Was will dieses Buch?
"Fischtage" handelt von der sechzehnjährigen Ella, die mit Wutanfällen zu kämpfen hat. Sie lebt in Dortmund und kommt aus einer Künstlerfamilie, die Mutter ist Galeristin und der Vater erfolgloser Schauspieler. Die beiden sind definitiv keine Anwärter für den Titel "Eltern des Jahres", da ihre drei Kinder mit dem wilden Drogen- und Partyleben ihrer Eltern aufwachsen. Als der jüngste Sohn Luis verschwindet, bekommt das niemand außer Ella mit. Da sie die Schnauze voll hat, haut sie von zuhause ab, um ihn zu suchen. Im Schrebergarten des alten Eckard kommt sie unter, Gesellschaft leistet ihr ein seltsamer, sprechender, bei Gefahr singender Plastikfisch. Und so beginnt Ellas Suche nach Luis, die vielmehr eine Suche nach ihrer eigenen Zugehörigkeit ist. Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive von Ella erzählt. Sie ist unglaublich bissig in ihrer Sichtweise auf ihr Umfeld. Das war sehr unterhaltsam zu lesen. Der beste Part an diesem Buch war für mich der Anfang, wo Ella ihre Familie beschreibt und uns in ihr Leben einführt. Generell spannend fand ich die Milieustudie und an manchen Stellen die Gesellschaftskritik in diesem Buch. Ella begegnet sehr vielen, interessanten Menschen aus verschiedenen Schichten und macht eine kleine Entwicklung durch. Sie lernt, andere Menschen an sich heranzulassen und gewinnt einen anderen Blick auf die Welt. Diese Entwicklung ist schön, aber hat mich weniger mitgerissen als erwartet. Bei manchen Figuren, wie bei Oksana, finde ich die Beweggründe nicht nachvollziehbar. Warum hilft sie Ella? Ich fand einiges nicht so ganz schlüssig. Den sprechenden Plastikfisch kann ich akzeptieren, der ist ja absichtlich unrealistisch und irgendwie lustig. Aber diese ganze Abenteuerreise mit der Auflösung am Ende hat mich nicht ganz gekriegt, sondern eher ratlos zurückgelassen. Sie wirkte auf mich sehr klischeehaft und der actionfilmmäßige Showdown wirkte auf mich deplatziert. Außerdem werden Ella schlimme Dinge angetan, die überhaupt nichts zur Handlung beitragen, konsequenzlos bleiben und nicht mehr aufgefriffen oder eingeordnet werden, als wäre es gar nicht passiert. Und egal, wie oft ich den letzten Satz lese, ich verstehe ihn leider nicht, weil er für mich einfach nicht zum Rest des Buches passt. Ich weiß nicht ganz, wie ich "Fischtage" finden soll, es ist so ein "Joa, kann man machen"-Buch. Der bissige Schreibstil ist toll und das Element des magischen Realismus mit dem sprechenden Plastikfisch ist sehr originell, aber die Handlung ist dann doch unerwartet gewöhnlich aufgebaut. Ich bin ein kleines bisschen enttäuscht, weil ich das Potential sehe und ein Lesehighlight erwartet habe. Ich werde zukünftigen Büchern von Brandi definitiv eine weitere Chance geben.

















