Die Idee dahinter ist gut. Man nehme eine Familie mit 4 Kindern, ein Elternpaar, ein Haus in der Wüste, dazu ein Eindringling und schon hat man einen Thriller. Wenn es denn so einfach wäre... Leider hinkt der Plot ein wenig. Wo kommt das Wasser her, dass die Familie zum duschen leben braucht? Wieso fällt der Lehrerin nicht auf, dass es zwei Kinder sind, die sie unterrichtet - denn auch eineiige Zwillinge sind nie gleich in ihrem Verhalten?! Ich hatte mir mehr erwartet, zumal der Autor auf amazon regelrecht gehypt wird.
„Das Haus in der Kakteenwüste“ von Paul Pen ist 2017 bei Amazon Crossing erschienen. Inhalt lt. Verlagshomepage: Eines Tages klopft ein junger Mann an die Tür. Rose und Elmer sind alarmiert. Denn sie haben sich ein stilles Leben in der Wüste aufgebaut, mit ihren vier Mädchen. Früher waren es fünf, aber das älteste liegt nun begraben unter Sand, Steinen und den dornigen Kakteen. Die Familie hat einander, ihre verträumten Rituale und die Idylle der Abgeschiedenheit – für immer. Etwas kommt Rose und Elmer an dem Fremden merkwürdig vor. Was, wenn er herausfindet, warum sie mit ihren Töchtern in dieser menschenleeren Einsamkeit leben? Wenn er mit diesem Wissen weiterzieht? Das müssen sie verhindern. Um jeden Preis … Dies ist weniger ein Thriller, als eigentlich ein psychologisches Familiendrama und dazu äußerst intelligent und geschickt durchdacht. Dem Autor gelingt es, sprachlich und obwohl (oder vielleicht gerade deswegen) er nur einen einzigen Schauplatz für seine Story wählt, ohne großes Blutvergießen eine überaus dichte und beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Irgendwo im Nirgendwo leben Rose und Elmer mit ihren Töchtern und man fragt sich als Leser zunächst permanent, warum das so ist und welches Geheimnis die Eltern oder die Familie verbirgt. Doch auch, als das „Warum“ erfahre, lässt die Spannung nicht nach. Eher das Gegenteil passiert: Ich tauche noch tiefer in die Geschichte und die Schicksale der einzelnen Protagonisten ein. Und diese beschreibt Pen überaus einfühlsam und vielschichtig und auch Situationen und Gegebenheiten werden lebhaft und bildreich geschildert. Und immer wieder findet man den schmalen Grat zwischen Warmherzigkeit und absoluter Kälte. So entsteht ein überaus subtiles Gesamtwerk, das mich auf ganzer Linie überzeugt hat und ich freue mich auf weitere Bücher von dem Autor. Ganz klare Leseempfehlung!

