28. Feb.
Rating:4

Ich mag solche Bücher – die nicht laut daherkommen, sondern still ihre Kreise ziehen. Lichtungen von Iris Wolff erzählt die Geschichte von Lev und Kato. Zwei Kinder, die sich im rumänischen Banat begegnen, beide auf ihre Weise Außenseiter, beide mit familiärem Gepäck. Früh entsteht zwischen ihnen eine besondere Verbindung – getragen von gemeinsamen Streifzügen, Blicken, unausgesprochenem Verständnis. Der Roman setzt nicht chronologisch an, sondern beginnt mit einem späten Zeitpunkt im Leben der beiden – und springt dann zurück in Kindheit, Jugend, Umbruchjahre. Das Rumänien unter Ceaușescu ist spürbar, aber nie vordergründig politisch erzählt. Vielmehr wirkt das System in die Familien hinein: in Misstrauen, Enge, in das Gefühl, beobachtet zu werden. Später dann die Ausreise, das Ankommen in Deutschland, das Auseinanderdriften und Wiederannähern. Sprachlich ist das sehr gelungen. Reduziert, präzise, oft poetisch, ohne ins Kitschige zu kippen. Viele Bilder bleiben hängen – Landschaft, Licht, Gerüche, kleine Gesten. Frau Wolff kann Atmosphäre. Und sie kann Zwischentöne. Was mich allerdings zunehmend irritiert hat, sind die Zeitsprünge. Anfangs fand ich die Struktur reizvoll – das Nach-und-nach-Freilegen einer gemeinsamen Geschichte. Mit fortschreitender Lektüre wurde es für mich jedoch eher verwirrend. Ich musste mehrfach innehalten und mich sortieren: Wo befinden wir uns gerade? Wie alt sind die Figuren? Was ist bereits geschehen, was folgt noch? Das hat meinen Lesefluss gebremst und eine gewisse Distanz geschaffen. Vielleicht ist genau dieses Fragmentarische gewollt – Erinnerung funktioniert schließlich nicht linear. Für mich hätte es dennoch etwas klarer geführt sein dürfen. Trotzdem habe ich das Buch sehr gern gelesen. Es ist leise, nachdenklich, unaufgeregt. Kein großes Drama, sondern ein genaues Hinschauen auf zwei Lebensläufe, die sich kreuzen und wieder voneinander entfernen. Ein Highlight war es für mich nicht – dafür fehlte mir stellenweise die emotionale Durchdringung und die erzählerische Klarheit. Aber mit 4 von 5 Sternen ist es für mich ein sehr gutes Buch. Empfehlen würde ich es Leserinnen und Lesern, die ruhige, sprachlich feine und eher tiefsinnige Romane schätzen – und die Freude daran haben, sich auf eine nicht ganz geradlinige Erzählweise einzulassen.

Lichtungen: Roman
Lichtungen: Romanby Iris WolffKlett-Cotta