18. Apr.
Rating:2

Ja, Gabriel García Márquez kann wirklich gut schreiben und erzählen. Wären da nur nicht...

die antiquierten und deplatzierten Ansichten und Aussagen über Frauen und Beziehungen. Die zwei Sterne sind für den Schreibstil und den feinen Humor. Beispielsweise für die genialen Szenen mit dem Papagei. Es hätten auch fünf Sterne werden können, aber leider waren da die Liebesgeschichte sowie sehr viel problematische Dinge, die nicht eingeordnet, sondern stattdessen romantisiert werden. Zunächst zur „Liebesgeschichte“ – ihren Erfolg kann ich aus heutiger Sicht überhaupt nicht nachvollziehen. Wieso wird die Beziehung zwischen Fermina Daza und Florentino Ariza so romantisiert? Sie heiratet einen anderen, er „wartet“ jahrelang auf sie und vergeht vor Sehnsucht. Und dieses „Warten“ und „vor Sehnsucht vergehen“ äußert sich, indem er jahrzehntelang jedes weibliche Geschöpf flachlegt, das salopp gesagt bei drei nicht auf dem Baum ist. Emotional kann er sich auf diese Frauen jedoch nicht einlassen und da er nichts von Verhütung hält, lässt er diese oft schwanger zurück, ohne sich weiter verantwortlich zu fühlen. Unangemessen kurze Zeit nach dem Tod von Ferminas Mann steht er bei ihr im Haus und fordert lautstark ihre Liebe ein. Zu diesem Zeitpunkt muss er, folgt man der Logik der Erzählung, vor sexuell übertragbarer Krankheiten strotzen wie ein Straßenhund vor Flöhen. Lecker. Bleibt nur die Frage, was davon romantisch ist. Hinzu kommt, dass Florentino als Greis eine Weile eine sexuelle Beziehung zu einer Minderjährigen führt, bzw. aus heutiger Sicht kann und sollte man hier klar von Missbrauch sprechen. In „Liebe in Zeiten der Cholera“ gibt es für das männliche love interest stattdessen brownie points dafür, dass er hier dann doch Kondome verwendet, da sie ja die Schule fertig machen soll. Ferner gibt es in der Geschichte eine Frau, die in jungen Jahren vergewaltigt wurde, und die Ansichten, die Márquez ihr hierzu in den Mund legt, sind einfach nur indiskutabel. Man stellt sich unweigerlich die Frage, ob der Autor jemals mit einer Frau gesprochen hat. Wenn ja, dann bleibt nur zu vermuten, dass Zuhören nicht seine Stärke war. Ja, Márquez hat den Literaturnobelpreis gewonnen, und ja, er schreibt gut. Und ja, das Buch hat 41 Jahre auf dem Buckel und früher gab es andere Ansichten. Aber diese Ansichten zu Frauen und Beziehungen sind nichts, das ich weiter konsumieren möchte. Daher wird es für mich der letzte Márquez bleiben; es gibt noch viele andere Autor*innen, die gut schreiben.

Die Liebe in den Zeiten der Cholera : Roman,Gabriel Garcia Marquez. Aus d. kolumbian. Span. von Dagmar Ploetz
Die Liebe in den Zeiten der Cholera : Roman,Gabriel Garcia Marquez. Aus d. kolumbian. Span. von Dagmar Ploetzby Gabriel Garcia MarquezDt. Bücherbund Stuttgart ; München,,