
Das Buch „Kid“ von Jescie Hall war für mich von Anfang an ein absolutes Must-Read, vor allem, weil ich Kid bereits im vorherigen Teil unglaublich gern mochte. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Geschichte komplett aus Kids Perspektive erzählt wird. Er ist ein Protagonist, der kein Blatt vor den Mund nimmt, immer genau das sagt, was er denkt, und dabei oft schonungslos ehrlich ist. Genau diese direkte, ungefilterte Art macht ihn so greifbar und hat für mich einen großen Teil des Reizes des Buches ausgemacht. Mit Johanna hingegen hatte ich deutlich mehr Schwierigkeiten. Ich bin einfach nicht richtig mit ihr warm geworden, was vermutlich auch daran liegt, dass wir keinen direkten Einblick in ihre Gedankenwelt bekommen. Dadurch blieb sie für mich etwas distanziert und schwer nachvollziehbar, was es mir erschwert hat, eine echte Verbindung zu ihr aufzubauen. Die Dynamik zwischen Kid und Johanna war dagegen wieder sehr unterhaltsam. Ihre gemeinsamen Szenen haben mich oft zum Lachen gebracht, weil ihre Dialoge so lebendig und schlagfertig sind. Gleichzeitig muss man aber sagen, dass ihre Beziehung alles andere als gesund ist. Dieses ständige On-Off, die Spannungen und die toxischen Muster ziehen sich durch das ganze Buch und machen die Geschichte emotional intensiv, aber auch teilweise anstrengend. Im Vergleich zum vorherigen Band muss ich allerdings ehrlich sagen, dass mir dieser Teil etwas weniger gut gefallen hat. Ein großer Faktor dafür war der sehr präsente und teils extreme Drogenkonsum. Das Buch ist definitiv keine leichte Lektüre, und gerade diese Aspekte haben es mir schwer gemacht, mich vollständig auf die Charaktere einzulassen oder wirklich mit ihnen mitzufühlen. Trotzdem fand ich es spannend, einen so tiefen Einblick in das Leben und die Gedankenwelt einer drogensüchtigen Person zu bekommen. Die Darstellung wirkt roh und ungeschönt und zeigt eindrücklich, wie komplex und belastend dieser Alltag sein kann. Insgesamt ist Kid ein intensiver, emotionales und stellenweise herausforderndes Buch, das vor allem durch seinen eigenwilligen Protagonisten überzeugt, auch wenn er für mich nicht ganz an die Stärke des vorherigen Bandes heranreicht.


