Ein Roman über das Aufwachsen fernab der Heimat
Es ist das Jahr 1940. Schon seit über einem Jahr sind die jüdischen Flüchtlingsmädchen Steffi und Nelli von ihren Eltern getrennt. Und noch immer besteht keine Aussicht auf eine Familienzusammenführung. Während die Briefe der Eltern davon zeugen, dass sich die Situation für Juden in Wien zunehmend verschlechtert, erhält Steffi die Möglichkeit, eine weiterführende Schule (läroverket) in Göteborg zu besuchen und ihre Ausbildung fortzusetzen. Sie wird Untermieterin bei der Akademikerfamilie, welche die Sommerferien bei Steffis Pflegeeltern im Schärengarten verbracht hatte und in Göteborg eine luxuriöse Wohnung im Stadtzentrum besitzt. In der Stadt findet sich Steffi Dank ihrer Klassenkameradin Maj und Sven, dem Sohn ihrer Vermieter, schnell zurecht. Schon bekommt sie ein schlechtes Gewissen: Ist es gerechtfertigt, dass es ihr gut geht, während ihre Eltern leiden? Und wo ist eigentlich ihr Zuhause? Auf der Insel im Meer bei ihrer Schwester und ihren Pflegeeltern? Oder bei ihren Eltern in Wien? „Hemma, det är att vara med människor som hon har känt i hela sitt liv, att få prata sitt eget språk och inte vara rädd att bli missförstådd. Hemma är platsen där hon kan vara sig själv helt och hållet.” (A. Thor - Näckrosdammen - S. 54) „Zuhause - das bedeutet mit Menschen zusammen zu sein, die man bereits sein ganzes Leben kennt, seine eigene Sprache sprechen zu dürfen und keine Angst vor Missverständnissen zu haben. Das Zuhause ist der Platz, wo man ganz und gar man selbst sein darf.“ (eigene Übersetzung) Ich habe auch den zweiten Teil der Geschichte um Nelli und Steffi sehr gerne gelesen. In einer einfachen, klaren und gleichzeitig bildhaften Sprache gelingt es Annika Thor, schwierige Themen anzusprechen, ohne dabei zu sehr zu belasten. Die erschütternden Briefe der Eltern aus Wien werden mit Alltagsszenen in Schweden kontrastiert. Sie zeigen, dass auch im „neutralen“ Schweden während des Zweiten Weltkrieges nicht alle neutral waren - und welche Fehleinschätzungen der Nazis in Akademikerkreisen kursierten. Daneben spielen Themen eine Rolle, die mit dem Aufwachsen der Mädchen zusammenhängen - Liebe, Freundschaft, Eifersucht… Der deutsche Verlag empfiehlt das Buch ab einem Altern von 12 Jahren. Die schwedische Version dürfte für Lernende ab Niveau B1 gut zu verstehen sein.
