
Die Erschöpfung der Frauen: Wider die weibliche Verfügbarkeit – Franziska Schutzbach In diesem Buch geht es darum, warum so viele Frauen dauerhaft erschöpft sind und weshalb diese Erschöpfung oft viel tiefer geht als normaler Stress oder „zu viele Aufgaben“. Franziska Schutzbach beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Erwartung, dass Frauen ständig verfügbar sein sollen. Emotional, sozial, familiär, körperlich und beruflich. Für andere mitdenken, zuhören, organisieren, auffangen, Rücksicht nehmen und dabei möglichst freundlich, belastbar und unkompliziert bleiben. Beim Lesen hatte ich ständig dieses Gefühl von: Genau das ist gemeint. Diese Art von Erschöpfung, die oft gar nicht ernst genommen wird, weil sie so normal geworden ist. Das Buch zeigt sehr deutlich, dass viele Frauen nicht einfach nur „zu viel machen“, sondern dass hinter dieser Dauerbelastung gesellschaftliche Rollenbilder und Erwartungen stehen, die überall mitschwingen. Besonders hängen geblieben ist mir der Teil über emotionale Verfügbarkeit. Dieses ständige Mitdenken für andere. Konflikte entschärfen. Harmonie herstellen. Sich verantwortlich fühlen für die Stimmung im Raum. Immer erreichbar sein, Verständnis haben, Rücksicht nehmen und gleichzeitig die eigenen Bedürfnisse nach hinten schieben. Vieles davon passiert so selbstverständlich, dass man oft erst merkt, wie anstrengend es eigentlich ist, wenn es jemand so klar ausspricht. Franziska Schutzbach beschreibt dabei nicht nur persönliche Erfahrungen, sondern verbindet vieles mit gesellschaftlichen Strukturen. Gerade das fand ich spannend, weil das Buch dadurch nicht bei irgendwelchen individuellen „Lösungen“ stehen bleibt. Es geht eben nicht darum, dass Frauen sich einfach besser organisieren oder mehr Self Care machen müssten. Sondern darum, warum überhaupt erwartet wird, dass Frauen permanent funktionieren und verfügbar sind. Ich mochte außerdem, dass das Buch nicht versucht, angenehm oder gefällig zu sein. Manche Gedanken darin tun weh, weil man sich selbst oder das eigene Umfeld an vielen Stellen wiedererkennt. Teilweise war das Lesen für mich ehrlich gesagt auch ziemlich frustrierend, einfach weil einem bewusst wird, wie tief viele dieser Muster sitzen und wie früh Frauen lernen, sich selbst zurückzunehmen. Trotzdem hatte das Buch für mich etwas unglaublich Befreiendes. Nicht, weil es einfache Antworten liefert, sondern weil vieles endlich benannt wird. Dieses Gefühl, ständig funktionieren zu müssen. Immer verständnisvoll zu sein. Sich selbst klein zu machen, damit andere sich wohler fühlen. Genau darüber wird viel zu selten wirklich ehrlich gesprochen. Für mich war das eines dieser Bücher, bei denen ich ständig Stellen markieren wollte, weil sie Dinge so präzise beschreiben, die viele Frauen wahrscheinlich kennen, aber oft schwer in Worte fassen können. ★★★★★ (5 von 5 Sternen)




















