26. Feb.
Rating:3

Nach einem unterhaltsamen ersten Band war ich neugierig, wie die Geschichte weitergeht – auch wenn sich schon abgezeichnet hat, in welche Richtung es laufen wird. Und genau das ist auch das größte Problem dieses zweiten Teils: Er überrascht nicht. Die Handlung konzentriert sich fast ausschließlich auf Riley und ihre Suche nach dem vermeintlichen Prinzen – während wir als Leser eigentlich längst wissen, worauf alles hinausläuft. Der Weg dorthin ist dabei weniger spannend als im ersten Band, weil vieles sehr vorhersehbar ist und sich stark auf bekannte Konfliktmuster stützt. Missverständnisse, Rückzug, große Gefühle – das hat man so oder so ähnlich schon oft gelesen. Riley bleibt dabei leider ziemlich konstant anstrengend. Ihre Fixierung auf das Bild eines Prinzen zieht sich weiter durch die Geschichte, und auch ihre emotionale Entwicklung wirkt eher wie ein spätes Umschalten als wie ein nachvollziehbarer Prozess. Besonders schade fand ich die Entwicklung von Jack. Während er im ersten Band noch durch seine Mischung aus wölfischer Wildheit und menschlicher Sensibilität herausgestochen hat, wirkt er hier deutlich eindimensionaler. Seine „wölfische“ Seite tritt fast komplett in den Hintergrund, wodurch ein großer Teil seiner ursprünglichen Faszination verloren geht. Was dem Buch dafür zugutekommt, ist die emotionale Auflösung. Die Idee, dass Jack seine eigene Geschichte aufschreibt und damit ein neues Märchen erschafft, hat mir überraschend gut gefallen. Dahinter steckt mehr, als es auf den ersten Blick scheint: die Bereitschaft, sich immer wieder derselben Geschichte – und damit auch dem eigenen Schmerz – auszusetzen, nur um am Ende mit Riley zusammen sein zu können. Das ist einerseits sehr klassisch und vielleicht auch etwas kitschig, aber gleichzeitig auf eine leise Art berührend. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass hier viel Potenzial liegen gelassen wurde. Das Märchen-Multiversum, das im ersten Band so spannend eingeführt wurde, tritt fast vollständig in den Hintergrund und dient nur noch als Kulisse für die Liebesgeschichte. Fazit: Ein solider Abschluss, der die Geschichte konsequent zu Ende bringt, aber kaum neue Impulse setzt. Vorhersehbar, stellenweise flach – und trotzdem mit einem emotionalen Moment, der hängen bleibt. Weniger stark als Band 1, aber noch gut genug, um die Reihe rund abzuschließen.

Ein Wolf im Weg (Die Chroniken von Märchenland, Band 2)
Ein Wolf im Weg (Die Chroniken von Märchenland, Band 2)by Anna KatmoreIndependently published