Dieses Buch ist irre vielschichtig und im Grunde unmöglich in einer knappen Bookstagram-Review zusammenzufassen- ich versuche es trotzdem:
Pleasure ist ein Essay, in dem Jovana Reisinger geschickt feministische, gesellschaftliche, politische und popkulturelle Themen mit autobiografischen Anekdoten verwebt.
In Pleasure geht es um Genuss, Genussfähigkeit, Selbstsicherheit, darum dazuzugehören, als Frau Raum einzunehmen; es geht um die gelungene Provokation, den Mut zur Hingabe und LUXUS.
Ein großes Thema ist die Zugehörigkeit zu einer sozialen Klasse.
Wie viel Mühe, Recherche und Verkleidung es braucht, wenn man die Klasse wechseln, sozial aufsteigen will. Und wie viel Unmut, Ungläubigkeit und Ablehnung einem entgegenschlägt, wenn man es denn tatsächlich schafft.
Und wie es sich anfühlen kann, wenn man „enttarnt“ wird.
Es geht viel um die Wahrnehmung von Frauen in der Gesellschaft- eine beschränkte, einschränkende Wahrnehmung, die Künstlichkeit und Intelligenz ausschließt. Eine Frau mit künstlichen Fingernägeln im sexy Dress und mit full make-up kann demnach unmöglich intellektuell sein oder kluge Gedanken von sich geben. (Oh, und wie sie das kann)
Ich hatte beim Lesen so ein permanentes Wohlgefühl. Vielleicht weil Pleasure unterhaltsam ist wie ein Mädelsabend. Vielleicht aber auch, weil ich mich in vielen Themen wiedererkannt habe.
Neben all den gesellschaftlichen Topics schreibt Jovana Reisinger über das Aufwachsen in der österreichischen Kleinstadt, über Parties, Dates, Lover und Sex. Die Themen wechseln sprunghaft- was ich mochte, weil mir nie langweilig war.
Pleasure hatte eine anregende und inspirierende Wirkung auf mich.
Daher kann, will und muss ich es euch einfach empfehlen 💝💝💝
ich hab das buch gehört und grundsätzlich finde ich es super, wenn autor:innen ihre werke selbst lesen. ich mochte aber jovana reisingers lesart und stimme nicht, fand es stellenweise sehr anstrengend zuzuhören und musste längere hörpausen einlegen. gehört habe ich es nur zu bis ans ende, weil ich den hype verstehen wollte. das war vergeblich.
nun zum inhalt. ein buch als pleasure zu betiteln, das sich nur um lover, sex, schlafen, essen und (marken-) klamotten dreht, finde ich ehrlich gesagt sehr stumpf und traurig. ich hatte das gefühl, kapitel wiederholten sich einfach nur, weil es immer wieder um gleiche oder ähnliche stories ging, die eher autobiografischer natur waren und mich leider null interessiert haben. ich fand es oberflächlich und stumpf.
hier und da gab es wichtge anekdoten zum thema feminismus und klassismus, die mir gefallen haben. dafür sind die 1,5 sterne.
Jovana Reisingers "Pleasure" ist kein Wohlfühlbuch. Es ist ein vielschichtiger, genreübergreifender Text, der scheinbar Alltägliches – Essen, Schlaf, Sprache, Trauer, Körper, Liebe, Bett, Humor, Konsum, Klasse und Gewalt – als Brenngläser für gesellschaftliche Machtverhältnisse nutzt. Was harmlos beginnt – mit Gedanken über Geschmack oder das Alleinsein – entpuppt sich schnell als präzise Analyse davon, wie patriarchale und kapitalistische Systeme selbst in intimsten Momenten mitwirken: auf unseren Tellern, in unseren Beziehungen, auf unserer Zunge.
Ein feministischer Blick auf Genuss und Herkunft
Reisinger entlarvt Genuss als Klassenprivileg. Wer was isst, wie darüber spricht, oder wo einkauft, ist niemals neutral. Selbst einfachste Speisen – wie eine Knoblauchsuppe oder ein Achterl Wein – werden je nach Kontext zu Insignien von Distinktion oder sozialer Herkunft. Das Buch zeigt: Genuss ist performativ. Er wird nicht nur erlebt, sondern vor allem dargestellt – über Kleidung, Sprache, Gesten. Besonders schmerzhaft ist das für Menschen, die „zwischen“ Klassen aufgewachsen sind, deren Körper und Zunge beides kennen, aber in keiner Umgebung ganz dazugehören.
Schreiben als Widerstand
Literatur ist in "Pleasure" kein elitäres Medium, sondern ein Werkzeug gegen das Schweigen – auch wenn sie als „Zeitverschwendung“ markiert wird. Reisinger denkt Schreiben radikal körperlich: Schreiben ist Anstrengung, Verzicht, Verweigerung. In einer Welt, die auf Produktivität und Optimierung ausgerichtet ist, wird jede Form des Innehaltens – Lesen, Denken, Verarbeiten – zum politischen Akt.
Diese Perspektive stellt auch die Erzählform infrage: Der Text ist fragmentarisch, springt zwischen Essay, Memoir, autofiktionalem Tagebuch – genau wie das Denken selbst, das sich nicht linear entwickelt. Dadurch entsteht Nähe, nicht Distanz.
Körper, Schlaf und Trauer: Politik des Privaten
Das Buch macht deutlich, wie stark selbst unser Rückzug in die eigenen vier Wände politisch aufgeladen ist. Schlaf, Trauer, Krankheit, Rückzug – all das, was nicht verwertbar ist – wird marginalisiert oder pathologisiert. Aber Reisinger beansprucht genau das als Raum weiblicher Würde. Ihr Bett wird zum Gegenentwurf zur Außenwelt: ein Ort, an dem sie denken, lieben, hassen, schreiben kann – aber eben auch scheitern darf.
Trauer wird nicht romantisiert, sondern physisch durchlitten. Der Körper wird zum Ort des Widerstands, aber auch der Verletzlichkeit. Und genau das verleiht dem Text eine kraftvolle Authentizität, fernab von therapeutischem Empowerment-Sprech.
Sprache, Klassenherkunft und der Zwang zur Selbstinszenierung
Ein zentrales Thema ist, wie Sprache zur sozialen Eintrittskarte wird – und gleichzeitig zur Falle. Die Protagonistin wechselt zwischen Hochsprache, Dialekt, Ironie und Slang – nicht aus Stilwillen, sondern aus Notwendigkeit. Wer sich „nach oben“ arbeiten will, muss nicht nur Leistung bringen, sondern klingen, essen, wohnen und lachen wie die anderen. Dabei wird deutlich: Das Klassensystem wirkt subtil, aber brutal.
Auch Konsum – Clean Eating, Ozempic, Designerkleider – wird nicht als Lifestyle, sondern als Zwang zur Selbstoptimierung sichtbar. Was nach Selbstfürsorge aussieht, ist oft bloß Anpassung an ein System, das weibliche Körper klein, leise und kontrolliert will.
Feministische Wut ohne Klischees
Was "Pleasure" besonders macht, ist die kluge, nicht belehrende Art, feministische Wut zu artikulieren. Es geht nicht nur um die Gewalt durch Männer, sondern um die strukturelle Abwertung weiblicher Selbstständigkeit – in Beziehungen, Karrieren, oder der Sprache selbst („Ex-Frau“, „Versagerin“, „alleine im Bett“).
Gleichzeitig kritisiert Reisinger auch die internalisierte Frauenfeindlichkeit, etwa wenn ältere Frauen junge kritisieren, weil sie „aufgeben“, statt zu kämpfen. Dabei stellt das Buch die richtige Frage: Warum wird weiblicher Rückzug als Scheitern gewertet – und nicht als Konsequenz auf dauerhafte Überforderung?
Fazit
Alles in allem ist "Pleasure" ein komplexes, forderndes, wütendes und dabei enorm kluges Buch. Es verwebt persönliche Erfahrung mit struktureller Analyse, ohne sich in Theorie zu verlieren. Jovana Reisinger schafft es, Gesellschaftskritik spürbar zu machen – in Sprache, Körper und Alltag. Das Buch ist nichts für Leser:innen, die lineare Erzählungen oder einfache Lösungen suchen. Aber es ist ein Geschenk für alle, die wissen wollen, wie tief Klassenverhältnisse und patriarchale Strukturen in unsere intimsten Lebensbereiche eindringen – und was es bedeutet, sich ihnen mit Sprache, Stil und Sturheit zu widersetzen. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen.
Zwischen Essay, Manifest und Memoir: Reisinger schreibt in diesem Buch über das Recht auf Genuss und die feministischen Aspekte der drei fundamentalen Bereiche Kleidung, Essen & Schlafen. Kluge Gedanken und schillernde Beschreibungen!
Ich bin sehr ambivalent was dieses Buch betrifft. Auf der einen Seite hat sich das Buch wie eine lange WhatsApp Nachricht von deiner besten Freundin gehört/gelesen ( habe ich als Hörbuch gehört). Auf der anderen Seite gibt mir dieses Buch Autobiografische vibes, die ich gar nicht lesen wollte, da ich mich sonst nicht mit Jovanna beschäftige. Ich glaube für Fans von ihr könnte das ganz cool sein. Klar sie spricht ganz wichtge gesellschaftliche Themen an aber wie sie das umgesetzt hat war für mich schwierig nachzuvollziehen. Es fehlt an Struktur. Ich hatte zwischenzeitlich echt das Gefühl wir switchen 5 mal in einem Satz die Themen.
„Pleasure“ von Jovana Reisinger ist eine erfrischend ehrliche und kluge Essaysammlung, die sich liest wie ein intensives Gespräch mit der coolen großen Schwester – direkt, bissig und dabei unglaublich empowernd!
Jovana Reisinger ist einfach eine absolute QUEEN. ✨ Das empfinde ich nach der Lektüre von Pleasure nur umso mehr.
Pleasure umkreist die von Reisinger aufgestellte Triade der Luxus- und damit Pleasure-Manifestation, bestehend aus Mode, Essen/Trinken und Schlafen.
Dabei mischt sie ihre eigenen Erfahrungen mit soziologischen und feministischen Konzepten und Betrachtungen, um die Möglichkeiten und Spielarten von Pleasure aufzuzeigen. Das tut sie auf sehr unterhaltsame und oft geschickte Art und Weise.
Besonders die Essays zu den Themen Essen und Trinken waren für mich ein Hochgenuss (ich muss nun endlich mal in Berlin zu Rogacki zum Austern essen) und auch Konzepte wie der beschriebene Heteropessimismus wirken nach Beenden des Buches noch nach (werde ich wie eine andere Rezensentin hier schrieb in meinen Sprachgebrauch aufnehmen).
Inwiefern Pleasure, inwiefern dieser Luxus nun politisch sein soll, ist mir nicht durchweg klar geworden, an einzelnen Stellen ja, aber mir fehlte der übergeordnete Bezug. Dennoch gibt es von mir fantastische 4 ⭐️.
Pleasure: Schlaf, Mode, Essen und Liebe/Sex. Darum ging es. Um den Luxus und um moderne Themen rund um Konsum.
Ich habe es als Hörbuch gehört und tat mir Anfangs etwas schwer mit der Lesestimme, aber je länger ich es hörte, desto passender war es (ist ja schließlich auch die Autorin selbst).
Thematisch war ich am Anfang ebenso skeptisch, jedoch fand ich es dann doch ziemlich gut! :) konnte vieles nachvollziehen und neue Anstöße bekommen.
Ich hab’s schon von mehreren gehört und leider muss ich mich anschließen. „Pleasure“ war leider kein Pleasure für mich.
In drei Abschnitten erzählt Jovana Reisinger über ihr Leben, ihre Interessen, ihr Liebesleben, ihre Vorlieben und den Luxus, den sie genießt. Obwohl es einige Stellen gab, die mir gut gefallen haben, las es sich irgendwie wie eine Bachelorarbeit…
Die Anekdoten aus ihrem Privatleben und ihre persönlichen Erlebnisse gemischt mit den Zusammenfassungen der Werke anderer Autorinnen ist eigentlich interessant. Bin dennoch unentschlossen, wie ich es finde.
Stellenweise kamen bei mir auch Fragen auf. Warum definiert sie sich auf der einen Seite so krass als Arbeiter*innenkind und beschreibt es als ihre Identität und dann schreibt sie in einem Kapitel über die Beziehung zu ihrer Heimat und ihren Eltern, wie stolz sie ist, als ihre Eltern sie sprachlich nicht mehr verstehen, weil sie sich eine „höhere“ Sprache angeeignet hat? Fand ich irgendwie echt schlimm zu lesen, wie sie es darauf anlegt, sich von ihrer Herkunft und ihren Eltern loszusagen und als was Besseres fühlt… Ich bin auch lost mit crush und lover und irgendwie fehlte mir hier Struktur…
Insgesamt fiel es mir einfach zu schwer, mich in die Story reinzufühlen und ich fand es null relatable. Das liest aber sicher wieder jede anders und ich habe auch schon einige positive Kommentare gelesen. :)
Wer ein Buch sucht, das sich anfühlt wie ein sehr langes und unterhaltsames Gespräch mit einer Freundin, für den ist Jovana Reisingers Essay genau das Richtige.
Die Autorin berichtet darin sehr direkt, unzensiert und intim über die drei Dinge, die für sie „Pleasure“ ausmachen: Kleidung, Essen und Schlaf. Jeder Themenbereich für sich war ein spannender Einblick in die Kulturszene, in der sich die Autorin bewegt. Reisinger spricht dabei offen und ehrlich über ihre Liebe zu kostspieliger Statement-Mode, Champagner und Übernachtungen im Hotel. Was auf den ersten Blick abgehoben und weltfremd klingt, hört sich bei Jovana Reisinger wie ein Leben an, das man zumindest für ein paar Tage auch mal erleben will - aber ja zum Glück nicht muss. Denn man kann dieser Autorinnenlesung auch nur wunderbar lauschen - Ich für meinen Teil habe mich mich jedes Mal aufs Weiterhören gefreut und dachte manchmal fast: „Ah, Jovana ruft an.“
„Pleasure“ von Jovana Reisinger ist ein Buch über Genuss. Genuss über die Klasse hinaus, das Ausbrechen und wieder zurückkommen. Frauen-Freundschaften und Männer-Geschichten, die Rolle des Bettes und die der singulären Frau.
„Wer am Leben ist, ist dazu verpflichtet“