Deutscher Titel: Von Geist und Geistern Hilary Mantel ist eine der wohl einflussreichsten Schriftstellerinnen unserer Zeit. Als einzige Frau hat sie mit ihren bisher erschienenen Romanen um Thomas Cromwell, “Wolf Hall” (Wölfe) und “Bring up the Bodies” (Falken) den Man Booker Prize gewonnen. Für mich ist sie eine Lieblingsautorin, wegen ihrer wunderbaren Sprache, die mich leicht ins Schwärmen geraten lässt. Natürlich gefällt es mir auch gut, dass sie meistens auf historische Themen setzt. “Giving up the Ghost” ist eine ungewöhnliche Autobiografie einer ungewöhnlichen Frau, die viel mitgemacht hat. Dabei hat sie sich aber ihren Humor bewahrt, der hier viel häufiger aufblitzt, als ich es erwartet hätte. Es ist eine Biografie, die sprachlich genauso großartig ist wie Mantels Romane, in meiner Ausgabe kleben einige Post-its mit Lieblingsstellen. Philosophisch mutet das Erzählte an, von Geistern ist die Rede, doch davon sollte sich niemand abschrecken lassen, das Buch ist keine esoterisch angehauchte Biografie. Nach dem ersten Kapitel, einer Art Einführung, begleiten wir Hilary Mantel zurück in ihre Kindheit, die geprägt war von der Trennung der Mutter vom Vater und dem schwierigem Verhältnis zum Stiefvater, außerdem bereits früh von Krankheit. In diesem Teil des Buchs berichtet Mantel eindrücklich aus der Sicht des Kindes, das sie war, eine ungewöhnliche, erfrischende Herangehensweise. Mit dem Erwachsenwerden wird es langsam offensichtlich, dass die heftigen Schmerzen keine Wachstumsschmerzen mehr sein können. Eine lange Krankheitsgeschichte beginnt, trotzdem schafft es die aus einfachen Verhältnissen stammende Hilary auf eine gute Schule und an die Universität. Sie verliebt sich, heiratet, zieht später mit dem Mann nach Südafrika. Ihr Leben ist nun immer mehr geprägt von der Krankheit, die kein Arzt benennen kann. Wie so häufig, wird sie auf die Psyche geschoben. Es ist wirklich furchtbar, welche Odysee Mantel hinter sich hat, bis die Diagnose Endometriose feststeht, gespickt von Fehldiagnosen und Fehlmedikation, aus heutiger Sicht schier unglaublich. Hilary Mantel wird dabei jedoch niemals weinerlich, sie erzählt wie bereits erwähnt mit viel Humor und Sarkasmus. Am Ende des Buches wird deutlich, dass Hilary zu sich gefunden und ihren Frieden mit den Geistern gemacht hat. Ich habe diese Autobiografie sehr gerne gelesen und kann sie wärmstens empfehlen, nicht nur für bestehende, sondern auch für zukünftige Fans. Eine tolle Frau!
28. Sept.Sep 28, 2022
Giving up the Ghost: The shocking and beautiful memoir from the Booker Prize-winning and bestselling author of the Wolf Hall trilogy, now a major TV seriesby Hilary MantelHarper Perennial
