
Ich glaube, dich lieben zu dürfen, wäre das Beste, was mir jemals passiert ist.
Ich konnte mich zwar nicht mehr an jedes Detail aus dem ersten Band erinnern, aber eines wusste ich noch ganz genau: Diese Reihe tritt emotional nicht einfach nur ein bisschen zu, sondern nimmt Anlauf und springt mit beiden Beinen mitten auf dein Herz. Deshalb war ich anhand des Klappentextes ehrlich gesagt darauf eingestellt, dass Unloved vielleicht etwas leichter oder oberflächlicher wird. Tja. Falsch gedacht. Komplett falsch gedacht. 😭 Die Geschichte beginnt zu Studienbeginn, als Ro und Freddy sich auf einer Party begegnen. Zwischen den beiden entsteht sofort eine gewisse Verbindung und es kommt sogar zu einem Kuss, Ros erstem Kuss wohlgemerkt. Danach verschwindet Freddy allerdings wieder aus ihrem Leben. Ein Zeitsprung später befinden wir uns im letzten Studienjahr. Ro ist inzwischen mit Tyler zusammen und Freddy nur noch eine alte Schwärmerei. Wobei ich ganz ehrlich sagen muss: Tyler hätte ich bereits vor Kapitel zwei freiwillig auf den Mond geschossen. Ohne Rückflugticket. Dieser Mann ist das wandelnde Paradebeispiel für emotionalen Müll. Narzisstisch, herablassend und jemand, der scheinbar nur glücklich ist, wenn er andere klein machen kann. Natürlich macht er dabei auch vor seiner eigenen Freundin keinen Halt. Als Ro dann Freddy als Tutorin zugeteilt wird, eskaliert Tylers Begeisterung entsprechend gegen null. Freddy wurde von den anderen praktisch schon aufgegeben, weil seine Lernschwäche und sein ADHS ihm das Studium massiv erschweren. Gerade deshalb mochte ich diesen Aspekt der Geschichte unglaublich gern. Freddy wird nie als „dumm“ dargestellt. Im Gegenteil. Man merkt schnell, dass er intelligent ist, nur eben anders lernt und andere Unterstützung braucht. Dass er trotz eines bereits sicheren NHL-Vertrags unbedingt seinen Abschluss schaffen möchte, macht ihn nur noch sympathischer. Und Ro schafft genau das, was vorher niemand geschafft hat: Sie erklärt ihm die Dinge so, dass sie für ihn funktionieren. Zwischen den beiden entwickelt sich dadurch erst eine Freundschaft, die sich unglaublich echt und gesund anfühlt. Ro gibt Freddy das Gefühl, dass er nicht weniger wert ist, nur weil ihm Lernen schwerfällt. Freddy wiederum zeigt Ro, dass sie sich weder für ihre Gefühle noch für sich selbst schämen muss, auch wenn Tyler ihr genau das ständig einredet. Die Dynamik zwischen den beiden war für mich das absolute Highlight des Buches. Diese kleinen Momente zwischen ihnen waren teilweise emotionaler als manche riesigen Liebeserklärungen in anderen Romance-Büchern. Und ganz ehrlich: Freddy bringt Ro nach kurzer Zeit den richtigen Kaffee mit, während ihr eigener Freund es nach zwei Jahren nicht hinbekommt. Der Mann setzt die Messlatte für Aufmerksamkeit einfach mit einem verdammten Kaffeebecher höher als Tyler in seiner gesamten Beziehung. Tragisch. 😭☕ Was das Buch aber wirklich so emotional macht, ist der Ballast, den beide mit sich herumtragen. Ro steckt nicht nur in einer Beziehung fest, die ihr permanent das Gefühl gibt, nicht gut genug zu sein, sondern vermisst auch ihre Familie schrecklich. Freddy dagegen wirkt nach außen wie der typische lockere Playboy, der immer lacht und scheinbar keinerlei Probleme hat. Doch hinter dieser Fassade steckt unglaublich viel Schmerz. Der Tod seiner Mutter verfolgt ihn noch immer und zusätzlich muss er sich ständig mit seinem narzisstischen Vater auseinandersetzen, der ihn klein hält, weil er Angst davor hat, sein Sohn könnte erfolgreicher oder besser sein als er selbst. Besonders schön fand ich, dass Freddy eben kein klassischer Playboy ist, der Beziehungen ablehnt oder Frauen nur benutzt. Eigentlich wünscht er sich genau diese Nähe und Liebe, ist aber viel zu unsicher, um daran zu glauben, dass jemand wie Ro ihn wirklich wollen könnte. Genau dadurch wirkt ihre Beziehung so ehrlich und emotional. Außerdem mochte ich unglaublich gern, dass die Geschichte parallel zum ersten Band verläuft, anstatt einfach danach anzusetzen. Dadurch bekommt man bekannte Ereignisse nochmal aus einer anderen Perspektive zu sehen, ohne dass es sich wiederholend anfühlt. Der Schreibstil war unglaublich flüssig und emotional. Die Seiten sind nur so dahin geflogen und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wann diese beiden endlich aufhören, umeinander herumzukreisen. Und das Warten hat sich absolut gelohnt. Für mich war Unloved eine wunderschöne, emotionale Romance über Selbstwert, Heilung und zwei Menschen, die sich gegenseitig zeigen, dass Liebe niemals bedeuten sollte, sich kleiner zu machen.


































































