
Mella lebt mit ihrer Mama und ihrem kleinen Bruder Pete in einem winzigen Haus mitten in einem dichten Wald. Manchmal kommt ihr Daddy zu Besuch, und mit ihm kommt oft auch der böse Mann. Mella weiß, dass sie, ihre Mama und ihr kleiner Bruder eine geheime Familie sind, die an einem Ort lebt, von dem niemand weiß – aber sie kann sich nicht erinnern, warum das so ist oder warum ihre Mama am Boden angekettet ist. "In The Tall Trees" ist eine Geschichte, erzählt aus den Augen unserer kleinen Heldin, die sich dem stellen muss, was dort draußen in den Schatten lauert, um alles zu retten, was sie auf der Welt kennt und liebt.
Diese Geschichte ist herzzerreißend, erschütternd, düster und stellenweise brutal. Und das alles durch die Augen eines vierjährigen Mädchens erzählt. Was für manche Leser vermutlich anstrengend oder sogar nervig ist, war für mich genau das Gegenteil: unglaublich intensiv und erschreckend glaubwürdig. Diese kindliche Naivität, die kleinen, scheinbar harmlosen Beobachtungen – und dann diese Momente, in denen die Realität durchbricht. Dieses emotionale Hin und Her zwischen Unschuld und beginnendem Verstehen trifft einen mit voller Wucht. Man merkt beim Lesen genau, wie etwas nicht stimmt – und genau das macht es so unangenehm packend. Die Autorin schafft es, die Wahrnehmung eines Kindes so realistisch darzustellen, dass es fast wehtut. Kein künstliches Drama, kein überzogenes Grauen – sondern eine stille, schleichende Beklemmung, die sich immer tiefer festsetzt. Und dann kommt das Nachwort… und plötzlich wird einem klar, dass hinter dieser Geschichte mehr steckt. Dass das hier nicht alles nur Fiktion ist. Spätestens da wird aus beklemmend einfach nur noch verstörend. Ich muss wissen, wie es mit Mella weitergeht. Die Fortsetzung ist für mich keine Option, sondern Pflicht.
