
"Am wichtigsten ist jedoch, dass wir immer hierher passen, selbst wenn wir unterschiedliche Meinungen vertreten."
Bisher war „Morbus Inertia“ mein Lieblingsbuch von Jennifer Fortein, jetzt hat es definitiv starke Konkurrenz bekommen. Mit „Wenn du nicht passt“ erschafft die Autorin eine düstere Zukunftsvision, die von Ungleichheit, Kontrolle und Unterdrückung geprägt ist. Besonders erschreckend fand ich dabei, wie realitätsnah diese Dystopie wirkt. Vieles fühlte sich unangenehm greifbar an und leider auch gar nicht so weit entfernt, wie ich es mir wünschen würde. Mehr als einmal lief mir beim Lesen ein kalter Schauer über den Rücken. Die Geschichte lebt stark von ihren Figuren. Diese sind sehr gut gezeichnet und lösen beim Lesen immer wieder ambivalente Emotionen aus. Genau das hat für mich einen großen Teil der Faszination ausgemacht. Mit Reny als Protagonistin habe ich mitgefiebert und mitgelitten, auch wenn ich zwischendurch die Befürchtung hatte, dass sich die Handlung in eine Richtung entwickelt, die mir weniger zusagt (Stockholm-Syndrom). Umso gespannter war ich, wie sich alles weiter entfaltet. Teilweise ließen sich leichte Parallelen zu „The Handmaid’s Tale“ erkennen, was für mich aber gut zur Thematik gepasst hat und die beklemmende Atmosphäre zusätzlich verstärkt hat. Mein einziger Kritikpunkt, wenn auch ein wichtiger, ist die fehlende Triggerwarnung. Gerade bei den behandelten Themen hätte ich diese definitiv notwendig gefunden. Insgesamt ist „Wenn du nicht passt“ eine intensive, erschreckend realistische Dystopie, die lange nachwirkt und zum Nachdenken anregt. Für mich ein sehr starkes Buch, das definitiv im Kopf bleibt.




