
"Ich glaube genau darum geht es beim Übersetzen. Darum geht es beim Sprechen. Einander zuzuhören und zu versuchen, an den eigenen Vorurteilen vorbeizugucken und ein Blick auf das zu erhaschen, was der andere einem sagen will. Ein Stück von sich selbst preisgeben und hoffen das jemand anders es versteht." (S.722) [Ach Ramy 💔 ] Wow, einfach nur Wow. Was hab ich da gelesen? Auch wenn ich am Anfang etwas Schwierigkeiten hatte hinein zu finden (und dann am Ball zu bleiben) hat es sich einfach komplett gelohnt! 1. DARUM GEHTS Oxford, 1836. Der Waisenjunge Robin Swift wird aus Kanton nach London gebracht, um am renommierten Königlichen Institut für Übersetzung (bekannt als Babel) zu studieren. Babel ist das absolute Machtzentrum des britischen Empires. Hier wird das sogenannte "Silberwerken" praktiziert: Eine magische Kunst, die durch die feinen Bedeutungsverluste beim Übersetzen zwischen zwei Sprachen entsteht in Silberbarren 'graviert' wird und die unter anderem dann die Flotten und Maschinen Großbritanniens antreibt. Doch je tiefer Robin in die Welt von Babel eintaucht, desto klarer wird ihm, dass sein Dienst an der Krone gleichzeitig der Verrat an seinem Heimatland ist. Als der mysteriöse Hermes-Bund versucht, die imperialistische Expansion zu stoppen, muss Robin eine Entscheidung treffen. 2. MEINE MEINUNG R.F. Kuang hat hier ein absolutes Meisterwerk der Dark Academia erschaffen. Die Geschichte ist sprachgewaltig und atmosphärisch dicht, fordert einen beim Lesen aber auch wirklich heraus. Ein wichtiger Hinweis für alle, die das Buch noch lesen wollen: Man sollte schon ein gewisses Faible für Linguistik und Sprache mitbringen, um die Geschichte wirklich genießen zu können. Ohne dieses Interesse kann das Buch schnell zu sachlich wirken und liest sich phasenweise absolut nicht wie klassische Fantasy. Wenn man sich aber darauf einlässt, ist die tiefe Auseinandersetzung mit Etymologie grandios. Auch die Dynamik innerhalb von Robins Studenten-Kohorte ist unglaublich intensiv, tragisch und hat mich emotional komplett abgeholt. 3. BEZUG ZUR REALITÄT Was dieses Buch für mich so unvergesslich macht, ist seine brutale Aktualität. Kuang verwebt Themen wie Rassismus, Kolonialismus und systemische Ausbeutung so scharf und präzise, dass man oft Gänsehaut bekommt. Auch wenn wir heute in unserer Gesellschaft keine Sklaverei im klassischen Sinne mehr haben, zeigt das Buch eindrucksvoll, wie moderne, subtilere Mechanismen der Unterdrückung noch immer tief verankert sind. Besonders faszinierend fand ich den Gedanken an das "Silberwerken". Wenn man genauer darüber nachdenkt, lässt sich diese Magie extrem gut auf unsere heutige Situation mit Künstlicher Intelligenz (KI) übertragen. Genau wie das Silber in Babel wird auch die KI-Technologie heute von einigen wenigen machtvollen Staaten und Megakonzernen kontrolliert, die sich damit gnadenlos die Taschen vollmachen und ihre Monopolstellung sichern, während der Rest der Welt ausgebeutet oder abgehängt wird. Ein brillanter und erschreckender Spiegel unserer Gesellschaft! [Bild mit KI erstellt]
























































