22. Nov.
Rating:3

Kriminalfälle nicht spannend und Auflösung unrealistisch. Buch kann nur mit freizeittipps Punkten

Ich muss ehrlich sagen: In all meinen Lesejahren habe ich noch nie ein Buch abgebrochen. Wirklich nie. Egal wie holprig, egal wie zäh – ich ziehe Bücher immer durch. Aber bei „Mörderisches Erzgebirge“ von Petra Steps habe ich ab Seite 13 mehrfach darüber nachgedacht, das Buch einfach zur Seite zu legen. Und das allein zeigt schon, wie schwierig dieses Leseerlebnis für mich war. Was mich zunächst neugierig gemacht hat Eigentlich habe ich mich richtig auf das Buch gefreut. Krimis aus meiner Heimatregion – aus dem Erzgebirge bzw. dem Vorerzgebirge, wo ich selbst herkomme – sind normalerweise genau mein Ding. Ich liebe es, bekannte Orte in spannenden Geschichten wiederzuerkennen, lokale Atmosphäre zu spüren, ein Gefühl von „Da war ich schon!“ oder „Das kenne ich!“ zu haben. Darauf hatte ich mich beim Lesen wirklich gefreut. Aber genau das kam am Ende leider nicht bei mir an. Die größte Enttäuschung: die Krimis selbst Ich bring’s direkt auf den Punkt: Die Fälle wirkten für mich an den Haaren herbeigezogen, und das hat sich schon während des Lesens immer wieder bemerkbar gemacht. Nichts fühlte sich rund an. Vieles wirkte überspitzt, konstruiert und irgendwie nicht zu Ende gedacht. Und die Auflösungen … puh. Ich war wirklich – und das meine ich nicht übertrieben – massiv enttäuscht. Sie wirkten unrealistisch, manchmal fast schon absurd. Ein kleines Beispiel, das mich komplett rausgerissen hat: > Ein Zettel an einer Mauer mit einer seltsamen Nachricht – und ein einziger Anruf führt sofort dazu, dass ein Streifenwagen losgeschickt wird. Ehrlich: Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Und solche Situationen gab es nicht nur einmal, sondern immer wieder. Jedes Mal dachte ich: „So funktioniert das im echten Leben einfach nicht.“ Für ein Buch, das in einer realen Region spielen soll und mit regionalem Flair punkten möchte, ist so etwas ein echter Stimmungskiller. Das eigentlich Beste am Buch – und gleichzeitig nicht der Grund, warum ich es gekauft habe Und jetzt kommt das Kuriose: Die Freizeittipps am Ende waren tatsächlich das Highlight des gesamten Buches. Ja – die Freizeittipps. Nicht die Fälle, nicht die Figuren, nicht die Spannung. Ausgerechnet das Beiwerk hat mich positiv überrascht. Selbst ich, der die Region gut kennt und aus dem Erzgebirge bzw. Vorerzgebirge stammt, habe dort noch neue Inspirationen für unsere Familie gefunden. Das muss man dem Buch lassen: Diese Tipps waren wirklich gut, liebevoll zusammengestellt und informativ – besonders für Außenstehende sicher ein großer Mehrwert. Aber das ist eben nicht das, weshalb ich zum Buch gegriffen habe. Ich wollte Krimis aus meiner Heimat, nicht ein halbes Freizeitmagazin. Fazit: Leider keine Empfehlung Ich wünschte, ich könnte etwas anderes sagen. Aber für mich ist „Mörderisches Erzgebirge“ eine der größten Enttäuschungen meines bisherigen Leselebens. Die Krimis: unrealistisch, konstruiert und schwer zugänglich. Die Auflösungen: oft unlogisch oder schlichtweg unglaubwürdig. Der Leseprozess: so frustrierend, dass ich fast abgebrochen hätte – zum ersten Mal überhaupt. Das einzig wirklich Positive waren die Freizeittipps, die Außenstehenden bestimmt viel Freude machen werden. Aber ein Krimibuch sollte nicht dadurch gerettet werden, dass die Freizeittipps besser sind als die Krimis selbst. Meine Empfehlung: Leider nein – außer man sucht explizit Inspiration für Ausflüge ins Erzgebirge.

Mörderisches Erzgebirge: 11 Krimis und 125 Freizeittipps (Kriminelle Freizeitführer im GMEINER-Verlag)
Mörderisches Erzgebirge: 11 Krimis und 125 Freizeittipps (Kriminelle Freizeitführer im GMEINER-Verlag)by Petra StepsGmeiner Verlag