19. Apr.
Rating:2.5

Trifft nicht mein Humorzentrum 

Roadtrips in den Süden sind ja irgendwie mein Ding. Meistens wird eine Gesellschaft zusammengestellt , die sich nicht besonders gut kennt. Jeder ist ein bisschen schrullig und dann findet man auf der Reise irgendwie zusammen und hat einen Mehrwert. Ob das in diesem Fall auch so ist – wir werden sehen. Carlo hat einen Brief bekommen, der im direkten Zusammenhang mit seinen zarten Gefühle für ein portugiesisches Zimmermädchen steht. Der Brief landet allerdings bei Carla ein paar Häuser weiter. Als diese mehr über den Zusammenhang rund um den Brief erfährt, kommt ihr die Idee doch gemeinsam in den Süden zu reisen, um der Liebesgeschichte zu einem Happy End zu verhelfen. Das Auto dafür soll Kramer liefern ein weiterer Geselle im nahen Umfeld, der ein Incel Leben führt und irgendwie nichts so richtig auf die Reihe kriegt. Die 3 machen sich also auf den Weg und in Belgien stößt Rosalie dazu, die von ihrem Mann so frustriert ist, dass sie sich eine Auszeit gönnt. So willkürlich das klingt, so ist das auch. Die vier passen nicht besonders gut zueinander, was unterwegs immer wieder zu Reibereien führt. Man interessiert sich zwar für die Gedanken des andern, und oft verlieren sich die Figuren im Philosophieren über Dinge, die das Leben betreffen. Aber der Ton ist oft gereizt, was ich als extrem anstrengend empfand. Besonders Kramer bekommt oft sein Fett weg. So richtig sympathisch ist er aber auch nicht. Wichtig ist noch etwas über die Machart zu erfahren. Eingebettet ist der Plot in eine Rahmenhandlung in der Carla ihre Freundin, eine Psychologin, besucht und ihr die Ereignisse erzählt. In der Geschichte selber haben wir auch immer wieder kleine Anekdoten, die vom ein oder anderen erzählt werden. Also sind es recht häufig kleine Geschichten in der Geschichte in der Geschichte. Sowas muss man mögen. Der Autor war Redakteur bei der Titanic, was man ab und an auch merkt. Slapstickartige Situationen und Wortwitz sind hier keine Seltenheit. Ich fand das allerdings nicht immer lustig und glaube, dass Stefan Gärtner einen Humor hat der mein Lachzentrum nicht kitzelt. Wenn am Anfang zum Beispiel zwei der Protagonist*innen sich einander vorstellen und zufällig beide Nachnamen besitzen, die auch zwei NS-Größen inne hatten - und sie sich jeweils vom anderen verschaukelt fühlen, dann kann das lustig sein. Für mich sind das eher Jokes, deren Ablaufdatum schon vor langer Zeit überschritten wurde. Die Konstruktion der Figuren ist sehr unterschiedlich. Während mir Carla sehr nah kam (zu nah) und kaum Distanz wahrte, blieb mir Kramer fremd, was sicherlich auch daran lag, dass seine Wortbeiträge nur indirekt waren, also komplett ohne wörtliche Rede auskamen. Natürlich gibt es auch hier die kleinen, feinen Töne, die die Probleme offen legen, die jede Figur mit sich herum trägt. „Saudade“ , die melancholische Sehnsucht, die schmerzt aber irgendwie auch schön ist, ist in der portugiesischen DNA verankert. Hier hat sie sich schon vor der Ankunft in Lissabon auch bei den deutschen Reisenden festgesetzt, auch wenn sie noch so sehr dagegen ankämpfen. Ihr merkt schon, meins war es nicht. Auch wenn ich glaube, dass dieser Roman sicherlich seine Liebhaber*innen findet, muss ich mir eingestehen, dass er mich nicht berühren konnte. Er gehört in die Reihe der Bücher, bei denen ich schnell erkannt habe, dass sie ganz gut sind, die aber einfach nicht zu mir passen. Versucht es gerne und macht euch selber eine Meinung. Vielleicht habt ihr mit dieser Reisegruppe mehr Spaß.

Hotel Drei Jahreszeiten
Hotel Drei Jahreszeitenby Stefan GärtnerLiteraturverlag Droschl