. Ich finde es wirklich grandios, wie hier die Standpunkte der Jäger ausgeführt werden, die sich hier im "Recht" sehen. Wie tief verankert dieses kolonialistische Denken in der westlichen Welt immernoch ist wird hier ganz überspitzt dargestellt. Wirklich ein großartiges Buch, das auf jeden Fall nachwirkt. Eine absolute Leseempfehlung!!!

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
9. Apr.
Macht, Moral und Menschlichkeit.
Rating:5

Macht, Moral und Menschlichkeit.

Es geht um Hunter White - und ja, der Name ist Programm. Er ist reich, erfolgreich, weiß und Großwildjäger. In Afrika, auf der Jagd nach den „Big Five“, fehlt ihm nur noch das Nashorn. Doch dann kommt alles anders, denn Wilderer kommen ihm zuvor. Ende vom Traum? Nicht ganz. Denn es gibt da noch etwas anderes, etwas Größeres, viel Spektakuläreres: die „Big Six“. Und ab da wird es… heftig! Die ersten Seiten drehen sich fast ausschließlich um Hunter, sein Leben, seine Sicht auf die Jagd. Und ich hätte nie gedacht, dass mich das so fesselt. Aber es tut es. Und dann kippt das Ganze. Plötzlich ist man mitten in einer Geschichte, die weit über Jagd hinausgeht: Es geht um Jagen und Gejagtwerden, um Moral und Ethik. Um Kolonialismus, Macht und um die sehr unbequeme Frage: Was ist ein Menschenleben wert? Der Schreibstil von Gaea Schoeters ist unglaublich eindringlich. Und das vielleicht Beeindruckendste: Sie wertet nicht, sie erzählt nur. Alles andere, das Denken, überlässt sie den Lesern. Und genau das macht dieses Buch so stark (und so unbequem). Ich war beim Lesen geflasht....und oft auch ein bisschen sprachlos. Weil man gezwungen ist, sich selbst zu positionieren. Und weil es keine einfachen Antworten gibt. Das ist kein Buch, das man einfach zuklappt und vergisst. Das bleibt. Und es schreit förmlich danach, darüber zu sprechen. Ein Zitat, das mir besonders hängen geblieben ist: „Deine westliche Moral ist ein Luxusprodukt, das man sich leisten können muss. Der Rest der Welt muss mit Pragmatismus auskommen.“ Ja, das sitzt! Und genau so fühlt sich dieses ganze Buch an.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
8. Apr.
Noch nie hat mich ein Buch gleichzeitig so angezogen und abgestoßen 🙈
Rating:4

Noch nie hat mich ein Buch gleichzeitig so angezogen und abgestoßen 🙈

Ich musste zwischendurch Pausen machen, weil manche Stellen wirklich unangenehm und schwer auszuhalten sind. Wir begleiten Hunter auf einer absurden Reise, geprägt von einer sehr vorurteilsbehafteten Sicht auf Afrika. Ein unbequemes Buch über Macht, Moral und den Wert eines Lebens. Und das Ende hat mich komplett überrascht! Ein Buch, das ich gleichzeitig faszinierend und abstoßend fand und genau deshalb werde ich es nicht so schnell vergessen. ⭐️⭐️⭐️⭐️

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
4. Apr.
Rating:4

Puuh, was für ein Roman. Die Figuren, die Kulisse ziehen einem hinein, Erzählebenen wirbeln durcheinander (Vergangenheit-Gegenwart, Geschichte und Geschichten, Wahn und Wirklichket, Fiebertraum und Realität). Widerlich und faszinierend zugleich; ich bin irgendwie sprachlos

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
4. Apr.
Rating:5

Begeisternd und verstörend

Halten Sie sich für moralisch gefestigt? Ihr ethisches Wertesystem ist unerschütterlich? Ok, dann sollten Sie Trophäe unbedingt lesen. Aber bitte gut anschnallen. Ein steinreicher amerikanischer Geschäftsmann und passionierter Großwildjäger sieht Afrika als seine ganz eigene Spielwiese an. Für Geld ist auch hier alles zu haben, vor allem die Lizenz zum Töten, vor allem für den weißen Jäger – Nomen est Omen – Hunter White. Vom Big Business zum Erlegen der Big Five, wovon ihm nur noch das aggressive Rhino, das gewaltige Nashorn, fehlt. Wilderer kommen ihm bei der auserkorenen und bereits bezahlten Beute jedoch zuvor, Frustration staut sich auf, bis ihn sein Jagdmanager und Freund auf eine zunächst völlig abwegige Idee bringt – es gibt unter Insidern ja auch noch die Big Six. Er spricht dies mit diesem gewissen Unterton aus, während sie gemeinsam einheimische Jungen beobachten, wie sie elegant wie Leoparden, kräftig wie Löwen und wachsam wie Savannenhunde mit Pfeil und Bogen ihre Jagd auf Antilopen machen. Spätestens in diesem Augenblick stockt nicht nur Hunter White, sondern auch jedem Leser der Atem. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Das kann es doch wohl nicht geben. So etwas darf man sich doch eigentlich nicht mal als literarische Fiktion ausmalen. Doch halt, nicht so schnell … Da hat man sich bei der Entscheidung für diesen Roman farbenprächtige Bilder der afrikanischen Savanne und Steppe erhofft und auch zuhauf bekommen. Jenseits von Afrika-Klischees inklusive. Schön und gut. Dafür hat man über lange Anfangspassagen aber eine ganze Menge an Machismo-Kult wegstecken müssen. Ist die Jagd-Leidenschaft nicht prädestiniert für die Ansammlung hemingwayesker Zweibeiner mit toxischer Männlichkeit? Wie kann sich ein Roman entgegen jedem woken Zeitgeist so sehr die Argumentation von Menschen zueigen machen, denen das Testosteron aus jeder Pore quillt und von denen man als doch um so viel besserer, humanistisch geprägter Gutmensch weiß, dass es all den lonesome Cowboys doch nur um die pure Lust am Töten geht? Mit viel kritischer Abneigung nimmt man im Verlauf schwerlich und murrend hin, dass die Vergabe der Lizenzen auch eine Art Kontrolle des Wildbestandes ist, dass damit Wildhüter und Wildererbekämpfung finanziert werden und dass die Fährtenleser mit ihrem Lohn ein Stück weit ihren Stamm in Zeiten der Trockenheit und des Hungers am Leben halten. Das ist argumentativ noch sehr schwach, aber der Roman nimmt einen extrem geschickt und fast unmerklich mit in einen inneren Disput. Immer öfter wird der Leser bei seinen eigenen Konflikten abgeholt. Ist das alles eine Regression auf einen puren maskulinen Animalismus, geschönt und verbrämt durch machistische Floskeln, oder muss man diese Jäger-Ethik doch differenzierter sehen? Gibt es nur die ganz schlechten oder auch noch die ein bisschen guten? Können wir die Lebensumstände in diesem Umfeld überhaupt vollumfänglich und korrekt beurteilen und würdigen, die wir uns in unserer westlichen Zivilisation schon lange vom Töten eines oder vieler Tiere abgekoppelt haben und uns in der Mehrheit nicht scheuen, die Produkte des anonymen Tötungsaktes als Nahrung zu verzehren? Diese ersten Beispiele sind fast schon zu plump und zu plakativ im Vergleich dazu, wie das Buch einen in immer ausgefeiltere moralische Zwickmühlen hineinzieht. Mehr und mehr ist man gezwungen, eigene Meinungsstereotypien in Frage zu stellen oder gar zu verlassen. Und das nicht in einem Pro-und-Kontra-Sachbuch, sondern in einem absolut spannenden und schließlich extrem fesselnden Roman, dessen Handlung einen zwingt, weiter und weiter zu lesen. Ein Finale furioso. Extrem gut gemacht. Ganz oft fragt man sich beim Lesen ab Beginn, was denn nun die Meinung des Autors zur Jagd an sich und all den brutalen Details ist. Schreibt da ein selbstherrlicher, mordlustiger Macho ohne Gewissen? Oder ist da doch jemand, bei dem Bedenken oder gar Skrupel dominieren? Das sollte man beim Lesen am besten selbst entscheiden. Nur so viel: Gaea Schoeters ist eine Frau.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
3. Apr.
Rating:5

Eines der besten Bücher die ich lesen durfte

Die Trophäe hat mich absolut beeindruckt. Der Schreibstil ist unglaublich stark, bildhaft und stellenweise fast literarisch. Besonders gefallen hat mir, dass mir keine Meinung aufgezwungen wurde und ich mir meine eigenen Gedanken machen konnte. Das Buch hat mich emotional sehr berührt und teilweise auch verstört, was es umso intensiver macht. Das Ende war überraschend und rundum gelungen. Für mich eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
2. Apr.
Rating:4.5

Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst über ein Thema, das mich eigentlich gar nicht interessiert. Es hat mich dennoch total gefesselt, zwischen Abscheu, Verwunderung und Spannung. Erzählerisch wahnsinnig gut! Klare Empfehlung zum Lesen.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag
1. Apr.
Rating:4

Ein Buch, das ich gleichzeitig bewundere und zutiefst verabscheue. Ich möchte das ganz deutlich sagen: Ich habe beim Lesen eine unfassbare Menge an Ekel empfunden. Kein physischer Ekel vor Blut oder Gewalt, sondern ein tiefsitzender moralischer Ekel. Schoeters schreibt so präzise, dass man den Schmutz der Weltanschauung des Protagonisten Hunter fast auf der eigenen Haut spürt. Man liest nicht nur über die Jagd. MN wird in die Logik eines Mannes hineingezogen, für den alles auf der Welt einen Preis hat. Macht es Sinn zu sagen, dass mir das Buch nicht gefallen hat, es aber genau deshalb gut ist? Ja. „Trophäe“ ist kein Buch, das man „gerne“ liest. Es ist eine radikale Konsequenz in Buchform. Die Qualität liegt hier in der totalen Schonungslosigkeit. Es ist moralisch absolut fragwürdig, und genau in dieser Provokation liegt seine Relevanz. Es zwingt uns, die hässlichsten Ecken unserer globalisierten, kapitalistischen Weltordnung auszuhalten. Trotz aller Begeisterung für die Konstruktion bleibt ein bitterer Beigeschmack und das ist mein größter Kritikpunkt. Hier schreibt eine weiße Frau über Afrika und über ihr fremde kulturelle Bräuche. Hunter ist ein Amerikaner, die Perspektive ist primär weiß, was im Kontext der Dekonstruktion des „White Savior“ Sinn ergibt. Doch wenn es um die Schilderung der Natives und ihrer Traditionen geht, hätte ich mir eine Einordnung gewünscht. Hat die Autorin mit diesen Menschen gesprochen? Wie tief ging die Recherche? Wenn über andere Kulturen geschrieben wird, ohne dass dieser Prozess transparent gemacht wird, bleibt immer die Gefahr der Kulturalisierung. Die Natives werden hier zum Werkzeug für eine weiße moralische Grenzerfahrung – ein Punkt, den man kritisch diskutieren muss.

Trophäe: Roman
Trophäe: Romanby Gaea SchoetersPaul Zsolnay Verlag