21. Dez.
Rating:3

ACHTUNG SPOILERGEFAHR! Vor ein paar Tagen hatte ich eine Nachricht von der lieben frischgebackenen Autorin Marie-Christin auf meinem Blog, in welcher sie mich fragte, ob ich nicht Interesse und Lust hätte, ihren kürzlich erschienen Debütroman zu lesen und zu rezensieren. Ich habe mir daraufhin ihren Blog und ihren Roman ein wenig genauer angeschaut und war sehr angetan, von dem hübschen Cover und der kurzen Inhaltsangabe. Ich mag solche in Briefform geschriebene Romane, besonders dann, wenn es um die Liebe geht - denn auch ich bin eine hoffnungslose Romantikerin und lese zwischendurch unheimlich gerne solche romantischen Geschichten. Bei Belina - Liebe auf den zweiten Brief handelt es sich um einen Kurzroman, der von Liebe, der Macht des geschriebenen Wortes und Freundschaft handelt. Nachdem ich mir den Roman auf meinen Kindle geladen hatte, habe ich gleich mit dem Lesen begonnen und das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Dadurch, dass der Roman nur sehr kurz ist, lässt er sich sehr leicht und schnell lesen. Der Schreibstil ist auch ziemlich einfach gehalten, jugendlich und ziemlich unverblümt. Allerdings stellt die Autorin die ein oder anderen Vergleiche an und bringt Metaphern mit ins Spiel, die mir sehr gut gefallen haben. Alles in allem hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen. Hierbei möchte ich aber darauf hinweisen, dass die Geschichte lediglich in Briefen geschrieben ist, mithin keine zusammenhängende Geschichte und es vielleicht deshalb ein wenig schwierig ist, den eigentlichen Schreibstil der Autorin zu beurteilen. Auch wenn ich diese Art von Romanen mag, hätte ich mir Zwischendurch vielleicht noch ein paar mehr Erzählungen gewünscht, sprich, die ein oder andere Situation aus der Erzählperspektive, egal ob in der dritten Person oder in der Ich-Form geschrieben. So hätte der Leser die Möglichkeit gehabt, ein wenig mehr in die Geschichte einzutauchen. Insbesondere bezüglich der Treffen - es klang einfach merkwürdig, dass sich die beiden Personen, welche sich getroffen haben, sich das ganze Treffen quasi noch mal erzählt haben - das ist in meinen Augen doch eher unwahrscheinlich. Man nimmt vielleicht noch mal Bezug auf die ein oder andere Situation, doch den kompletten Tagesablauf erzählt man sich ja für gewöhnlich nicht noch mal. Hier hätte man vielleicht noch einen Brief an die beste Freundin/den besten Freund mit einbauen können, in dem alles erzählt wird. So hätte auch der Leser einen besseren Einblick in den Verlauf der Treffen bekommen, welche in dieser Geschichte doch eine sehr große Rolle spielen. In Bezug auf die Briefe kann ich nur sagen, dass die beiden das ein oder andere Mal "sehr geschwollen" miteinander gesprochen bzw. geschrieben haben. Meines Empfinden nach würden Anfang 20-jährige nicht solche Briefe schreiben. Auch waren mir Melinas "Ausraster" das ein oder andere Mal viel zu viel. Bereits im ersten Brief ist sie meiner Meinung nach grundlos ausgerastet. Natürlich, wenn man einen Brief von einem Fremden bekommt, wird man vielleicht etwas skeptisch, aber entweder antworte ich dann nicht, wenn mir die Sache nicht geheuer ist, oder aber ich frage höflich nach, was das Ganze soll. Abgesehen davon, hat Ben die Sache wirklich sehr schön und anständig erklärt, weshalb ich Melinas Reaktion doch ein wenig übertrieben fand. Hier hätte man meiner Meinung nach einen besseren Einstieg in die Geschichte finden können. Mit der Zeit haben sich die beiden und die Briefe jedoch weitergewickelt. Als dann endlich das "Du" kam, und die beiden von dem "Sie" und diesem förmlichen Geschreibsel Abstand nahmen, wirkten die Briefe gleich viel persönlicher und es hat viel mehr Spaß gemacht, die beiden auf ihrer Reise zu begleiten. Man konnte förmlich mit erleben, wie sich die beiden immer besser kennen gelernt haben - allerdings blieb die ganze Geschichte doch eher etwas oberflächlich. Man hat zwar das ein oder andere über die beiden erfahren, aber dadurch, dass es nur die Briefe zwischen den beiden zu Lesen gab und man den etwaigen Austausch mit Freunden und Familie nicht mitbekommen hat, blieb die Geschichte doch ein wenig einseitig. Hier haben mir einfach ein wenig die Gefühle gefehlt. Man hätte ja trotzdem eine Geschichte drum herum aufbauen und beschreiben können und das Hauptaugenmerk trotzdem auf die Briefe legen. Trotz allem hat die Autorin es mit dem einen oder anderen Brief bzw. mit einigen ihrer Worte geschafft, Gänsehaut zu verursachen, ganz besonders zum Ende der Geschichte hin. Für einige Dinge hat sie sehr berührende und gefühlvolle Worte und Vergleiche gefunden, was mich sehr beeindruckt hat und was mir sehr gut gefallen hat. Die Charaktere mochte ich auch sehr gerne. Melina ist schon eine ziemlich spezielle Person, die man allerdings, sobald man sie erst einmal besser kennt, auch mögen und lieben lernt. Ebenso ist Ben wirklich sehr interessant und hat mir einige Herzklopfmomente beschert. Das einzige was ich ein wenig schade finde ist, wie gesagt, dass man nur sehr wenig über die Charaktere erfährt. Hier wäre die Geschichte eindeutig noch ein wenig ausbaufähiger gewesen. Im Großen und Ganzen jedoch hat mir die kleine süße Geschichte sehr gut gefallen. Ich bin ein Fan von Brieffreundschaften, schreibe selbst regelmäßig mit einer meiner besten Freundinnen Briefe und verzichte hier größtenteils auf Kontakt via Whatsapp oder Facebook. Ich finde so etwas einfach schöner. Man kann Fotos mit dazu legen, Geschichten erzählen und viel weiter ausholen als bei einer SMS oder einer Facebook-Nachricht. Ich liebe Briefe, sie zu schreiben und natürlich auch welche zu bekommen und schon alleine deswegen gefällt mir diese Idee, eine Liebe auf diese ganz altmodische Art und Weise zwischen zwei völlig Fremden Menschen entstehen zu lassen. Das Buch hat mir auf jeden Fall ein paar angenehme Lesestunden beschert und ich bin sehr froh drum, dass ich es lesen durfte, auch wenn es in meinen Augen nicht perfekt war und man noch viel mehr hätte draus machen können. Doch die Autorin hat auf jeden Fall Potential und ich hoffe sehr, dass es bald etwas von ihr zu lesen gibt, was nicht in Briefform geschrieben ist. Dann ist es mit Sicherheit auch möglich, den Schreibstil, etc. pp. besser einschätzen zu können. Die Idee ist süß, an der Umsetzung hat es ein wenig gehapert, ist für ihren Debütroman trotz allem gelungen und Freude gemacht hat es ohnehin. Denn wer liest nicht gerne von der Liebe und davon, wie zwei Menschen sich näher kommen? Ihr solltet euch ihren Blog und ihre Geschichte auf jeden Fall einmal näher anschauen - dem einen oder anderen gefällt es vielleicht noch ein Stückchen besser als mir :-)

Belina - Liebe auf den zweiten Brief
Belina - Liebe auf den zweiten Briefby Marie-Christin Rapp