"(WELT: 'Wie viel Dekolleté darf eine Kanzlerin zeigen?' Angela Merkel: 'Ja!')" (S. 130) Dazu fällt mir direkt Julia Roberts in "Notting Hill" ein: "I mean, seriously - they're just breasts. Every second person in the world has them. [...] What's all the fuss about?" Also - was ist es, was so viele Menschen an diesem Körperteil fasziniert? Warum unterliegen Brüste einem ständigen Größenvergleich, wer legt die Schablonen und Richtwerte dafür fest und wieso ist die Körbchengröße eine relevante Kennzahl für Attraktivität? Diese Fragestellungen werden in der von Linus Giese und Miku Sophie Kühmel herausgegebenen Anthologie "Brüste" nur am Rande behandelt. Dafür erfahren wir aber unter anderem etwas zum Stillen im kunsthistorischen Kontext und darüber, wie glücklich es machen kann, sich seiner Brüste zu entledigen. Die einen binden sie sich weg, die anderen lassen sie sich entfernen zum Zwecke einer Transition oder aufgrund einer medizinischen Indikation. "Brüste" ist insgesamt leider hinter meinen Erwartungen geblieben. Im Großteil der Beiträge geht es nicht explizit um Brüste, sondern viel mehr um das Hadern mit dem eigenen Körper und der jeweiligen Identität. Viel mehr hatte ich auf eine Anthologie gehofft, die die Vielfalt dieses "sekundären" Geschlechtsorgans feiert, aber eben auch seine Sexualisierung, den Umgang mit Schönheitsidealen und welchen Stellenwert Brüste in unserer Gesellschaft haben kritisch betrachtet. In Ansätzen ist das durchaus gelungen, mit den wenigsten Texten konnte ich mich jedoch identifizieren. Ich habe die Frauen (sowohl cis als auch trans) vermisst, die ihre Brüste lieben, sich wohl mit ihnen fühlen und zufrieden mit ihnen durch die Welt gehen.
Auseinandersetzungen
In der Anthologie setzen sich unterschiedliche Autor*innen aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema Brüste auseinander; mal mit den eigenen, mal gesellschaftlich. Die Ansichten harmonieren gut miteinander, auch wenn sie alle unterschiedlich sind. Ein schönes Sachbuch. Zu empfehlen.
Super interessante Anthologie! Von gesellschaftskritischen über humoristischen bis hin zu emotionalen Texten war hier alles vertreten. Auch die Autor*innen und Themen der Texte waren sehr unterschiedlich und gut gewählt. Ich hätte nicht gedacht, dass man sich aus so vielen verschiedenen Blickwinkeln dem Thema Brüste nähern kann. Natürlich haben mir wie es bei Anthologien häufig der Fall ist nicht alle Texte gleich gut gefallen, nichtsdestotrotz kann ich das Buch jeder Person nur wärmstens empfehlen!
Eine schöne Sammlung verschiedener Lebensrealitäten von Menschen mit Brüsten — die meisten davon eher neutral bis (sehr) negativ, dafür sehr divers. Als selbst eine Person mit Brüsten hat mir da ein positiverer Blick, ein warmer Text gefehlt, und insgesamt bin ich nicht sicher, ob ich wirklich so viel aus diesem Buch ziehen konnte wie ich es hätte gern wollen.
Bei einigen Aspekten des Buchs musste ich auch ein wenig cringen — Stillen und Kontakt mit Baby nackte Haut an nackte Haut als sexuell zu definieren (ohne dabei sexuelle Lust per se zu empfinden) hat bei mir auf inneren Widerstand gestoßen. Auch Brüste als „knabenhaft“ zu verzeichnen… Ich weiß nicht.
Eine gelunge Anthologie
Brüste sind gefühlt DAS Körperteil, das eine Frau definiert, zumindest in den Augen vieler. Hier haben wir mehrere Texte von vollkommen unterschiedlichen Personen, für die Brüste vollkommen unterschiedliche Bedeutungen haben. Denn während die einen welche wollen, wollen andere sie los werden.
Wir sind so viel mehr als unser Körper
12 tolle Menschen haben für sich auf ihre eigene Art und Weise das Körperteil Brüste interpretiert und eine kleine Geschichte dazu geschrieben. Es geht um Mutter sein. Es geht um die Gefühle, wenn man sich nicht als Frau fühlt, aber Brüste hat. Es geht um Brustkrebs und was passiert, wenn die Brust abgenommen wird. Es geht um Sexualisierung von Frauen durch die eigenen Brüste. Jedes Kapitel hat ihre eigene Geschichte, die gehört werden darf. „Du wartest darauf, dass es ein Davor und Danach gibt.“ Ich habe immer wieder Gutes über das Buch gehört und gelesen, daher habe ich es mir auch gekauft. Es ist schnell und flüssig gelesen und hat ganz wunderbaren Inhalt. Viele ehrliche und auch traurige Worte, die zeigen, dass wir Menschen so viel mehr sind als unser Körper. Dass der Körper nichts über unser Sein, unsere Identifikation und Gefühle aussagt. Dass die Gesellschaft besser hinhören darf, wer man als Mensch wirklich ist und wer man sein möchte. Du bist genauso richtig, wie du bist. Danke für diese schöne Anthologie. „Noch ist ein Busen eine Ware.“
Sehr empfehlenswert!
Brüste - ein Körperteil bzw. Thema, über das ich nie groß nachgedacht habe, bis es vergangenes Jahr unfreiwillig ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit geriet. Umso gespannter war ich auf diese Anthologie, die insgesamt 12 Essays von unterschiedlichen Autor*innen enthält. Im Zentrum: Brüste. In all ihren Formen und Bedeutungen für Körper- und Genderwahrnehmung.
Was uns alle eint, ist das abwägende Verhältnis, die komplizierten Gefühle, die wir zu Brüsten haben. Zu unseren und denen anderer. Zu denen, die wir mal hatten, oder die wir gern hätten. Zu denen, die wir uns zugelegt haben oder losgeworden sind, die wir verloren oder gewonnen, die wir verändert haben und deren Veränderung auch uns selbst verändert hat – wie das manchmal so ist mit Beziehungen. - Buchzitat (S. 11/E-Book) "Brüste" ist eine beeindruckende Sammlung von Texten, die ein oft objektiviertes Körperteil aus subjektiver Perspektive beleuchten. Mit Beiträgen von renommierten Autor:innen. namentlich Linus Giese, Miku Sophie Kühmel, Daniela Dröscher, Angela Lehner, Michaela Dudley, Antje Rávik Strubel, Sarah Berger, Kirsten Achtelik, Audrey Naline, Biba Oskar Nass, Bettina Wilpert und Nils Pickert bietet dieses Buch eine vielstimmige, tiefgehende und inspirierende Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Herausgeber:innen Linus Giese und Miku Sophie Kühmel haben eine Anthologie zusammengestellt, die unsere Sichtweise auf Brüste und deren Bedeutung in der Gesellschaft hinterfragt und erweitert. Das Buch "Brüste" behandelt die vielfältigen Aspekte und Bedeutungen dieses Körperteils. Es stellt Fragen zur Sexualisierung, gesellschaftlichen Wahrnehmung und persönlichen Erfahrungen. Themen wie Stillen, Geschlechtsidentität und medizinische Aspekte werden ebenso behandelt wie die kulturelle und künstlerische Darstellung von Brüsten. Die Beiträge in "Brüste" sind alle unterschiedlich gestaltet, was die Form, Länge und den Schreibstil betrifft. Am besten gefallen haben mir die Beiträge von Bettina Wilpert, die in "VEXIERBILDER ODER: STILLEN IST STILLEN" verschiedene Perspektiven auf das Thema Brüste anhand von Kunstwerken erörtert hat. Ebenso beeindruckend fand ich den Beitrag von Nils Pickert mit dem Titel "TITTENSCHULD" sowie Kirsten Achteliks "#ONETIT STATT #TUMORTITTE". Ich habe viel über das Leid der Betroffenen erfahren und auch neue Fakten gelernt: Beispielsweise wusste ich nicht, dass sich Brüste von biologischen Männern und Frauen anatomisch so gleichen und dass biologische Männer theoretisch auch Milch geben können (praktisch kommt das jedoch sehr selten vor). Alles in allem bietet das Buch eine wunderbare Mischung aus spannenden Ansätzen und persönlichen Geschichten. Es ist ein kurzweiliges Buch, das ich in einem Rutsch durchgelesen habe. "Brüste" ist eine inspirierende und aufschlussreiche Anthologie, die wichtige Themen aufgreift und zum Nachdenken anregt. Die Vielfalt der Perspektiven und die Tiefe der Beiträge haben mich überzeugt und begeistert. Trotz der unterschiedlichen Stile und Ansätze schafft das Buch eine kohärente und kraftvolle Auseinandersetzung mit einem leider oft tabuisierten Thema. Ich vergebe 5 von 5 Sternen und empfehle dieses Buch allen, die sich mit den komplexen Facetten von Brüsten auseinandersetzen möchte. Meine Brüste sind politisch, aber in mehr Dimensionen als nur als Objekt der Provokation, und in weniger Ernsthaftigkeit als die derjenigen, die ihre nach Feierabend nicht ausziehen können. Das ist ein Privileg. - Buchzitat (S.96/E-Book)
Eine feine Anthologie, die die Stimmen von cis-heteronormativen, trans und queeren Perspektiven vereint; gerne gelesen!

Vor ein paar Tagen erreichte mich diese kleine, aber feine Anthologie über, ja, ihr lest richtig: Brüste! Mich hat direkt die Lust gepackt, es zu lesen. Gesagt, getan. Nun, was gibt es also über Brüste schon viel zu schreiben? Eine ganze Menge, wie sich herausstellt. Dieses kleine Büchlein vereint Essays von zwölf verschiedenen Autor:innen, deren Texte unterschiedlicher nicht sein könnten. Obwohl die Texte im Schnitt verhältnismäßig kurz gehalten sind, sind sie dennoch allesamt pointiert, inhaltsdicht und facettenreich. Dabei gefüllt mit äußerst persönlichen Erfahrungen. Denn das sind Brüste und unser Verhältnis zu ihnen doch: Etwas völlig Subjektives. „Brüste" ist eine vielschichtige, queerfeministische Abhandlung über das wohl am meisten objektifizierte Körperteil von allen. Und wie phänomenal schön ist bitte diese Covergestaltung? Das hübsche Äußere soll aber natürlich nicht über die zuweilen sehr sensiblen und ernsthaften (TW!) Themen hinwegtäuschen. Überlegt euch also bitte gut, ob euch dieses Buch guttun könnte - oder vielleicht auch nicht. Ich mochte es jedenfalls sehr. „Brüste scheinen uns alles sein zu müssen, aber nichts wirklich sein zu dürfen. Egal zum Beispiel." (S. 105; aus dem Text von Nils Pickert) Mit Beiträgen von Daniela Dröscher, Bettina Wilpert, Linus Giese, Angela Lehner, Miko Sophie Kuhmel, Biba Oskar Nass, Nils Pickert, Sarah Berger, Audrey Nadine, Kirsten Achtelik, Dr. Michaela Dudley und Antje Rávik Strubel. Ein herzlicher Dank geht a die lieben Menschen vom Tropen Verlag für die Empfehlung sowie die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.









