16. Juni
Rating:4

Freudenthaler gelingt mit ihrem Debüt ein leises, aber eindringliches Porträt einer Frau, die durch Schweigen Würde und Stärke bewahrt. Die Sprache wirkt präzise und nüchtern, und gerade durch ihre Zurückhaltung entfaltet sich eine starke emotionale Wirkung.

„Die Königin schweigt“ ist ein stiller, eindringlicher Roman über eine Frau, die ihr Leben schweigend lebt – und darin Würde und Stärke findet. Im Mittelpunkt steht Fanny, eine alte Frau vom Land, deren Geschichte sich in leisen Rückblenden entfaltet. Sie bekommt ein Tagebuch geschenkt, schreibt aber nicht hinein. Stattdessen erzählt der Roman über Erinnerungen, die sie nicht ausspricht, sondern in sich trägt. Freudenthalers Stil ist klar, reduziert und sehr präzise. Keine überflüssigen Worte. Alles ist knapp gehalten, fast kühl – doch genau dadurch entfaltet sich eine starke emotionale Wirkung. Die Sprache wirkt wie ein feines Messer: still, aber scharf. Thematisch geht es um Schweigen als Form von Selbstschutz, um Frauenleben im 20. Jahrhundert, um Erinnerung, Vergessen, Krieg, Verlust und die Sprachlosigkeit zwischen Generationen. Es passiert nicht viel – jedenfalls nicht im klassischen Sinn. Der Roman lebt von Momentaufnahmen, innerer Spannung und feinen Beobachtungen. Stärken: Die Sprache ist literarisch und dennoch zugänglich. Die Figuren sind glaubwürdig, besonders Fanny wirkt durch ihre Zurückhaltung stark und echt. Viele Szenen bleiben hängen, obwohl oder gerade weil sie unspektakulär sind. Schwächen: Manche Leser*innen könnten sich durch die Fragmenthaftigkeit distanziert fühlen. Wer klare Handlung, Dialoge oder Tempo erwartet, wird hier nicht fündig. Fazit: Ein leiser Roman, der lange nachklingt. Für Menschen, die Literatur mögen, die zwischen den Zeilen erzählt wird. Kein Pageturner – aber ein feines, stilles Buch mit Tiefe.

Die Königin schweigt
Die Königin schweigtby Laura FreudenthalerLiteraturverlag Droschl
18. Okt.
Rating:3

Der Roman "Die Königin schweigt" handelt in Rückblenden vom Leben der Bauerstochter Fanny, geboren in den 1930er Jahren, aufgewachsen auf einem Bauernhof im ländlichen Österreich. Fannys ganzes Leben ist geprägt von Verlusten, jedoch verhält sie durchgehend sehr passiv und man hat nie das Gefühl, dass sie ihr Leben in die eigene Hand nimmt oder nehmen möchte. Ihr ganzes Leben schweigt sie, was ihre Gefühle und ihre Wünsche betrifft, und auch die Enkeltochter, die sich mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzt und die ihr ein Tagebuch zum Aufschreiben der eigenen Gedanken schenkt, schafft es nicht, irgendetwas aus ihr herauszulocken, das Tagebuch bleibt leer. Das Buch ist stilistisch sehr ungewöhnlich geschrieben, der gesamte Schreibstil passt zum Leben von Fanny. Es ist sehr bedrückend und unbequem. Ich habe das Buch im Rahmen eines Lesekreises gelesen.

Die Königin schweigt
Die Königin schweigtby Laura FreudenthalerLiteraturverlag Droschl