1. Juni
Rating:2

Ich bin durch Freundinnen auf das Buch gestoßen und das Cover so wie der Klappentext haben mich neugierig gemacht. Leider kann ich mich den positiven Rezensionen hier nicht anschließen. Damit die Pille nicht so bitter schmeckt, möchte ich erstmal etwas Positives sagen. Die Idee der Geschichte hat mir gut gefallen. Als Kind der 90ger bin ich mit Harry Potter großgeworden und hatte schon immer eine Schwäche für Hexengeschichten. Außerdem liebe ich das Cover und die Optik, mit dem es auf Social Media beworben wird, der minimalistische Stil ist genau meine Ästhetik und hat etwas von einem Tumblr Post. Der Titel ist auch sehr gut und hat mich schließlich dazu bewegt, dem Buch eine Chance zu geben. Zu guter Letzt war die Sprache verständlich und flüssig. Jetzt kommen wir aber zu dem ganzen Rest. Für alle, die den Klappentext nicht gelesen haben und direkt in die Rezensionen luschern: Es geht um Isa, die herausfindet, dass sie eine Hexe ist. Viel mehr kann man zu dem Inhalt nicht sagen, denn sonst würde man spoilern - was auch daran liegt, dass das Buch mit wenig Plot und Substanz daherkommt, aber ich greife voraus. Die Geschichte steht und fällt mit unserer Protagonistin Isa, sie ist kurz davor, an die Uni zu gehen, um dort Literatur zu studieren, sie möchte Schriftstellerin werden. Das darf aber keiner wissen, denn eigentlich soll sie in das Familienbusiness einsteigen: die Wahrsagerei. Isa ist leider das wandelnde Klischee eines schlechten Teenies - sie kleidet sich edgy und verachtet die "Barbies" an ihrer Privatschule. Natürlich hat sie eine Leidenschaft für das Schreiben und hasst ihre Arbeit als Kartenlegerin. Alles in allem ist sie "ganz anders als die Anderen", die ihr alle nur Schlechtes wollen. Darüber hinaus versteht sie sich nicht mit ihren Eltern - um ehrlich zu sein, versteht sie sich mit niemandem, was ich mal ihrer fehlenden Empathie und dem schlechten Charakter zuschreibe. Als Erzählerin sind Isa als Figur und der Schreibstil der Autorin eng miteinander verknüpft. Das Problem fängt bereits damit an, dass Isa ihre Welt fast ausschließlich in inneren Monologen wahrnimmt. Figuren wie ihren kleinen Bruder Mike, die Eltern, ihre Kunden und alle anderen werden durch Isa porträtiert. Sie erzählt uns, wie die andere Figuren sind, so wird der kleine Bruder bis zum erbrechen als clever mit einer Vorliebe für gute Streiche dargestellt. Davon bekommt der Leser aber nicht viel mit, denn Mike hat nur EIN MAL einen Auftritt, bei dem er auch noch bei einem Streich erwischt wird. Wo der Junge jetzt clever sein soll, sieht der Leser nicht, das müssen wir Isa schon glauben. Die Tatsache, dass er nicht in die Handlung eingebaut wird, ist tragisch, denn er spielt an einer anderen Stelle eigentlich eine tragende Rolle. Seine Abwesenheit macht einer der späteren Ereignisse zu einem sehr anstrengenden Moment für den Leser, da man zu ihm keine emotionale Bindung aufbauen konnte. Dasselbe gilt auch für all die anderen Figuren. Die Mutter wird nur ein Mal am Anfang gezeigt, wie sie in der Küche steht und kocht. Danach findet man sie nur noch in klischeehaften Dialogen mit Isa wieder. All ihre Eigenschaften werde auf die minimalste Interaktion mit ihrer Tochter runtergebrochen und da ist sie auch noch einige Male out of Charakter. Ihr Vater hat gar keine Rolle, außer ein auf mysteriösen Babo zu machen. Seine Figur ist unbedeutender als der Fliegenschiss auf meiner Fensterbank. Show don't tell? I don't think so. Von echten Figuren, die Atmen, handeln, leben und einen eigenen Willen haben: Keine Spur. Da alle anderen Menschen in ihrem Universum ausschließlich Pappfiguren sind, bleibt mir ausschließlich Isa, mit der man sich irgenwie Auseinandersetzung kann. Dabei ist Isa einer der unsympathischten Figuren, die mir untergekommen sind. Das fängt damit an, dass sie alle Mädchen an ihrer Schule in einer Schublade steck, wer nicht so düster und edgy ist, wie sie, wird direkt als Barbie abgestempelt. Da hat die Autorin schön die Vorurteilskeule rausgeholt. Dann geht es weiter damit, dass sie ihren Eltern nicht erzählen will, dass sie angeblich ein Stipendium hat (was ich bei Isas fehlender Intelligenz bezweifle). Ihre Eltern würden das ja nicht verstehen. Ob das die Wahrheit ist, werden wir nie erfahren, denn Kommunikation zwischen den Figuren fehlt auf jeder Ebene und was die Eltern darüber denken, wird uns auch nicht gezeigt. Generell würden sich alle Konflikte in Luft auflösen, würde die Familie sich mal 5 Minuten an einen Tisch setzen und reden. Aber wer tut schon sowas?! Darüber hinaus fehlt es Isa in jeglicher Hinsicht an emotionaler Intelligenz und Reife. Es kommt einem so vor, als wäre Isa 10. Alles dreht sich um sie und darum, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Alles, was nicht niet und nagelfest ist, wird in Schubladen gesteckt: gut gekleidete Mädchen? Barbies! Sprache die sie nicht kann? SELTSAM! Jemand ist einer anderen Meinung? nIeMaNd vErSteHt mIcH! *hier Emo Musik einfügen*. Die Welt ist immer so gemein zu ihr und generell ist alles immer so unfassbar dramatisch, dass mir die Augen vom Rollen aus dem Kopf gefallen sind. Und da wären wir bereits beim nächsten Thema, die unnötige Geheimniskrämerei, die ausschließlich dazu gedacht ist, künstlich Spannung aufzubauen - was nicht gelingt. Ein Beispiel: In dem Buch wird andauernd von einem Institut gesprochen, dort soll der Vater arbeiten aber Isa weiß nicht, was dort vor sich geht. Keiner sagt uns, warum sie nicht wissen darf, was es mit diesem Institut auf sich hat. Ob diese Frage noch in den weiteren Episoden gelüftet wird, kann ich nicht sagen, Fakt ist, weder der Vater noch Isa scheinen ein Interesse daran zu haben, uns mitzuteilen, warum sie im Dunklen tappen muss. Das ganze ist einfach schlecht umgesetzt und fühlt sich nach billiger Spannung an. Kommen wir jetzt noch ein bisschen auf den Inhalt und die Sprache zu sprechen. Zum einen habe ich bereits erwähnt, dass das Buch sehr flüssig geschrieben ist, leider verliert sich die Autorin immer und immer und IMMER wieder in inhaltlichen Wiederholungen. Die Protagonistin muss jedes Mal Fakten wiederholen, als würde der Leser an Amnesie leiden. Hätte man das gekürzt, wäre der Roman gefühlt nur halb so lang. Dann plätschert die Geschichte auch nur so leise dahin, kurz vor dem Ende passiert endlich das, was man bereits nach 1/3 des Buches erwartet hätte. Leider wurde Isa an den Stellen, wo es spannend wird, nur noch irrational und so überdramatisch, dass man glaubt, man wäre in einer schlechten Soap gelandet. Nur leider kann Dramatik nur wirken, wenn dazu auch die passende Handlung stattfindet. Isa spinnt sich so in ihrem Kopf ein, dass man ganz kurz denkt, dass mit ihr alles durchgebrannt ist. Generell sind mir auch die vielen Parallelen zu Harry Potter etwas sauer aufgestoßen. Isa ein passiver Charakter, entweder es passieren ihr Dinge oder Lösungen präsentieren sich ihr auf magische weise (haha). Nur selten passiert etwas aus ihrem eigenen Antrieb und wenn doch, dann nur für Kleinigkeiten, die keine Überwindung kosten. Zum Beispiel geschieht etwas schreckliches mit jemandem, der ihr nahesteht und anstelle, sich um die Person zu kümmern, sitzt Isa nur da und ihre Familie erledigt das. Oder an einer anderen Stelle verwehrt man ihr den Zutritt zu einem Ort und sie denkt lieber darüber nach, sich zu ertränken, als eine Lösung für das Problem zu finden. Das wäre der perfekte Moment gewesen, um ein aktiver Charakter zu werden und ins Handeln zu kommen. All diese Punkte führen dazu, dass man sich langweilt. Alles in allem vergebe ich 1,5 Sterne. Wenn ich einen kleinen Rat für die zukünftigen Bücher geben könnte dann wären es folgende: 1. Isa muss mehr ins Handeln kommen 2. Inhaltliche Wiederholungen streichen 3. Charaktere nicht nur durch Isa Monologe beschreiben, sondern sich selbst charakterisieren lassen 4. Steilere Spannungskurve und das Tempo anziehen Schade, ich hätte das Buch gerne gemocht.

Wayward Witches: Witch's World 1 (Witch's World Serie)
Wayward Witches: Witch's World 1 (Witch's World Serie)by Kate S. Stark