Spannend geschrieben mit einer guten persönlichen Verknüpfung zwischen geschichtlichen Ereignissen und persönlicher Geschichte
Mitten im Zweiten Weltkrieg im Sommer 1944 möchte Egon als junger Soldat seine schwangere Freundin heiraten bevor er wieder an die Front muss. Seine jüngere Schwester steckt in den letzten Züge ihres Pflichtdienstes, den sie bei einem Freund ihres verstorbenen Vaters auf dem Hof ableistet. Während Egon dem Naziregime eher kritisch gegenübersteht wohnt bei ihm und seiner Mutter noch seine Tante mit ihrem Ehemann, der sehr regimtreu ist. Auch Paule befindet sich auf dem Land in einem Zwiespalt zwischen dem kritischen Freund des Vaters und dem Parteimitglied, der regelmäßige Kontrollen auf dem Hof auffährt und ein Auge auf sie geworfen hat. Beide werden in die Anschlagspläne von Graf von Stauffenberg hineingezogen, Egon durch Botengänge, die er unwissentlich erledigt, Paula weil sie bei "Onkel Leo" lauscht und nachbohrt. Ich finde der Autorin ist die Verknüpfung der geschichtlichen Ereignissen mit einem Familienschicksal von vielen gut gelungen. Es macht das Attentat sowie die Überlegungen nahbarer für mich. Sie zeichnet sehr gut das persönliche Leid der Menschen nach. Wie die Angst vor den Bomben allumfänglich ist und das Essen immer knapper wird. Wie der Schwarzmarkt blüht, wo man überall Essen versteckt oder schmuggelt und wie die Menschen zusammenhalten. Schade fand ich, dass hier das Schicksal einer deutschen Familie geschildert wurde, denen keinerlei Verfolgung durch die Nazis drohte sofern sie nicht auffällig werden. Denn Graf von Stauffenberg wollte zwar Hitler töten und den Krieg schnellstmöglich beenden, vor allem aber, weil er bereits erkannte, dass der Krieg für Deutschland nicht mehr zu gewinnen war und er so möglichst viele Soldaten vor dem sicheren Tod bewahren wollte, nicht aber unbedingt den Holocaust aufhalten wollte. Denn im Sommer 1944 waren die meisten Juden*Jüdinnen bereits umgebracht worden. Bei diesem Fakt hätte ich mir gewünscht, dass dieser weiter beachtet worden wäre. Ansonsten eine gute Geschichte!
