13. Aug.
Rating:3

Gemischte Gefühle

Ich habe das Buch eher zufällig im Nachlass meiner Schwiegermutter gefunden und es wegen der Abitur-Kontroverse in BaWü gelesen. Es ist einerseits spannende Lektüre: Ein Sittenbild des besetzten Nachkriegsdeutschland, geschrieben in einer atemlos Sprache. Es gibt viele Charaktere, die immer wieder verfolgt werden, aber keinen Haupt-Protagonisten. Es spielt sich alles an einem Tag ab und damit werden die Vorbilder Joyce und Dos Passos schon sehr deutlich. Wirklich beeindruckend! Andererseits kann ich jeden verstehen, den die sehr häufige Erwähnung des N-Worts stört. Es ist recht offensichtlich, dass es heute wie damals eine rassistische Bewertung von Menschen ist und dass Koeppen dies genauso sieht. Meistens wird es von Deutschen benutzt, die offensichtlich nicht verstehen können, dass in der Armee der US-amerikanischen Sieger auch PoC dienen. Hier ist das N-Wort authentisch (aber natürlich auch rassistisch). Manchmal allerdings wird es aber auch als einfache Beschreibung einer Person verwendet. Das ist (und war) überflüssig. Ob es (unkommentiert) als Abitur-Lektüre geeignet ist, bezweifle ich. Aber ich bin sehr froh, es gelesen zu haben.

Tauben im Gras. Roman Bibliothek des 20. Jahrhunderts herausgegeben von Walter Jens und Marcel Reich-Ranicki. Deutscher Bücherbund, Stuttgart / Hamburg / München ohne Jahr
Tauben im Gras. Roman Bibliothek des 20. Jahrhunderts herausgegeben von Walter Jens und Marcel Reich-Ranicki. Deutscher Bücherbund, Stuttgart / Hamburg / München ohne Jahrby Wolfgang KoeppenDeutscher Bücherbund, Stuttgart,