21. Okt.
Rating:5

Dieses Buch hat mich sehr umgetrieben, allerdings auf eine gute Art und Weise. Für jemanden wie mich, der christlich aufgewachsen war und demnach auch den Beginn des Christentums durch die Linse des "Siegers" kennenlernte, war dieses Buch etwas Neues. Zwar wusste ich schon von den Ausschreitungen und Repressalien, denen die damaligen "Heiden" ausgesetzt waren, allerdings nie in diesem Ausmaß. Blinder Eifer und Zerstörungswut, Intoleranz und Ignoranz beerdigten die vielfältige und fortschrittliche antike Welt, und eine Religion der Selbstpeiniger, Martyriumsfanatiker und Weltuntergangspropheten diktierte das Leben der römischen Bürger bis ins kleinste Detail, vom öffentlichen Leben bis hinein ins Schlafzimmer. Ungebildete Tölpel rissen Tempel ein, verstümmelten Kunstwerke, folterten Philosophen, verbrannten ganze Bibliotheken, schlossen die Thermen, denunzierten Familie und Nachbarn, verboten Spaß und Vergnügen jeglicher Art und "erlösten" die Ungläubigen mit Schwert und Feuer. Klingt übertrieben? Nicht ganz. Selbstverständlich berichtet dieses Buch unter Anderem von Einzelfällen, doch die Schilderung der allgemein vorherrschenden Angst und erzwungenen Anpassung eines Großteils der "närrischen Götzendiener" trifft zweifelsohne zu. Catherine Nixeys Worte triefen mancherorts nur vor Verachtung gegenüber der frühen Christen, und meiner Meinung nach zurecht. Was jene erleuchteten Propheten aus der Wüste damals in blindem Eifer zerstörten, ist schmerzhaft viel und bedeutsam. Einmal ganz davon abgesehen welche Werte das Christentum "eigentlich" vertritt, war das Christentum nicht weniger als ein Kopfschuss für Kultur, Wissenschaft, Philosophie und Vielfalt. Unironischerweise lässt sich das heute auch noch beobachten.

The Darkening Age: The Christian Destruction of the Classical World
The Darkening Age: The Christian Destruction of the Classical Worldby Catherine NixeyHarperOne