
„Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ von Daniela Krien ist für mich ein intensiver, sinnlicher und zugleich verstörender Roman über eine junge Frau, die sich in eine zerstörerische Liebesbeziehung hineinziehen lässt – atmosphärisch dicht und emotional sehr eindringlich. .
Der Roman spielt im Sommer 1990 auf dem Land in Ostdeutschland, in einer Zeit des Umbruchs, in der politisch wie persönlich alles in Bewegung gerät. Im Mittelpunkt steht Maria, die auf dem Hof ihres Freundes lebt und sich in den deutlich älteren Nachbarn Henner verliebt. Aus dieser Anziehung entsteht eine leidenschaftliche, obsessive Beziehung, die Maria zugleich anzieht und überfordert. Gerade dieser Gegensatz aus Begehren, Machtgefälle und innerer Verlorenheit macht den Roman so stark. Besonders beeindruckend ist, wie Daniela Krien die Atmosphäre dieser Zwischenzeit einfängt. Der heiße Sommer, die ländliche Enge, die Wucht der körperlichen Anziehung und die allgemeine Unsicherheit in einem Land kurz nach dem Umbruch verschmelzen zu einer dichten Stimmung, die das ganze Buch trägt. Dabei erzählt Krien nicht reißerisch, sondern mit einer ruhigen, klaren Sprache, die vieles nicht bewertet, sondern wirken lässt. Genau dadurch bekommt die Geschichte ihre besondere Intensität. Für mich funktioniert der Roman vor allem als Porträt einer jungen Frau, die noch nicht genau weiß, wer sie ist, und sich gerade deshalb in einer Liebe verliert, die sie zu verschlingen droht. Die Beziehung zu Henner ist nicht romantisch verklärt, sondern bleibt in ihrer Faszination und in ihrer Gefährlichkeit gleichermaßen sichtbar. Das macht die Lektüre mitunter unangenehm, aber auch glaubwürdig. Insgesamt ist „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ für mich ein sehr eindrucksvolles Buch über Begierde, Abhängigkeit und das Erwachsenwerden in einer Zeit, in der ohnehin alles aus den Fugen gerät.























































