Hebt sich von anderen Fantasyromanen ab
Van Basten hat mich nach langer Zeit wieder in eine Vampirwelt gezogen. Allerdings in eine völlig andere, als man sie sonst kennt. Hier sind Vampire keine unterdrückte Spezies, sondern die herrschende. Vor Jahrhunderten löschte ein Vampirvirus die Menschheit aus und zurück blieb eine Gesellschaft, die stagniert und einen Ausweg sucht. Diese Leere erleben wir durch Protagonist Leith van Basten. Bereits zu Beginn greift das Buch durch ihn Themen wie Depression auf und geht darüber hinaus. Aria Rauh verarbeitet im Verlauf religiösen Fanatismus, Ausbeutung, Wissenschaft, Machtstrukturen und Massenverfolgungen. Trotz dieser Themenfülle wirkt der Roman nie überladen. Stattdessen fügt sich alles passend in die Welt ein und eröffnet immer wieder Parallelen zu unserer eigenen Gesellschaft. Besonders gefallen hat mir Leith als Charakter. Er besitzt eine starke moralische Haltung, ohne perfekt oder belehrend zu wirken. Gerade dadurch zeigt das Buch, dass Mitgefühl und Menschlichkeit keine Schwäche sein müssen. Auch die queeren Figuren und Beziehungen sind selbstverständlich in die Welt eingebunden, ohne künstlich hervorgehoben zu werden. Spannend fand ich außerdem die umgekehrten Rollenbilder der Vampirwelt. Wie würde eine Gesellschaft funktionieren, die fast ausschließlich nachts lebt? Würde eine andere intelligente Spezies dieselben Fehler machen wie wir? Der Roman verbindet klassische Vampirelemente mit futuristischen Ideen und zeichnet dabei das Bild einer technologisch fortschrittlichen, aber gedanklich rückschrittlichen Welt. Der Schreibstil hat mich sofort gepackt. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Zwar zogen sich manche Passagen etwas und nicht jede Handlung war für mich komplett nachvollziehbar, dennoch konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen, sobald ich dran war. Das Ende ist rund und macht Lust auf weitere Geschichten aus Rauhs Feder. Vor allem die moralischen Konflikte, die ausgearbeiteten Systeme und die Mischung aus Dystopie, Vampirroman und Gesellschaftskritik heben Van Basten für mich deutlich von anderen Fantasybüchern ab.





