12. Feb.
Rating:3

Ach ich weiß nicht…

… was hab ich gerade gelesen? Das Buch ist wirr, es springt hin und her zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit, zwischen Griechenland, Berlin und den Menschen, um die es geht. Irgendwie mochte ich es, irgendwie hat es mich genervt. Mit dem Klappentext hatte es leider nicht viel zu tun. Trotzdem war es unterhaltsam, das Buch zu lesen.

Frauen, die beim Lachen sterben
Frauen, die beim Lachen sterbenby Alexandra StahlJung u. Jung
7. Jan.
Rating:3.5

Melancholie auf einer Insel

Und wieder ein Roman, der sich mit Frauen und den Freundschaften zu anderen Frauen beschäftigt. Ein gedanklicher Spaziergang durch eine Midlifecrisis und europäische Sehnsuchtsorte dekorieren das Setting. Iris, Anfang 40 weiß im Leben gerade nicht wo sie steht. Ihre Freundschaft zu Katja ist anstrengend geworden. Ela kann die kränkende Freundin nicht kompensieren. Und ihre Beziehung zu Männern - puuh, schwieriges Thema! Und so reist sie auf eine griechische Insel und versucht dort in herbstlicher Stimmung ihr zerbrechendes Selbst zusammenzuhalten. Während sie neuen Menschen begegnet, die unaufgeregt mit ihr umgehen, lässt sie uns in ihre Vergangenheit blicken, die permanente Suche nach Liebe und Anerkennung, die ungeschickte Art, mit der sie Menschen begegnet, die auf mich wirkt, als wäre sie immer einen Ticken zu spät - zu spät mit Komplimenten, zu spät mit der Pointe und zu spät mit Erkenntnis. Sie hinkt ihrer eigenen Entwicklung hinterher. Alexandra Stahl, hat ein langsames Buch geschrieben, dass einem die Ereignisse nicht Schlag auf Schlag präsentiert. Wir müssen sie uns behutsam erlesen. Das Buch erinnerte mich mehr an ein Puzzle als an eine zusammenhängende Geschichte. Erst wenn man das letzte Teil eingefügt hat, erschließt sich einem die Persönlichkeit der Protagonistin. Stahl wählt oft unkonventionelle Methoden. Wir finden Fragmente eines Textes, den die Protagonistin findet und erfahren erst später, was wir da lesen. Linearität lässt sich zwar erkennen, hat aber keine Priorität. Und die Beziehungen, die unsere Hauptfigur zu ihren Mitmenschen aufbaut, werden oft abrupt beendet und irgendwo neu wieder aufgenommen oder auch nicht. Die Schauplätze haben in mir Sehnsüchte geweckt, gerade wenn das Wetter draußen grau und kalt ist, würde man auch gerne den Winter auf einer griechischen Insel oder einem sizilianischen Institut verbringen. Die Gelassenheit steht in einem krassen Gegensatz zu Iris ungeordnetem Leben. Das war für mich kein Buch, was ich hintereinander weg lesen konnte, sondern was ich oft zur Seite gelegt habe, um es aber dann auch wieder motiviert aufzunehmen. Was mich nicht euphorisch hat werden lassen, mich abertrotzdem befriedigt hat. Ich fand Iris einfach entdeckenswert, auch wenn der Erzählstil manchmal so kratzig daherkommt wie die Protagonistin selbst. Die Autorin wird in der Presse als deutsche Sally Rooney bezeichnet, was ich im Ansatz sogar verstehen kann. Für mich bringt sie aber nur die positiven Seiten der irischen Autorin mit sich. So anstrengend wie Rooneys Werke fand ich das Buch nicht. Es ist gekonnt mit Beobachtungen und Erkenntnissen gefüllt. Wer so etwas mag, dem sei dieses Buch empfohlen!

Frauen, die beim Lachen sterben
Frauen, die beim Lachen sterbenby Alexandra StahlJung u. Jung