
Gibt es nur Schwarz und Weiß?
Für mich ist Band 2 deutlich intensiver und packender als der erste Teil. Die Handlung gewinnt spürbar an Tiefe, und Stück für Stück werden Geheimnisse enthüllt, die zuvor nur angedeutet wurden. Man merkt richtig, wie sich das Gesamtbild langsam zusammensetzt und immer mehr Zusammenhänge ans Licht kommen. . Der Schreibstil trägt stark dazu bei, dass man mühelos am roten Faden bleibt. Alles ist klar und flüssig erzählt, sodass man sich vollkommen in die Geschichte fallen lassen kann. Besonders gelungen finde ich, dass man emotional sehr nah an den Figuren ist,vor allem an Tess. Ihre Gedanken und Gefühle werden so greifbar beschrieben, dass man sich gut in ihre Lage hineinversetzen und ihre Entscheidungen nachvollziehen kann. . Was mich allerdings hin und wieder etwas frustriert, ist ihre Naivität. Manchmal wünscht man sich, sie würde Situationen schneller durchschauen oder vorsichtiger handeln. Gleichzeitig macht genau das sie aber auch authentisch und menschlich. . Der Fantasyanteil ist angenehm verständlich eingebunden. Die Welt wirkt nicht überladen oder kompliziert, sondern nachvollziehbar und stimmig aufgebaut. Trotz der Leichtigkeit verliert die Geschichte nichts an Spannung im Gegenteil: Sie fesselt einen so sehr, dass man am liebsten sofort zum nächsten Band greifen und weiterlesen möchte. . Spoilerwarnung!!! . . . Ich bin unglaublich neugierig, wie es im dritten Band mit Tess und Ayden weitergehen wird. Seine Gefühle bleiben weiterhin schwer zu durchschauen. Empfindet er wirklich etwas für sie oder ist ihm letztlich egal, was mit ihr geschieht? Und wenn sie ihm nichts bedeutet, warum sucht er dann immer wieder ihre Nähe und kümmert sich um sie? Handelt er aus echter Sorge oder verfolgt er eigene Interessen, vielleicht um an bestimmte Informationen zu gelangen? Möglicherweise verschließt er sich aus einem ganz bestimmten Grund ,vielleicht aus Angst oder wegen seiner Vergangenheit. Oder kennt er es einfach nicht anders und weiß gar nicht, wie man offen mit Gefühlen umgeht? . Ebenso spannend ist die Entwicklung zwischen Tess und Noah. Spielt er nur eine Rolle oder sind seine Absichten aufrichtig? Meint er es wirklich gut mit ihr oder verfolgt er eigene Ziele? Ist er tatsächlich der Böse der Geschichte oder vielleicht doch nur jemand, der alles tut, um seine Familie zu schützen,selbst wenn das bedeutet, moralische Grenzen zu überschreiten? . Ich hoffe sehr, dass Tess nicht noch tiefer in gefährliche Situationen gerät. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass sie lernt, die feinen Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß zu erkennen denn vielleicht existiert die Wahrheit irgendwo dazwischen. Am meisten hoffe ich, dass sie am Ende die richtige Entscheidung trifft und dem Menschen vertraut, der es wirklich verdient.


























